Erstellt am 21. April 2013, 13:27

Residenz für Wildbienen. Nützlingshotel / Ein paar hohle Stängel, ein paar angebohrte Hartholzstücke, in einem Rahmen angeordnet und an einer sonnigen Stelle angebracht – dann finden Wildbienen ein Zuhause.

In dieser Residenz fühlen sich Nützlinge garantiert willkommen: Die unterschiedlich dicken Gänge bieten vielen wichtigen Insekten Platz. Die schützenswerten Wildbienen bevorzugen Gänge mit drei bis zehn Millimeter Dicke, in denen sie ihre Eier ablegen. Mit reichlich Pollen als Nahrung versehen, verschließen sie den Gang, bis sich die Larve nach dem nächsten Winter ins Freie kämpft. Natur im Garten/ Alexander Haiden  |  NOEN, Natur im Garten/Haiden
Von Tina Wessig

Wildbienen sind für das Bestäuben der Blüten ebenso wichtig wie Honigbienen, sie fliegen sogar bei niedrigeren Temperaturen als ihre Kollegen. Durch Besiedelung und Bebauung geht ihr Lebensraum aber immer mehr verloren. Im Naturgarten können wir ihnen ein Stück davon zurückgeben, indem wir Nistplätze schaffen. Wildbienen und Hummeln sind schon zeitig im Jahr unterwegs. Sie besuchen die Blüten auch bei kühleren Temperaturen und bei bewölktem Himmel, noch bevor die Honigbiene im Einsatz ist. Diese wird erst ab 15°C richtig aktiv. Dann haben die Wildbienen in der Natur und im Erwerbsobstbau bereits viele Tausend Blüten bestäubt.

Es gibt mehr als 500 heimische Bienenarten. Im Gegensatz zu den Honigbienen leben sie nicht in Völkern, sondern sind Einzelgänger. Ihre Eier legen die Weibchen in Brutgängen ab, die sie mit Nahrungsvorrat für die Larven gefüllt haben. Ist der Vorrat aufgebraucht, verpuppt sich die Larve und überwintert darin. Die Brutgänge werden je nach Art in Pflanzenstängeln, Fraßgängen von Holzbewohnern, in Mauerspalten oder in der Erde angelegt.

Pflanzenstängel  als Nisthilfen

Geeignet sind etwa Dahlien-, Königskerzen-, Holunder-, Himbeer- oder Brombeerstängel und Strohhalme. Die Stängel und Halme mit einer Gartenschere auf zehn bis zwanzig Zentimeter Länge kürzen, mit Draht zusammenbündeln und vor Regen und Wind geschützt aufhängen.

Nisthölzer werden von Scheren-, Masken-, Mauer- und Blattschneiderbienen genutzt. Zur Herstellung eignet sich Hartholz am besten, etwa Buche, Obstgehölze wie Zwetschke, Apfel oder Birne. In das Holzstück werden willkürlich Löcher von drei bis zehn Millimetern gebohrt, der Abstand sollte rund zwei Zentimeter betragen. Dabei darf der Holzblock nicht ganz durchbohrt werden, die Bohrgänge müssen blind enden und nach hinten leicht ansteigen, damit Kondenswasser und Regen gut abrinnen können.

Der beste Standort für Nützlingshotels sind sonnige, warme Stellen im Garten, die vor Wind geschützt und überdacht sind, wie etwa unter Vordächern, an Hauswänden oder an Gartenhütten. Die Einflugöffnungen zeigen idealerweise nach Süden oder Südosten. Im eigenen Garten kann man übrigens durch die Gestaltung mit Weide, Schlehe, Berberitze, Schafgarbe, Glockenblume, Flockenblume, Storchschnabel, Salbei, Thymian, Melisse, Minze oder Lavendel wichtige Futterquellen für die Tiere schaffen.

Praxistipp
Gartenpraxis mit der „Natur im Garten Akademie“: Nützlingshotels bauen (27. April), Igel, Marienkäfer u. a. Nützlinge in den Garten locken (sonntags). Ort: DIE GARTEN TULLN, 13.30 bis 15.30 Uhr. Der Besuch der Gartenpraxis ist im Eintrittspreis inkludiert. www.naturim  garten.at, www.diegartentulln.at