Erstellt am 04. Mai 2011, 09:47

Vitamine aus dem Garten. WILDKRÄUTER / Von Löwenzahn (Bild) bis Brennnessel – der Garten ist voller Pflanzen, die köstlich und gesund sind.

 |  NOEN, Angie
VON CHRISTIAN BAYR

Unkraut ruft bei vielen Gartenbesitzern nur eine Reaktion hervor: Sofort ausreißen. Eigentlich schade, meinen Ernährungsexperten. Brennnessel, Löwenzahn & Co. schauen nicht nur dekorativ aus, sondern ergeben auch herrliche Gerichte – und das zum Nulltarif.
Gerade jetzt im Frühling ist der Gabentisch der Natur nämlich reich gedeckt. Da heißt es einfach pflücken, waschen und genießen.
Vorausgesetzt, man weiß, wonach man suchen muss. Für die Ernährungsexpertin Michaela Knieli keine Selbstverständlichkeit: „Das Wissen um die Pflanzen ist bei vielen Menschen verloren gegangen. Ich beobachte immer wieder Menschen im Supermarkt, die ratlos an der Kasse stehen, weil sie gar nicht wissen, was sie da in ihrem Einkaufswagen liegen haben.“

    So wird der Bärlauch immer wieder mit Maiglöckchen verwechselt (was angesichts deren Giftigkeit doch ziemlich gefährlich ist).

Gummihandschuhe, um die Brennnesseln zu ernten

Die Brennnessel ist hingegen das Wildgemüse für Einsteiger: Sie können von Mai bis September geerntet werden, Gummihandschuhe schützen beim Ernten vor Verbrennungen.
Knieli: „Brennnessel sind wie Spinat verwendbar, sie enthalten aber mehr Ballaststoffe, weniger Nitrat und mehr Eisen und haben um 600 Prozent mehr Vitamin C.“ Ein „gefürchteter“ Geheimtipp ist der – am Boden wuchernde – Giersch: „Er findet sich im Garten immer im Schatten, wo es feucht ist. Er ist an seinem charakteristischen, dreieckigen Stil erkennbar. Er kann ebenfalls wie Spinat verwendet werden, ist eisen- und mineralstoffreich und hilft auch gegen Gicht und Rheuma.“ Oder die Hagebutte, von der bereits vier Beeren den täglichen Vitamin-C-Bedarf decken.
Und noch einen Tipp hat Knieli bereit: „Wilde Kräuter sind nicht nur besonders vitaminreich, sondern schmecken auch meist sehr intensiv. Mischen Sie alles einfach ein bisschen mit Spinat.“

Die wichtigsten Tipps für die Wildkräuter hat übrigens „die umweltberatung“ gerade in einer Broschüre „Wilde Sachen zum Selbermachen“ zusammengefasst, die am 28. Mai auch eine Kräuterwanderung in Bad Vöslau veranstaltet.

Ein köstlicher Auflauf mit verschiedenem Wildgemüse

Und hier das passende Rezept eines Wildgemüseauflaufes: Ca. 300 g Wildgemüse (Brennnesseln, Giersch, Bärlauch oder Melde), 2 mittelgroße Zwiebeln, ca. 100 g altbackenes Brot oder 2 Semmeln, Gemüsebrühe, 1 Bund Petersilie, 2 El Olivenöl, 2 Eier, 100 ml Milch, 70 g Käse, Muskatnuss, Kräutersalz und Pfeffer
Wildgemüsemischung putzen, waschen und in kochendem Salzwasser 1 Minute blanchieren. Petersilie fein hacken. Zwiebeln schälen, fein hacken und mit Petersilie in Öl andünsten. Gemüse dazugeben, mit 1/4 l Gemüsebrühe aufgießen, dünsten. Mit Kräutersalz und Pfeffer abschmecken.
Das Weißbrot würfelig schneiden. Eier mit Milch verrühren, mit Muskatnuss würzen und über die Weißbrotwürfel gießen, 5 Minuten stehen lassen, nochmals durchrühren. Das blanchierte Gemüse untermischen. Falls die Masse zu flüssig ist, noch Semmelwürfel hinzufügen. In eine befettete Auflaufform füllen, mit geriebenem Käse bestreuen und bei 180 °C ca. 30 Minuten backen.