Erstellt am 04. März 2013, 12:31

Mehr Raum und mehr Komfort für ein schöneres Zuhause. Christian Hanus von der Donau-Universität Krems spricht mit der NÖN darüber, was in Sachen Wohnraumvergrößerung im Trend ist und worauf man dabei achten muss.

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NÖN: Thema Aus-, An-, und Aufbauen: Welche Möglichkeiten gibt es grundsätzlich, wenn man mehr Wohnraum schaffen möchte?
Hanus: Zu den üblichsten und häufigsten Ausbauarten im Wohnbaubereich zählt eindeutig der Dachausbau. Hierbei müssen in erster Linie die Dachflächen gedämmt und ein ausgeklügeltes Belichtungskonzept entwickelt werden. Der Dachausbau gewährleistet eine kompakte Bauweise ohne Erweiterung des Bauvolumens bei überschaubaren Kosten.
Sofern die baurechtlichen Rahmenbedingungen es zulassen, können auch Zubauten zur Erweiterung des Wohnraums dienen. Auch kann ein Ausbau des Kellergeschoßes in Frage kommen. Hierbei stellen aber vor allem die Tageslichtversorgung und die Mauerwerksfeuchtigkeit eine Herausforderung dar.

Was sind die häufigsten Gründe für solche Vorhaben?
Beim Häuslbauer im kleinvolumigen Wohnbau zählen zu den wichtigsten Gründen geänderte Nutzungsansprüche an das eigene Haus – in der Regel im Sinne einer Komfortsteigerung. Im großvolumigen Wohnbau hingegen stehen ökonomische Überlegungen im Vordergrund.

"Der Dachgeschoßausbau zählt zu den häufigsten Wohnbauerweiterungen "

Wie groß ist der Prozentsatz an Einfamilienhäusern in Niederösterreich, die nachträglich zusätzliche Wohnräume schaffen?
Derzeit existiert meines Wissens nach – und auch nach Rücksprache mit Kollegen – keine statistische Erhebung über nachträglich erstellten Wohnraum an Bestandsgebäuden. Die Statistiken machen hier keinen Unterschied zwischen Wohnbauerweiterung und Neubau.

Stichwort Genehmigungen: Worauf muss man bei der Schaffung von zusätzlichen Räumen beachten?
Die Wohnbauerweiterung bedarf einer Baubewilligung bei der örtlichen Baubehörde. Im Zuge des Baubewilligungsverfahrens werden auch die Nachbarn eingebunden.

Welche Maßnahmen sind beim Umbauen, zum Beispiel bei Renovierung beziehungsweise Sanierung am häufigsten?
Zum Beispiel die Umstellung des Heizsystems oder eine Thermische Sanierung. Aber auch, um Bauschäden zu beheben oder die Barrierefreiheit zu gewährleisten, wird umgebaut.

Wie sieht es mit dem Dachgeschoßausbau aus? Wie beliebt ist er in Niederösterreich und was braucht man dazu?
Wie bereits erwähnt, zählt der Dachgeschoßausbau zu den häufigsten Wohnbauerweiterungen in Niederösterreich, insbesondere im Speckgürtel um Wien. Doch mittlerweile etabliert sich dieser zusehends auch in ländlichen Regionen und auch im kleinvolumigen Wohnbau.
Für Dachausbauten zeigen sich insbesondere Leichtbaukonstruktionen von Vorteil, um die bestehende Gebäudesubstanz nicht aufwendig verstärken zu müssen, insbesondere bei großvolumigen Wohnbauten.

Womit sollte man starten, wenn man den Wohnraum vergrößern möchte?
Insbesondere für die Vorprojektphase sollte genug Zeit vorgesehen werden. Häufig fehlt die Zeit, die Bauherrenwünsche ausreichend zu definieren, zu prüfen und zu berücksichtigen. Nicht allzu selten erfolgen diese Versäumnisse erst in einer späten Projektphase  – mit viel Aufwand und entsprechenden Zeitverzögerungen.

Gibt es hierfür einen „idealen“ Zeitplan?
Der sogenannte ideale Zeitplan beinhaltet ausreichende zeitliche wie auch finanzielle Reserven. Außerdem sind einzelne Projektschritte beim Bauen voneinander abhängig. Das sollte man dementsprechend bereits in der Planung berücksichtigen.

Was sind typische Fehler, die passieren?
Häufig stehen die Investitionskosten für die Wohnbauerweiterung bei den Bauherren stark im Vordergrund und lassen andere wichtige Aspekte zum Zeitpunkt der Projektplanung und -umsetzung oft unterberücksichtigt.
Ein Umbau hat für die nächsten mindestens 30 Jahre den Nutzungsanforderungen zu genügen. Deswegen ist eine gesamtheitliche Erfassung und Abwägung der Aspekte unabdingbar. Viele Ausführungsfehler passieren durch unzureichend ausführliche – oder manchmal gar nicht vorhandene – Detailplanung.

Wie kann man solche Fehler vermeiden?
Bei der Vorplanung und Ausführungsplanung sollte man grundsätzlich nicht derart sparen, dass für die Ausführungen Fehler entstehen. Eine weitere Fehlerquelle liegt in der Bauaufsicht. In der Vergangenheit hat unsere Universität mehrere Forschungsarbeiten verfasst, welche zeigen, dass sich Maßnahmen wie erhöhte Bauaufsicht, geeignete Produktwahl oder exaktere Detailplanung bezahlt machen.

Wie sieht es mit professioneller Hilfe aus? Bei welchen Vorhaben braucht man Experten, wie zum Beispiel einen Architekten?
In Österreich bedarf die Gebäudeerweiterung – wie bei Neubauten auch – eines gewerberechtlich befugten Planers. Hierbei kann es sich um einen Baumeister oder Ziviltechniker handeln. Es ist für Häuslbauer ratsam, bei Projekten von entsprechender Komplexität auch Fachplaner wie Bauphysiker oder Haustechnikingenieure beizuziehen.

Was kann man ohne Hilfe im Eigenheim verändern?
Selbst kleine bauliche Änderungen bedürfen in Niederösterreich mindestens einer Widmungsänderung, ansonsten sind sogleich Baueinreichungen erforderlich.

Gibt es wissenschaftliche Entwicklungen im Bereich Aus-, An-, Um- und Aufbauen?
Im Bereich der baulichen Erweiterung im Wohnbaubereich fokussieren sich die gegenwärtigen Forschungen einerseits auf die Projektoptimierung in Bezug auf die Kosten des Gebäudes, die Entwicklung optimierter Dämmsysteme und die Entwicklung CO2-neutraler Wärmeerzeugungsanlagen. Ein weiteres, besonders spannendes Forschungsfeld ist die Energieeffizienz im denkmalgeschützten Baubestand.

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