Erstellt am 11. August 2015, 12:40

von APA Red

Österreicher für mehr erneuerbare Energieträger. Die Österreicher wünschen sich einen Ausbau der Wind- und Wasserkraft und sind auch sehr fürs Energiesparen, aber sparen sollen nach Möglichkeit die Anderen und kosten soll es auch nichts - das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Gallup-Institut für den Branchenverband Oesterreichs Energie durchgeführt hat.

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Den Strompreis finden die meisten günstig oder angemessen. Jeder Zweite der rund 1.000 Befragten will, dass der künftige Mehrbedarf an Strom durch mehr Erzeugung in Österreich gedeckt wird, 34 Prozent wollen den Verbrauchszuwachs durchs Stromsparen abfangen, nur 6 Prozent wollen mehr Stromimporte.

Fast zwei Drittel wollen mehr Windkraftwerke (64 Prozent) und einen Ausbau der Wasserkraft (63 Prozent), aber auch mehr Photovoltaik-Anlagen und Geothermie. Was die Menschen von Windrädern in ihrer Nachbarschaft halten, wurde nicht abgefragt.

Gaskraftwerke werde man mittelfristig brauchen

"Thermische Erzeugung ist weit abgeschlagen mit 14 Prozent", sagte die Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt, am Dienstag bei der Präsentation der Umfrageergebnisse. Man müsse daher verstärkt kommunizieren, dass es auch um saubere und effiziente Gaskraftwerke gehe und nicht um Kohlekraft wie in Deutschland. Man werde Gaskraftwerke mittelfristig auf jeden Fall brauchen, je mehr volatile Erzeugung aus Erneuerbaren es gebe.

Eine große Mehrheit der Österreicher (87 Prozent) lehnt Atomenergie ab. Genauso viele befürworten auch die Klagen gegen die Subventionen für das geplante britische Atomkraftwerk Hinkley Point. "Österreichs Energie spricht sich auch für diese Klage aus, wir unterstützen, dass die Bundesregierung hier offiziell geklagt hat", sagte Schmidt. Man sei prinzipiell gegen Subventionen für die Energieerzeugung und es solle auch bei den Erneuerbaren eine Heranführung an den Markt geben, verlangen die Stromerzeuger.

Das Energiesparen ist den Befragten wichtig, solange es nicht konkret wird: Nur knapp ein Viertel wäre nach eigenen Angaben bereit, in den nächsten fünf Jahren insgesamt 500 Euro für Energiesparmaßnahmen im eigenen Haushalt auszugeben. 17 Prozent würden sich das Energiesparen bis zu 1.000 Euro kosten lassen, 8 Prozent bis zu 3.000 Euro. Auch auf direkte Befragung wird bestätigt, dass Strom derzeit als billig angesehen wird - nur 14 Prozent finden ihn teuer. Eine Verteuerung ist auch nicht zu erwarten: "In nächster Zeit sehen wir überhaupt keine Strompreiserhöhungen", sagte Schmidt. "Es haben ja sogar einige Lieferanten angekündigt die Preise zu senken."

"Das gibt uns zu denken"

Wenn es um die Reduktion von CO2-Emissionen geht, sehen die Konsumenten einen Handlungsbedarf vor allem bei den Anderen: "46 Prozent der Befragten sehen es als wichtigste Aufgabe an, die Emissionen der Industrie und des produzierenden Gewerbes zu reduzieren." Nur 30 Prozent wollen eine Reduktion der Emissionen im Verkehr, mit 13 Prozent folgt die Stromproduktion und nur 8 Prozent der Befragten sehen eine Senkung der Emissionen bei Heizung und Warmwasser als notwendig an. "Das gibt uns zu denken und ist auch ein Arbeitsauftrag für uns", sagte Schmidt. In der Industrie werde nämlich schon aus Wettbewerbsgründen sehr viel in Effizienzmaßnahmen und in die Reduktion der Emissionen investiert, wogegen es bei den Haushalten noch viel mehr Potenzial gebe.

Die deutschen Pläne für eine Abkoppelung Österreichs vom deutschen Strommarkt sind noch nicht vom Tisch, "Entwarnung ist nicht zu geben", sagte Schmidt. Weil es Engpässe bei der Stromübertragung vom Norden in den Süden Deutschlands gebe, fließe der Strom über Polen und Tschechien nach Süden, wogegen diese beiden Länder bereits protestiert hätten. Deutschland wolle darauf mit einer Teilung des Strommarktes reagieren. Laut "Kurier" (Dienstagausgabe) hat Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) seinen deutschen Ressortkollegen Sigmar Gabriel (SPD) in einem Brief aufgefordert, gegen diese Teilung des Strommarktes aufzutreten.

Einen technischen Engpass zwischen Österreich und Deutschland gebe es nicht, sagte Schmidt. Eine solche Marktteilung wäre mit dem Binnenmarkt-Ziel der EU nicht vereinbar und würde Strom für österreichische Kunden um 300 Mio. Euro verteuern. "Österreich ist geschlossen für die einheitliche Preiszone mit Deutschland, Sie werden niemanden finden, der dagegen ist." Als weitere Folge würde sich die Anzahl der Stromanbieter in Österreich reduzieren. Aber auch für Deutschland würden die Nachteile überwiegen. "Auch sie sind angewiesen auf unsere Pumpspeicherkraftwerke, sie sind ja auch darauf angewiesen, den Strom loszuwerden."