Erstellt am 09. Januar 2013, 11:49

Ameisen nutzen ihr eigenes Gift zur Desinfektion. Ameisen nutzen ihr eigenes Gift zur Desinfektion. Um ihre Brut vor Pilzinfektionen zu schützen, sammeln die Tiere ihr überwiegend aus Ameisensäure bestehendes Verteidigungssekret im Mund und tragen es auf ihre Puppen auf.

Das Gift hat dabei desinfizierende Wirkung, zeigte eine Studie von Forschern des Institute of Science and Technology (IST) Austria, die kürzlich im Wissenschaftsmagazin "Current Biology" veröffentlicht wurde.

Ähnlich wie sich Affen lausen legen auch Ameisen eine Form des sozialen Hygieneverhaltens an den Tag, erklärte Studienautorin Sylvia Cremer. Dazu zählt das gegenseitige Reinigen von Krankheitserregern wie Pilzsporen. Durch dieses Abschlecken bauen sie auch ein "soziales Immunsystem" auf. Dadurch breiten sich die Pilzsporen auf sehr niedrigem Grad in der gesamten Kolonie aus, es kommt zu geringfügigen Infektionen, die wiederum bei den vormals gesunden Ameisen über bestimmte Immungene eine bessere Bekämpfung des Pilzes in Gang setzen - also ähnlich einer Impfung. "Ameisen sind sehr anfällig für Krankheiten, weil sie auf sehr engen Raum leben und sehr nah miteinander verwandt sind", erklärte Cremer die Bedeutung des gegenseitigen Putzens.

Die Wissenschafterin hat nun herausgefunden, dass Gartenameisen die Sporen nicht nur mechanisch entfernen, sondern bei der Brut infizierte Stellen mit ihrem eigenen Gift behandeln. Dabei verspritzen sie das Sekret nicht einfach wie im Verteidigungsfall mit ihrer am Hinterleibsende sitzenden Drüse. Vielmehr nehmen sie es mit dem Mund auf, wobei eine spezielle Schicht Schäden in der Mundhöhle verhindert. "Wahrscheinlich tun sie das, weil die Substanz so besser aufzutragen und genauer zu dosieren ist", sagte die Evolutionsbiologin. Die Wissenschafter konnten beweisen, dass dieses Gemisch aus Ameisensäure, Essigsäure und vielen anderen wasser- und fettlöslichen Substanzen gegen die Pilze wirkt.

Das Verhalten konnte bei der Brutpflege der Gartenameise nachgewiesen werden. Für Cremer wäre es interessant, in einem nächsten Schritt zu überprüfen, ob auch andere Arten diese Technik anwenden.