Erstellt am 10. November 2011, 16:04

Rückgang bei Pflanzenseuche Feuerbrand. Auch wenn das Jahr 2011 als eher mildes Feuerbrand-Jahr zu verbuchen ist, werden Hobby- und Erwerbsgärtner in absehbarer Zeit mit der Obstbaumseuche leben müssen.

"Selbst wenn man die Seuche nicht mehr ausrotten kann, ist es möglich, mit einer geeigneten Gesamtstrategie Obstanbau sicher weiterzuführen", sagte Maria-Anna Moosbrugger, Projektleiterin des Interreg IV-Projekts "Gemeinsam gegen Feuerbrand" bei einem Hintergrundgespräch im Rahmen eines Fünf-Länder-Treffens am Donnerstag in Wien.

Im Jahr 2011 wurde in Österreich ein weiterer Rückgang des Feuerbrandauftretens beobachtet. In der Steiermark mussten so 3,63 Hektar gerodet werden. In Tirol hat es bisher lediglich sechs Meldungen gegeben, hier waren ungefähr 100 Bäume in Intensivobstanlagen betroffen. 190 Fälle gab es in Niederösterreich, allerdings waren hier keine Obstbäume, sondern Weiss- und Rotdorn von dem Erreger befallen. Bei den insgesamt 46 Meldungen aus Kärnten waren vor allem Hochstammbirnen betroffen, im südlichen Bundesland mussten 28 Rodungen durchgeführt werden. Aus Oberösterreich liegen keine genauen Zahlen vor. Gebietsweise gab es jedoch Feuerbrand im Streuobstbau, der Erwerbsobstbau blieb von der Seuche verschont.

In Salzburg ist die Situation seit 2008 unverändert ruhig. Hier wurden im heurigen Jahr insgesamt 15 Fälle von Feuerbrand gezählt, diese trafen allerdings Hausgärten. Auch Vorarlberg verzeichnete einen weiteren Rückgang, trotz guter Infektionsbedingungen gab es nur punktuell starken Befall. Die Bundesländer Wien und Burgenland zählten 2011 jeweils vier Feuerbrandfälle.

Zur Bekämpfung von "Erwinia amylovora", so der wissenschaftliche Name des Erregers, wird das Antibiotikum Streptomycin eingesetzt. Angewendet wurde es im Jahr 2011 in den Bundesländern Steiermark, Niederösterreich und Vorarlberg auf einer Gesamtfläche von 46,8 Hektar. Im Jahr 2010 war österreichweit noch ein Streptomycineinsatz auf insgesamt 373,13 Hektar notwendig. Das Antibiotikum gilt als einzig effizientes Mittel, ist aber auch sehr umstritten.

Nach dem Einsatz von Streptomycin konnten Spuren davon auch in Äpfeln und Honig nachgewiesen werden. Daher wurden auch dieses Jahr begleitende Rückstandsuntersuchungen durchgeführt. In der Steiermark wurden insgesamt 47 Honigproben gezogen, in keiner war das Antibiotikum nachweisbar. Im Bundesland Vorarlberg wurden 30 Proben untersucht, eine davon lag genau an der Höchstwertgrenze, alle anderen darunter. "Insgesamt konnte kein Hinweis auf eine Resistenz gegen Streptomycin festgestellt werden", sagte Ulrike Persen von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Den ersten Nachweis der Pflanzenkrankheit Feuerbrand in Österreich gab es im Jahr 1993 in Vorarlberg. Seit 2001 ist der Erreger in allen Bundesländern verbreitet. Das Bakterium gilt als hochansteckend, erkrankte Bäume und Sträucher bedeuten einen Infektionsherd für die ganze Gegend. Viele Tausend Bäume mussten in den vergangenen Jahren gerodet werden. 2005 wurde in Vorarlberg erstmals Streptomycin eingesetzt, seit 2008 wurde es bei akuter Gefahr auch in anderen Bundesländern zugelassen.

Seit dem ersten massiven Auftreten des Feuerbrandes in verschiedenen Obstbaugebieten Mitteleuropas Mitte der 1990er Jahre treffen sich Fachleute aus Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein und Südtirol jährlich zum Feuerbrand-Fünf-Länder-Treffen. Der heurige Erfahrungsaustausch über aktuelle Entwicklungen in der Bekämpfung von Feuerbrand findet heute, Donnerstag, und morgen, Freitag, in der AGES in Wien statt.