Erstellt am 07. Januar 2013, 10:14

Profite trotz Schäden: Energiewende bräuchte auch Rechtsänderungen. Konventionelle Formen der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen oder Atomkraft dominieren seit Jahrzehnten die internationale Energiewirtschaft.

 |  NOEN, www.BilderBox.com
Den Gründen für diese Vormachtstellung spürten Forscher in einer aktuellen Studie mit Beteiligung des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien nach. Ihre Erkenntnis: Würde man die Eigentümer der Energiekonzerne wie etwa die Aktionäre für negative Auswirkungen der Energiegewinnung unbeschränkt haften lassen, würde das die Chancen für erneuerbare Energien erhöhen.

Obwohl der prozentuelle Anteil konventioneller Energiegewinnung seit 1973 bei etwa 87 Prozent annähernd gleich blieb, habe sich das gesamte Liefervolumen seither mehr als verdoppelt, berichten die Wissenschafter in der Fachzeitschrift "PNAS". Aufgrund der Tatsache, dass die weltweiten Energiesysteme über sehr lange Zeit auf diese Formen der Stromerzeugung ausgelegt waren, seien nun die Kosten, die eine grundlegende Veränderung in Richtung erneuerbare Energieträger mit sich bringen, entsprechend hoch - das System sei erstarrt.

Als Faktoren, die diesen sogenannten "Lock-in-Effekt" verstärken, führen die Forscher die Langlebigkeit der bestehenden Infrastruktur sowie Entwicklungen, die den Energiebedarf dramatisch erhöht haben, wie den Aufstieg der Informationstechnologien und das globale Bevölkerungswachstum an. Erneuerbare Energien würden außerdem stärker unter der aktuellen Finanzkrise leiden als die Platzhirsche der Energieindustrie.

Um diese festgefahrene Situation zu überwinden, schlagen der IIASA-Forscher Jerome Dangerman und der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, drastische Veränderungen im Unternehmensrecht vor: Anteilseigner von Energiekonzernen, also etwa Aktionäre, sollen demnach stärker an den wirtschaftlichen und sozialen Kosten, die die Unternehmen verursachen, beteiligt werden, indem ihre derzeit beschränkte Haftung in eine unbeschränkte umgewandelt wird.

Unternehmen können zwar für durch sie verursachte Umweltschäden zur Verantwortung gezogen werden, "als Anteilseigner ist man für solche Schäden gewöhnlich nicht haftbar", so Dangerman in einer Aussendung. Das würde sich ändern, wenn den Eigentümern eine Mitverantwortung finanzieller Natur übertragen würde. Profite könnten dann nicht einfach abgeschöpft werden, obwohl Schäden entstehen.

Dangerman führt die Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" 2010 im Golf von Mexiko an, in Folge derer die ganze Region stark geschädigt wurde. "Wären die Anteilseigner haftbar, müssten sie beim nächsten Mal dieses Risiko beim Investieren oder Reinvestieren mitberücksichtigen", so der Forscher.