Erstellt am 31. Oktober 2011, 00:00

Niederösterreicher stehen auf Umwelt. UNTERSUCHUNG / Dass Umwelt & Energie ein zentrales Thema des Landes ist, hat eine Erhebung von Motivforscherin Sophie Karmasin ergeben. Dennoch bleibt noch viel zu tun.

 |  NOEN

VON MARTIN GEBHART UND

NICOLE FRIESENBICHLER

Seit Fukushima haben sich die Vorzeichen geändert. Die Atomkatastrophe in Japan hat das Umwelt- und Energiebewusstsein der Bevölkerung stark steigen lassen. Im Land wurde daraufhin sofort ein Energiepaket geschnürt. Und an Motivforscherin Sophie Karmasin eine große Untersuchung in Auftrag gegeben, um zu sehen, wie die Niederösterreicher zu diesem Weg stehen. Und wie sie dabei noch mehr motiviert werden können.

ÖVP-Landesrat Stephan Pernkopf präsentierte nun gemeinsam mit Sophie Karmasin das Ergebnis der Umfrage. „Die Niederösterreicher sind umweltbewusst und optimistisch. Zwei Drittel der Niederösterreicher erkennt im Umweltthema ein klares Zukunftsthema“, so ein zufriedener Pernkopf.

Mülltrennung ist Standard,  Energieberatung im Steigen

Die Studie macht zwar klar, dass Umwelt und Energie nicht das Thema Nummer 1 der Niederösterreicher ist, dass es aber sehr stark verankert ist. Der Bekanntheitsgrad der Mülltrennung liegt bei 81 Prozent, die Energieberatung schon bei 59 Prozent und das Klimabündnis ist immerhin 52 Prozent der Befragten geläufig. Pernkopf: „Das ist ein absoluter Rekordwert.“ Insgesamt glauben 65 Prozent daran, dass die Bedeutung des Themas Umweltschutz stark im Steigen ist. Und sie setzen auch gezielt auf Energiemaßnahmen: In erster Linie auf Sonnenenergie, gefolgt von Wasserkraft, Windenergie, Biomasse und Biogas. Wobei speziell die Windenergie zuletzt stark angezogen hat. Wer allerdings glaubt, dass dies bloß aus dem umweltromantischen Schutzgedanken heraus passiert, der wird durch die Umfrage auf den Boden der Realität geholt. Die Menschen erwarten sich sehr wohl ökonomische Vorteile dadurch. So glauben 71 Prozent der Befragten, dass sich Umweltschutz gesamtwirtschaftlich rechnet. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 56 Prozent. Und 62 Prozent geben als Motiv für das Energiesparen finanzielle Vorteile an.

Deswegen hat Sophie Karmasinn in ihrem Fazit zur Studie bei der Frage, wie die Bevölkerung zu vermehrtem umweltgerechten Verhalten motiviert werden kann, an erster Stelle auch klargestellt, dass die finanziellen Vorteile des Energiesparens leicht verständlich und transparent aufgezeigt werden sollen.

Ein Punkt geht aus der Studie auch klar hervor: Die Nieder-
österreicher wünschen sich Energieunabhängigkeit, nach Fukushima vor allem von Atomstrom. Landesrat Pernkopf: „Niederösterreich will unabhängig von Stromimporten werden. Fukushima liegt für uns nicht in Japan, sondern in der Slowakei, Tschechien und anderen Nachbarländern. Am Montag war EU-Kommissar Potocnik in Niederösterreich. Ich habe ihm klar gemacht, dass die Pläne Tschechiens, den Atomstrom-Anteil von derzeit 30 auf 80 Prozent zu erhöhen, nicht akzeptabel sind, da sie ein absolutes Sicherheitsrisiko darstellen.“

Debatte um Förderung  von Solaranlagen

Im Vorfeld der Präsentation gab es eine Debatte über die Förderung von Solar- und Photovoltaik-Anlagen. Diese ist ja seit heuer in der Wohnbauförderung integriert. Deswegen kritisiert etwa die NÖ Arbeiterkammer, dass nun der Bereich zum Erliegen gekommen sei. Das lässt Pernkopf nicht gelten. In den vergangenen Jahren wären in NÖ mehr Anlagen gefördert worden als in den übrigen Bundesländern zusammen, und so wären die meisten Anträge abgearbeitet.


ZUR STUDIE
  • Ziel der Studie: Die Relevanz und das Verständnis aktueller Themen aus den Bereichen Umwelt, Klima und Energie einer umfassenden Analyse zu unterziehen. Besondere Blickpunkte wurden darauf gerichtet, welche Umwelt- bzw. Energiethemen für die Niederösterreicher welchen Stellenwert besitzen. Und wie stärker zum umweltrelevanten Verhalten motiviert werden kann.
  • Art der Studie: Es wurde eine quantitative Erhebung mit 500 persönlichen Interviews gemacht. Dazu gab es eine qualitative Studie mit vier Gruppendiskussionen in Korneuburg, St. Pölten, Amstetten und Wiener Neustadt mit Menschen, die in NÖ wohnen, wobei auf eine gute Mischung bezüglich Alter, Geschlecht und Bildung geschaut wurde. Die Studie wurde von Mai bis August durchgeführt.
     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sophie Karmasin und Landesrat Stephan Pernkopf präsentierten in Wien die Umweltstudie über NÖ: Nieder-

österreicher wünschen sich eine Energie-
Unabhängigkeit.

MICHELE  PAUTY