Erstellt am 25. November 2013, 15:42

Strom-Netztarife sinken ab Jahresbeginn. Die neuen Stromnetztarife verringern für die Haushaltskunden bei den meisten großen Netzbetreibern die Rechnung ab Anfang kommenden Jahres. Die stärkste Erhöhung ist von der E-Control für Wien vorgesehen, die stärkste Senkung bei der niederösterreichischen EVN.

 |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)
Einige Netzbetreiber wehren sich. Belastet wird die Stromrechnung 2014 aber durch höhere Ökostromzuschläge.
Die Stromrechnung setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Dem reinen Energiepreis, den Netztarifen, die rund 30 Prozent der Stromrechnung ausmachen, sowie Steuern und Abgaben.

Im österreichischen Durchschnitt sinken die Stromnetztarife um 2,3 Prozent, für Haushalte um durchschnittlich 2,4 Prozent. Die stärkste Senkung gibt es bei der EVN mit 9,3 Prozent, für einen Durchschnittshaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden (kWh) bedeutet dies in Summe laut EVN eine jährliche Ersparnis um rund 20 Euro. In Wien steigen die reinen Netztarife um 4,4 Prozent, unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer beträgt die Erhöhung für einen Haushalt rund 8 Euro im Jahr.

Netztarif-Erhöhungen gibt es unter anderem auch in Klagenfurt (+2,1 Prozent), im Burgenland (+1,15 Prozent) und in Innsbruck (+0,97 Prozent). Gesenkt werden sie unter anderem in Tirol (-6,26 Prozent), Graz (-5,72 Prozent) und in Oberösterreich (-5,27 Prozent)

Ökostromzuschläge "fressen" Senkung
Durch höhere Ökostromzuschläge werden aber die Netztarifsenkungen wieder aufgefressen. Die E-Control hatte Mitte Oktober erklärt, dass der Ökostromzuschlag für einen Durchschnittshaushalt von heuer 65 Euro (inkl. Umsatzsteuer) auf 83 Euro im kommenden Jahr steigen wird.

Insgesamt gibt es in Österreich rund 130 Netzbetreiber, davon hat die E-Control 51 geprüft und Kostenbescheide erlassen. Beschwerden gab es von rund 10 Netzbetreibern, darunter zwei große Unternehmen. Die neuen Netztarife stehen nun aktuell in einem Verordnungsentwurf. Man habe viele Gespräche über das neue Netztarifsystem geführt, "das Ergebnis kann sich sehen lassen", sagte E-Control-Vorstand Martin Graf. Man habe zwei Jahre mit der E-Wirtschaft verhandelt. Die neue so genannte Anreizregulierung gilt für fünf Jahre und stellt das Gerüst für die Netztarife dar.

Nicht zufrieden mit den ab Jahresanfang geltenden Netztarifen ist Reinhard Brehmer, Vorstand der Wiener Netze GmbH und im Branchenverband Oesterreichs Energie Spartensprecher Netze. Die Senkung sei zu viel, weil es bereits in den vergangenen 15 Jahren Senkungen von 30 bis 35 Prozent gegeben habe, sagte er. Weitere Senkungen pro Jahr sind einfach zu viel, um die grundsätzlichen Aufgaben, wie Instandhaltung und Erneuerung, zu sichern, sodass es weiterhin die gewohnte Versorgungsqualität gebe. Brehmer wies auch noch auf die erforderliche Integration der Erneuerbaren Energien hin.

Die E-Control hat bereits Mitte September darauf hingewiesen, dass sie die heimischen Stromversorger finanziell gut ausgestattet und ausreichend gerüstet für die auch künftig nötigen Investitionen in die Netze oder einzelne Kraftwerke sieht. Höhere Netztarife gibt es unter anderem auch dort, wo Nachschussbedarf bei den Pensionsdotierungen bestehe, wie etwa bei der Wien Energie.