Erstellt am 27. Januar 2014, 12:00

Wetter schlägt Kapriolen. Milder Winter / Gärtner sind verunsichert: Vieles ist bereits erblüht – macht der Wintereinbruch jetzt alles zunichte? Und vor allem: Wird es in den Gärten mehr Schädlinge als sonst geben?

Von Tina Wessig

Dass Christrosen, Winterjasmin und Winterschneeball jetzt blühen, ist nicht weiter verwunderlich. Dass aber die Weiden voll flauschiger Palmkatzerln sind, manche Ziersträucher blühen und Tulpen ihre Köpfchen schon ans Licht schieben, mutet schon ungewöhnlich an. Auch, dass Mitte Jänner die Pollensaison startet, weil der Flug der Haselpollen bereits im Gange ist.

Was ist das Resultat des milden Winters?

Leiden die Pflanzen, wenn es jetzt winterlich wird? Und: Haben wir aufgrund mangelnder Kälte mit einem argen Schädlingsjahr zu rechnen? „Nein“, sagt der Gartenleiter der Garten Tulln, Thomas Uibel: „Aber man sollte aufmerksam sein. Die Nacktschnecken sind schon unterwegs und der Buchsbaumzünsler könnte bald auftauchen, dann geht man mit biologischen Mitteln vor.“

Uibel ist als Gärtner mit der nötigen Gelassenheit ausgestattet, um Wetterkapriolen zu begegnen: „Wenn es viele Schädlinge gibt, gibt es meist auch viele Nützlinge.“

Es gibt aber auch Tiere, die gefährdet sind: „Der Zitronenfalter und andere Insekten, die im Erwachsenenstadium überwintern, haben es etwas schwerer“, sagt „Natur im Garten“-Experte Gregor Dietrich. „Er ist zwar bei milden Temperaturen schon wach, aber noch nicht auf Betriebstemperatur, um auch fliegen zu können und könnte daher verhungern.“

Schädlingsbekämpfer müssen durchhalten

Ähnlich geht es den ökologischen Schädlingsbekämpfern Nummer eins, den Florfliegen und Marienkäferln. Auch sie müssen durchhalten. Aber: „Sie sind gute Hungerkünstler“, weiß Dietrich. Das Resultat der winterlichen Wärme für Insekten, die im Freien überwintern, sei nämlich ein schnellerer Stoffwechsel bei weniger Futterangebot.

„Einzelne Winter, die aus der Norm fallen, sind noch kein größeres Problem für die Natur, wiewohl es Schäden gibt“, sagt Dietrich. „Erst wenn es zum Normalfall wird – und die letzten beiden Jahre mit spätem Winter deuten leider darauf hin –, dann wird es zum Problem und es kommt zu Verschiebungen im Naturhaushalt, speziell, was die Artenzusammensetzung bei uns betrifft.“