Erstellt am 07. Mai 2012, 00:00

Nicht immer Unkraut. FRÜHLINGSKRÄUTER / Die Natur bietet gerade jetzt eine Vielzahl wichtiger Vitaminlieferanten und Geschmacksverstärker. Die Petersilie und der Schnittlauch sind dabei die Dauerbrenner.

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VON CHRISTIAN BAYR

Der Frühling wird nicht nur wegen der Wärme und des Lichtes herbeigesehnt, sondern auch der frischen Kräuter wegen: Bärlauch, Petersilie, Schnittlauch und Co. sorgen für aromatische Speisen und frische Vitamine, vor allem Eisen und Vitamin C. Die Natur birgt dabei so manche Überraschung, vieles, was landläufig als Unkraut gilt, ist in Wahrheit ein Leckerbissen.

Ein Paradebeispiel dafür ist die meist gefürchtete Brennnessel, die gekocht köstlich schmeckt. Gegen das Brennen kann man sich schützen: „Zum Pflücken sollte man dicke Handschuhe tragen. Wenn man sie dann verkochen will, sollte man sie vorher in ein Geschirrtuch einschlagen und mit einem Nudelwalker darüberrollen, dann brechen die lästigen Brennhaare ab“, so Rosa Leisser, Kräuterbäuerin und Obfrau des Kräuterdorfes Neuruppersdorf.

Oft als reines Unkraut verkannt wird auch der Girsch, der wild in vielen Gärten wächst: „Er erinnert im Geschmack an Karotte und Petersilie und kann roh und als Salat gegessen werden, eignet sich aber auch zum Kochen“. Lavendel- und Brombeerblätter sind jetzt ebenso pflück reif wie junge Lindenblätter. „Die passen gut für einen Salat“, so die Kräuterbäuerin.

Gundelrebe – kaum beachtet,  aber vielseitig verwendbar

Wenig Beachtung findet meist auch die Gundelrebe: „Sie schmiegt sich flach an den Boden, hat dunkelgrüne, nierenförmige Blätter und blüht lila wie ein Veilchen. In alten Wiener Kochbüchern steht, dass man sie bei der Herstellung von Rindsuppe mitkochen soll, sie eignet sich aber auch als Salat und als Basis für Aufstriche. Ich aromatisiere sogar ein Eis damit“, so Leisser.

Die Einsatzmöglichkeiten frischer Kräuter in der Küche sind nahezu unbegrenzt: So passt Dill nicht nur zu Fisolen, sondern auch hervorragend zu Fisch. Estragon verleiht Geflügel oder Kalb eine besondere Note. Kerbel mit seinem Anisgeschmack ist ideal für Erdäpfelsuppe oder Kräuterbutter. Löwenzahn und Lieb stöckl finden vor allem in Rohkostsalaten Anwendung, Majoran rundet Erbsensuppe ebenso geschmacklich ab wie Gänse- oder Schweinebraten.

Petersilie und Schnittlauch sind Dauerbrenner wie Pfefferminze oder Zitronenmelisse. Rosmarin passt hervorragend zu Geflügel- oder Pilzgerichten, Salbei verleiht auch deftigeren Speisen wie etwa Lammbraten eine individuelle Note. Thymian und Sauerampfer, Basilikum, Bohnenkraut, Borretsch und Beifuß sind allesamt Frühlingskräuter, die in wirklich keinem Haushalt fehlen sollten.

Die Kräuter möglichst  spät zupfen oder hacken

Generell gilt für alle Frühlingskräuter, dass man sie möglichst erst kurz vor der Verwendung hackt oder zupft, damit sie ihr volles Aroma entfalten können, und dass man sie nicht zu stark erhitzen soll.

Rosa Leisser: „Jetzt wachsen die besten Kräuter quasi vor unserer Haustüre. Und je wilder und steiler eine G’stett’n, umso mehr ist sie eine Fundgrube für jeden echten Kräuterliebhaber“.