Erstellt am 13. November 2012, 10:30

RAG beruhigt: Ausreichend Gas-Kapazitäten vorhanden. Österreich kann nach Angaben des führenden heimischen Gasspeicher-Operators RAG "guten Mutes und sehr beruhigt in den nächsten Winter gehen".

Es gebe ausreichend Erdgas-Kapazitäten, noch mehr als früher, und diese würden auch weiter ausgebaut, sagte Generaldirektor Markus Mitteregger von der EVN-Tochter Rohöl-Aufsuchungs-AG (RAG). Allein die RAG-Kapazitäten liegen schon bei 5,0 Mrd. m3 - bei 8,5 bis 9 Mrd. m3 heimischem Jahresverbrauch -, hinzu kommen noch weitere rund 2,4 Mrd. m3 von der OMV.

Stündlich kann die RAG aus ihren Speichern bis zu 2,3 Mio. m3 Erdgas herausholen, bis 2014 sollen weitere 500.000 m3 dazu kommen, sodass dann 2,8 Mio. m3/Stunde möglich sind, so Mitteregger. Bei der Extrem-Kälte Anfang Februar d.J. waren bis zu 1,8 Mio. m3 pro Stunde an Ausspeicherung nötig, und die heimischen Leitungskapazitäten waren zu 75 Prozent ausgereizt.

Planmäßig voran geht laut Mitteregger der weitere Ausbau des "7Fields"-Speichers in Salzburg, der heute mit 1,2 Mrd. m3 Fassungsvermögen knapp ein Viertel der RAG-Gesamtkapazität stellt. Mit der jetzt laufenden zweiten Expansionsstufe soll das Vorratslager bis Sommer 2014 in Richtung 2,1 Mrd. m3 vergrößert werden.

Als Novum kann die RAG - neben ihren eigenen Speichern Puchkirchen, Aigelsbrunn und dem kleineren Haidach5 - schon bald einen Teil vom "7Fields"-Gas selbst vermarkten, obwohl der Speicher gemeinsam mit der E.ON Gas Storage (EGS) betrieben wird, die hier eigentlich für die Vermarktung zuständig ist. Konkret handelt es sich laut Mitteregger um 100 bis 300 Mio. m3, die ab Anfang 2013 die in Gründung befindliche 100-Prozent-Tochter RAG Energy Storage abwickeln soll. Kommen soll das Gas aus Nußdorf am Haunsberg. Im Endausbau ist 7Fields ein Verbund von bis zu sieben Lagerstätten in Salzburg und OÖ in 1.300 bis 1.600 m Tiefe und einem Gebiet von rund 15 km2.

Beim Speicher Haidach, mit 2,64 Mrd. m3 das zweitgrößte Vorratslager Europas, ist die Gazprom Partner der RAG, die Russen halten ein Drittel direkt und eine weitere Beteiligung über Wingas, die zur Hälfte Gazprom gehört. Der Gasspeicher Puchkirchen mit 1,1 Mrd. m3 Volumen gehört der RAG allein.

Verbessert wurde - und wird auch künftig noch - die Anbindung der Speicher an das heimische Netz. Seit heuer ist 7Fields auch an die Gaspipeline "Penta West" direkt angeschlossen (davor nur an das deutsche Marktgebiet in Bayern), bis 2013 soll auch eine Direktverbindung an die derzeitige Regelzone Ost umgesetzt sein. Die Österreich-Anbindung Haidachs, ebenfalls eine Vorgabe der E-Control, soll in den nächsten zwei, drei Jahren stehen, "das ist alles in Umsetzung", so Mitteregger. Verantwortlich für die Direkt-Anbindungen ist in beiden Fällen die OÖ. Ferngas als Netzbetreiber.

Angesichts der durch die AKW-Abschaltungen in Deutschland gemäß dem Ausstiegsplan bis 2022 immer wichtigeren Gaskraftwerke zur Stromerzeugung bekennt der RAG-Chef sein "möglichst großes Interesse an leistungsfähigen Anbindungen der Speicher". So sollten etwa noch fehlende Leitungen in Bayern "rasch realisiert werden", wünscht er sich. Auch die Preisverzerrungen zwischen Strom- und Gaspreisen seien untragbar: "Es ist nicht sinnvoll, dass sich Gaskraftwerke in Deutschland nicht mehr rechnen und somit die Versorgungssicherheit mit Strom durch den fehlenden Ausgleich für die erneuerbaren Energien gefährdet ist." Hier hofft Mitteregger "auf eine Rückbesinnung auf die Marktkräfte. Für die stark aus heimischen Gaskraftwerken kommende Strom-Winterhilfe für Deutschland bedarf es erheblicher Brennstoffmengen: "Voraussetzung für 1.000 MW Stromhilfe sind 200.000 m3 Gas pro Stunde, das ist vergleichsweise ein Fünftel von Haidach oder 40 Prozent von Puchkirchen." Und die Politik sei in Sachen bevorrangte Wind- und Solarstrom-Einspeisung gefragt, "damit es am Strommarkt wieder zu einer gerechten Preisbildung kommt".

Im Ausland kommt die RAG mit ihren Wachstumsbestrebungen gut voran. In Polen möchte sie noch heuer Gasspeicher-Verträge mit dem staatlichen Netzbetreiber Gaz System unterschreiben und dann geeignete Lagerstätten ausfindig machen. Nach einer Projekt-Konzeptionierung könnte in ein, zwei Jahren eine Bauentscheidung fallen, so Mitteregger.

Für die nächsten Bohrungen in Polen nach Shale Gas (Schiefergas) im Rahmen ihrer 26-Prozent-Beteiligung Saponis ist der RAG-Chef optimistisch, da Mitbewerber in einer benachbarten Region fündig geworden seien und es dort stabile Ausbeutungsraten gebe: "Das ist die gleiche geologische Formation", so Mitteregger. Deshalb sei er "positiv" gestimmt, "dass sich das mittelfristig zu einer Förderung ausbauen lässt". An Saponis ist die RAG seit 2010 beteiligt; im gegenständlichen Gebiet lagert das Gas in Tiefen von 2.000 bis 3.000 m.

Bei der Gas- und Ölsuche in Südungarn bei Kiskunhalas, gemeinsam mit der serbischen NIS, ist die RAG mit einer ersten Bohrung (Pirto-1) nicht erfolgreich gewesen, in den nächsten Wochen will man aber die zweite Explorationsbohrung starten. Mitteregger hofft, dass es von dort eventuell noch heuer erste Indikationen gibt, spätestens Jänner/Februar.

Im Vorjahr hat die RAG ihren Umsatz von 339 auf 381 Mio. Euro gesteigert und den Bilanzgewinn von 64 auf 75 Mio. Euro erhöht. Die Mehrheit von 50,025 Prozent an der RAG gehören dem börsenotierten niederösterreichischen Versorger EVN, zweitgrößter Aktionär ist die deutsche E.ON Ruhrgas mit 29,975 Prozent Anteil, mit je 10 Prozent sind die Steirische Gas-Wärme GmbH und die Salzburg AG dabei.