Erstellt am 22. April 2013, 12:45

"Niederösterreich holt sich seine Energie aus der Natur". Im Gespräch mit Energie-Landesrat Stephan Pernkopf über die aktuelle PV-Förderung, die Atomenergie sowie den Ausbau der Erneuerbaren.

 |  NOEN, NLK Filzwieser
NÖN: Angesichts von steigenden Spritpreisen und kaputten Atomkraftwerken spricht jeder von einer Energiewende hin zu erneuerbaren Energien – wie kann das gelingen?
Pernkopf: Die Katastrophen der letzten Zeit haben uns deutlich vor Augen geführt, dass Atomkraft und fossile Energien nicht die Zukunft sind. Die Atomkraft – siehe Fukushima – ist unberechenbar und zu gefährlich. Es gibt kein sicheres Atomkraftwerk, immer wieder kommt es zu Zwischenfällen. Deshalb haben wir auch gegen die Erweiterung des grenznahen Kernkraftwerks Paks in Ungarn schärfsten Protest eingelegt. Fossile Energie wie Erdöl und Erdgas ist nur begrenzt vorhanden, das Ausbeuten der letzten Reserven wird immer teurer. In Niederösterreich haben wir schon mit dem im Jahr 2011 vom Landtag beschlossenen „Energiefahrplan 2030“ konkrete Ziele zur Förderung erneuerbarer Energien gesetzt: Wir möchten unsere Energie zu einem Großteil aus der Natur beziehen und nicht aus schrottreifen Kernkraftwerken oder ausländischen Ölfeldern.

Eines dieser Ziele ist, dass Sie Niederösterreich im Strombereich energieautark machen möchten. Klingt nach einer Herausforderung, wie soll das funktionieren?
Wir haben uns vorgenommen, bis 2015 den gesamten Strom aus erneuerbarer Energie zu erzeugen. Insgesamt möchten wir bis 2020 die Hälfte unserer Energie aus Erneuerbaren gewinnen. In Österreich sind wir die Nummer eins bei Biomasse, Windenergie und Photovoltaik. Bei Strom haben wir jetzt schon einen Anteil von 90 Prozent. Wir sind auf einem absolut guten Weg.

Stichwort Green Jobs: Was bringt die Energiewende für die Wirtschaft?
Die Energiewende ist vor allem wirtschaftlich ein Erfolg. Sie verringert den Bedarf an Energieimporten und schafft Beschäftigung in der Region: Von aktuell 34.000 Green Jobs möchten wir im Jahr 2020 bereits 50.000 Beschäftigte im Umweltbereich haben. Ein paar Beispiele zum Ausbau der erneuerbaren Energie in Niederösterreich zeigen die Dynamik: Mittlerweile sind fast 600 Biomasse-Nahwärmeanlagen in Betrieb, die Ökostrom für 180.000 und Ökowärme für 100.000 Haushalte liefern. Dazu kommen noch 50.000 private Holzheizungen. In Summe sichert der Brennstoff Holz bereits jährlich 200 Millionen Euro Wertschöpfung im Land und ersetzt das Energievolumen von 15.000 Tanklastzügen voll Heizöl. Nahezu wöchentlich kommt eine Nahwärme-Anlage neu dazu. Knapp die Hälfte der österreichischen Windräder stehen in Niederösterreich und 2013 werden einige dazukommen: Dieses Jahr sind 56 Windräder geplant, die Strom für 80.000 Haushalte produzieren können. So viel Windkraft-Zuwachs gab es noch nie innerhalb eines Jahres. Ende des Jahres 2013 werden insgesamt 430.000 Haushalte ihren Strom aus sauberer Windkraft beziehen.

Wie schätzen Sie die Bedeutung der Photovoltaik ein? Ist das die Energie-Zukunft?
Der Preis der Photovoltaik hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre halbiert. Wenn wir dieses Tempo halten, wird bald jeder und jede sein eigenes „Sonnenkraftwerk“ auf dem Dach haben. Photovoltaik ist eine faszinierende Technologie, große Nachfrage wird die Kreativität der Entwickler weiter beflügeln, die Integration der Module in die Hausfassaden ist erst der Anfang. Jedes Photovoltaik-Modul hat eine wichtige
Symbolwirkung für Niederösterreich als Energieland Nummer 1.

Wie sieht’s mit der Photovoltaik in Niederösterreich aus?
Auch bei der direkten Nutzung der Sonne ist Niederösterreich spitze. Rund 14.000 private Photovoltaik-Anlagen sind bereits in Betrieb. Und dank der neuen PV-Förderung des Klimafonds können wir weitere 5.000 Anlagen auf unsere Dächer in-
stallieren.
Weiters zeichnet unser Wettbewerb „Photovoltaik-Liga“ die Gemeinden mit der größten Photovoltaik-Leistung aus. Bei uns tut sich also sehr viel, wie man sieht! Aktueller Landesmeister ist Haidershofen mit rund 3 PV-Modulen pro Einwohner. Eine absolute Vorbildwirkung für eine nachhaltige Zukunft!

Photovoltaik-Förderung
Holen Sie sich Ihre PV-Förderung unter  http://www.pv2013.at oder bei der NÖ Energie- und Umweltagentur unter (02742 22 144).
Wo sich Ihre Gemeinde im PV-Ranking befindet, sehen Sie unter www.pv-liga.at

Mehr zum Thema erneuerbare Energie finden Sie im NÖN-Sonderprodukt >>"Energie aus der Natur".