Erstellt am 31. Januar 2011, 06:38

Massensterben hätte schwere Folgen. BIENENVÖLKER / Jetzt wird auch die EU aktiv. Das Aussterben der Bienen hätte gravierende Konsequenzen für die Menschheit. Apokalyptisches Szenario?

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VON TINA WESSIG

Nach Kuh und Schwein gilt welches Tier als drittwichtigstes Nutztier? Nicht das Huhn, nicht das Lamm. Es ist die Honigbiene. Und gerade sie macht Imkern und Naturwissenschaftern Sorge.
Plötzlich finden ganze Schwärme nicht mehr heim oder landen tot vor ihren Fluglöchern. „Es handelt sich nicht um die Krankheit, die in den USA die Völker bedroht; wir in Europa verzeichnen eine Belastung durch Saatgut, das mit Pflanzenschutzmitteln behandelt ist“, erklärt Josef Stich, Präsident des österreichischen Erwerbsimkerbundes und Imker aus Manhartsbrunn.
Bienen gewähren der Landwirtschaft hohe Erträge: Ohne die Bestäubung wären Obstbauern vom Ernteausfall betroffen, aber auch Landwirte – hängen doch 80 % der Nutzpflanzen von der Bestäubung der Bienen ab. Neben den Imkern schlägt jetzt sogar die EU Alarm. Um die Ursachen für das Sterben aufzuklären, soll bis April in Frankreich ein Referenzlabor etabliert werden. „2008 hatten wir erstmals herbe Verluste, also wurden die Bestimmungen für Pestizide verschärft. 2009 gab es wieder Verluste. Erneut wurden die Bestimmungen verschärft. 2010 das gleiche Spiel ...“, sagt Stich.

Der Imker schaue zuerst auf die Blüten: „Wenn Tiere sterben, ist der Umkreis von drei Kilometern wichtig – und die Blüten, die dort stehen.“ Und: Die Felder, die dort bestellt werden. Denn: Beim Säen gelangt das Pestizid, das das Saatgut ummantelt, in die Luft, der Wind verträgt es, und in einem bestimmten Radius verenden die Bienen.

Aber nicht nur sie: Auch Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge – „nur die gehen niemandem ab“, sagt Stich.
Weiterer dramatischer Umstand in der modernen Landwirtschaft ist das Fehlen von unterschiedlichen Blüten zu unterschiedlichen Zeiten: Monokulturen, vor allem der massenhafte Anbau von Mais, führen dazu, dass es immer weniger blühende Pflanzen gibt. Und irgendwann finden die Bienen keine Nahrung mehr.

„Die Viecher tun einem einfach nur leid …“
Fassungslos und traurig ist Stich, wenn vor seinen Bienenstöcken tote Tiere liegen.
Wenn sie es schaffen, mit ihrem letzten Nektar nach Hause zu fliegen, kann dies wiederum die Brut schädigen, verkrüppelte Bienen seien keine Seltenheit. Sicher ist aber für den Verbraucher: „Die Bienen sind extrem sensibel, sie sterben innerhalb von Stunden, ehe das Gift in den Honig gelangt.“
Auch in Niederösterreich hofft man daher auf die EU-Resolution. „Kein Milchbauer würde akzeptieren, dass jemand in der Umwelt oder in seinem Stall Mittel anwendet, an denen seine Kühe verenden“, sagt Stich vieldeutig. Er hofft inständig, dass die EU die Zulassungsbedingungen von Pflanzenschutzmitteln dem heutigen Stand des Wissens anpasst.
„Bienen sind der beste Bio-Indikator, den es für die Natur gibt“, so Stich eindringlich, „geht’s den Bienen gut, geht’s der Umwelt gut.“