Erstellt am 27. April 2011, 14:37

Windkraft schafft Arbeitsplätze und spart CO2. Windräder tun nicht nur der Umwelt gut, weil bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien schädliches CO2 gespart wird, sondern haben auch positive volkswirtschaftliche Effekte.

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Derzeit bietet die österreichische Windkraftbranche mit Zulieferern und Dienstleistern rund 3.300 Personen einen Arbeitsplatz. Wenn der Nationale Aktionsplan für Erneuerbare Energie (NAP) des Wirtschaftsministeriums umgesetzt wird, also bis 2020 die Windkraftleistung von 1.011 um weitere 1.570 Megawatt ausgebaut wird, könnten es über 7.000 Arbeitsplätze werden, sagte IG-Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl am Mittwoch bei einer Studienpräsentation in Wien.

Die Österreichische Energieagentur und der Branchenverband IG Windkraft haben im Auftrag des Wirtschaftsministeriums den Wirtschaftsfaktor Windenergie genauer unter die Lupe genommen. Kernergebnis: Auch wenn man einrechnet, dass Windkraft noch gefördert werden muss, bleibt "auf jeden Fall" ein positiver Effekt, wie Heidelinde Adensam von der Energieagentur erläuterte.

Ein Ausbau nach NAP löst der Studie zufolge Investitionen von 2,8 Mrd. Euro aus. Wobei aber davon ein Gutteil ins Ausland fließt, dorthin nämlich, wo die Anlagen hergestellt werden. Durch die Investitionen wird laut Studie eine Wertschöpfung von 0,8 Mrd. Euro ausgelöst, durch den Betrieb der Windräder kommen weitere 2,0 Mrd. Euro hinzu. Zusammen sind dies also volkswirtschaftliche Bruttoeffekte von 2,8 Mrd. Euro. Zieht man davon diverse Verdrängungseffekte ab - wenn Haushalte mehr für Windenergie zahlen müssen, geben sie dieses Geld nicht für etwas anderes aus -, bleibt eine Nettowertschöpfung von 1,3 bis 2,2 Mrd. Euro - je nach Strompreisentwicklung.

Beim IG-Wind-Szenario - Ausbau der Windkraft um 2.450 MW bis 2020 - ergeben sich 1,9 bis 3,3 Mrd. Euro an Nettowertschöpfung. Hier wird von einem Investitionsvolumen von 5,5 Mrd. Euro ausgegangen, von denen aber nur 4 Mrd. Euro an Bruttowertschöpfung in Österreich bleiben. Sprich: Es fließt mehr ins Ausland ab.

Grüner Strom kostet auch etwas. Im Jahr 2010 lagen die Windkraft-Förderkosten bei 71,8 Mio. Euro, das sind jährlich 4,3 Euro für einen durchschnittlichen Haushalt. Bei einem Ausbau der Windkraft nach NAP werden sich die Förderkosten bis 2020 laut Studie zwischen 2,6 und 7,6 Euro pro Jahr bewegen, nach dem IG-Wind-Szenario zwischen knapp 6 und 12 Euro. Abhängig ist dies wieder von der Entwicklung der Strompreise. Glaubt man dem Marktforscher A.T. Kearney, steigt der Strompreis bis 2023 so stark an, dass bereits in 12 Jahren keine Förderkosten für Windkraft mehr anfallen.

Berücksichtigt man dann noch die vermiedenen CO2-Emissionen von rund 3 Mio. Tonnen jährlich und die dadurch im Jahr 2020 um etwa 70 Mio. Euro geringeren Kosten für Emissionsberechtigungen (CO2-Zertifikate), ist die Bilanz der Windkraft jedenfalls positiv, so die Studienautoren.

Ob in den nächsten Jahren aber tatsächlich so viele Windräder aufgestellt werden, wie dies der NAP - geschweige denn das brancheneigene IGW-Szenario - vorsieht, ist aber fraglich. Die noch bis 9. Mai in Begutachtung befindliche Novelle des Ökostromgesetzes, in der die Einspeisetarife festgelegt werden, ist aus Sicht der Branche ein denkbar schlechtes Signal. Moidl sprach heute von einer "Totalbremse". Den Nationalen Aktionsplan erreiche man so "keinesfalls", schon jetzt sei man im Rückstand. "Die Novelle ist das Gegenteil von dem, was der EU-Kommission gemeldet wurde", erneuerte er seine Kritik. Die Ökoenergievertreter wettern seit Wochen gegen die entsprechenden Pläne von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V). Moidl hofft, dass der Entwurf noch abgeändert wird: "Die ersten Stellungnahmen, die ich gesehen habe, waren sehr negativ."

Obwohl in Österreich der Windenergieausbau wegen unzureichender Rahmenbedingungen jahrelang gestockt ist, machen hierzulande viele Unternehmen Wind zu Geld. Etwa 120 Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen sind aktiv, die zusammen Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe erwirtschaften. Darunter finden sich bekannte Firmen wie der börsenotierte Stahlriese voestalpine oder das Vorarlberger High-Tech-Unternehmen Bachmann, das ganz vorne dabei ist: In jedem zweiten Windrad, das weltweit errichtet wird, findet sich eine Bachmann-Steuerung. Ein weiteres, noch junges Windkraftunternehmen ist Leitwind. Die Tochter des Südtiroler Skiliftherstellers Leitner Technologies ist die erste Firma, die in Österreich Windkraftanlagen herstellt. Derzeit ist Leitwind auf Expansionskurs, aufgrund der guten Auftragslage werde das Werk in Telfs in Tirol erweitert, sagte Andreas Pasielak. Heuer sei ein Umsatz von 250 Mio. Euro nach 137 Mio. Euro 2010 angepeilt. Leitwind beschäftigt 500 Mitarbeiter.

In Österreich stehen derzeit 625 Windräder, die Strom für rund 600.000 Haushalte liefern. Betrieben werden die Anlagen - am meisten gibt es im Burgenland und in Niederösterreich - von 83 Unternehmen. Die größten sind die BEWAG-Tochter Austrian Wind Power (AWP) mit 241,8 MW (von insgesamt 1.011), die EVN (116,3 MW), WEB (103,0 MW) sowie Windkraft Simonsfeld (97,8 MW). "Ich habe vor zehn Jahren allein im Weinviertel begonnen. Heute haben wir 40 Beschäftigte und 1.600 Aktionäre", erzählte Windkraft-Simonsfeld-Vorstand Martin Steininger, der mittlerweile jeden zweiten Euro in Bulgarien umsetzt.