Erstellt am 01. Oktober 2013, 08:17

Wohn-Träume. Traumhäuser in ihrem Element: Ob in der Luft, im Wasser oder in der Erde – Architekten lassen bei ihrer Vision vom Wohnen nichts aus. Die gute Nachricht für Romantiker: Nicht jedes Luftschloss muss ein Traum bleiben.

»Floating Homes« sind vor allem in den Niederlanden verbreitet.  |  NOEN, www.im-jaich.de, Wasserwelten
Ziegeln, Wände, Fenster, Türen und ein Dach: So kann ein Haus aussehen. Muss es aber nicht. Dass ein Zuhause mehr als vier Wände sein kann, das beweisen die kreativen Köpfe unter den Architekten. Ihre Häuser sind nicht nur ein Wohnort. Sie sind Kunst.
Wohnen wie die Hobbits in Tolkiens Auenland („Herr der Ringe“)? Die sogenannten „Erdhäuser“ erinnern an Lager der Weinkellergassen-Winzer. Doch anstatt edler Tropfen finden sich hier unterirdische Lebensräume. Das Erdhaus verschmilzt mit der Landschaft, seine Wände schmiegen sich an die Erde. Lediglich die Fenster und Türen blitzen aus der Hügellandschaft hervor. Was die Energieeffizienz anbelangt, ist die private Höhle unschlagbar: Ein Erdhaus verbraucht rund ein Drittel jener Energie, die für ein konventionelles Haus aufgewendet werden muss. Und nicht nur das – die Erdbedeckung schützt auch vor negativen Umwelteinflüssen wie Lärm oder Staub. Wer glaubt, ein Maulwurf-Dasein ohne Licht fristen zu müssen, der irrt: Große Glasfronten und Luken in der Decke lassen genügend Sonne in die unterirdische Behausung.
Österreichs bekanntestes Erdhaus versteckt sich in einem Hügel nahe Krems. Im wahrsten Sinne des Wortes: Man sieht es von außen kaum. Bekannt ist es mittlerweile als das „Kremser Erdhaus“. Der Wiener Baumeister Martin Exel bewohnt seine entworfene Höhle selbst.
Einzig die Innengestaltung erfordert selbst für einen Erdhaus-Designer Erfindungsreichtum. Die unterirdische Behausung kennt weder Ecken noch Kanten. Nicht jedes Möbelstück fühlt sich am richtigen Platz. Doch wer in alternativen Häusern wohnt, der findet auch alternative Lösungen.

Ganz schön aufgeblasen: „Bubble Tree“-Häuser

Mit einem ähnlichen Problem sind auch die Bewohner von sogenannten „Bubble Tree“-Häusern konfrontiert. Schneekugeln waren gestern, Seifenblasenhäuser sind heute.
Der französische Designer Pierre Stéphane Dumas hat mit den „Bubble Tree“-Kugeln eine Mischung aus durchsichtigem Zelt und Hütte kreiert. Komfort bietet eine Turbine, die konstant Luft in die Kugel bläst. Außerdem verfügen die Plastikwände über einen UV-Schutz. Um die Privatsphäre zu schonen, hat der Architekt auch an einen Sichtschutz gedacht: Die Wände des Modells „BubbleRooms“ sind seitlich blickdicht. Nur die „Decke“ bleibt transparent. Urlauber können das Leben in der Seifenblase auch testen.

x  |  NOEN, www.BubbleTree.fr

Wohnen mit und in den Baumriesen

Neben dem Seifenblasenhaus gibt es rustikalere Möglichkeiten, der Natur nahe zu sein. Die Sehnsucht nach schönen Stunden unterm Blätterdach hat in den vergangenen Jahren zur Professionalisierung des Baumhausbaus geführt.
Das einfachste Modell besteht nur aus einer Plattform. Kleine Varianten sind mit vier Quadratmetern gerade groß genug, um als Schlafplatz zu dienen. Große Baumhäuser erreichen an die 35 Quadratmeter. Längst haben auch Luxuskreationen den (Baum)Markt erobert: Sie sind gedämmt und verfügen über Strom, Wasser und sogar über Sanitäranlagen. Besonders „Baumhaushotels“ bieten jeden erdenklichen Romantik-Schick. Die „Suite Bleue“ auf dem toskanischen Landhof „La Piantata“ beispielsweise lässt nicht nur Kinder-, sondern Erwachsenenherzen höher schlagen. Auf 44 Quadratmetern findet man fast jeden Komfort, den auch ein nobles Hotelzimmer bietet. Der „Suite Bleue“ zu Füßen liegt ein schier endloses Lavendelfeld.

x  |  NOEN, Maurizio Brera (www.breraedintorni.it)

Der Triumphzug des Blässhuhns

Von den Baumkronen geht es hinab ins kalte Nass: In den Niederlanden schwimmen mittlerweile ganze Siedlungen von so genannten „Floating Homes“. Die schwimmenden Häuser orientieren sich an dem Nestbau des – scheinbar unspektakulären – „Blässhuhns“. Seine Laute beschränken sich auf ein krächzendes „krök“ und ein Schnalzen, das vage an das Knallen eines Sektkorkens erinnert. Es hat schwarzes Gefieder und dümpelt mit Vorliebe in seichten Gewässern vor sich hin. Doch auf einem Gebiet zeichnet sich das Huhn aus: beim Nestbau.
Das Federtier befestigt sein Nest an Schilfrohren, an denen es mit dem Wasserstand aufsteigen und absinken kann. Ein Prinzip, das für die Niederländer funktioniert: Die „Floating Homes“ sind auf gleiche Weise mit Ringen an Pfählen verankert, ihr Fundament besteht aus einem Schwimmkörper. Alle Leitungen sind für einen Höhenunterschied von mehreren Metern ausgerichtet. Somit wachsen die Häuser mit dem Wasserstand. Einen Nachteil hat das „Hausboot des 21. Jahrhunderts“ jedoch: Es schwankt. Bleibt nur zu hoffen, dass seine Käufer nicht ins Wanken geraten ...

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