Erstellt am 07. Juli 2014, 11:28

von APA/Red

Ausflug der Lipizzaner in den Wiener Burggarten. Normalerweise zieht es Sommerfrischler auf Alm und Berg, die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule kommen dafür in die große Stadt.

Ab Dienstag werden sechs Stuten und ihre Fohlen den Wiener Burggarten als Sommerquartier nutzen, um frisches Gras zu rupfen und herumzutollen. "Da muss man dann auch nicht mehr mähen", erklärte Elisabeth Gürtler, Chefin der Hofreitschule am Montag.

Auch Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) ließ es sich nicht nehmen, die ersten Grasversuche "seiner" noch braunen statt weißen Fohlen zu begleiten - unterstehen doch sowohl die Bundesgärten als auch die Hofreitschule dem Landwirtschaftsministerium. "So können wir zwei große Institutionen zusammenbringen", freute sich Rupprechter über "Piber meets Vienna".

Streicheln ist nicht erlaubt

Zwar zeigten sich die Kleinen noch scheu, die Mütter ließen sich aber nach kurzer gekonnter Futterbestechung durchaus bereitwillig vom Minister eine Runde führen. Nach und nach fielen dann auch die Hemmungen des Nachwuchses: Während die Stuten gemächlich grasten, nutzten die Fohlen die Gelegenheit, ihre noch staksigen Beine richtig einzusetzen und hüpften quer durch den abgesperrten Bereich der Burggartens. Um den Rasen musste dabei niemand fürchten - denn die Jungen seien noch nicht beschlagen, erklärte Gürtler.

Heißt man nicht Rupprechter, ist streicheln allerdings nicht erlaubt. Sorge um ihre Pferde, die bei Schönwetter fast täglich eine Stunde hier sein werden, hat Gürtler dennoch keine: "Die Pferde sind ja nie alleine", betonte sie. Einzig ein frei herumlaufender Hund - im Burggarten eigentlich verboten - sorgte für einiges Stirnrunzeln.

Die Lipizzaner ließen sich davon jedoch nicht beirren. Auch im vergangenen Jahr habe es keine Probleme gegeben, berichtete die Geschäftsführerin der Hofreitschule. Denn schon zum zweiten Mal urlaubt der Pferdekindergarten im Wiener Gras.

"Wir haben unsere Fohlen seit acht Jahren in Wien", erzählte Gürtler. Zunächst seien sie allerdings in der Sommerreitbahn untergebracht gewesen. "Dort habe ich immer gesehen, wie sie sich mühsam ein paar Kastanienblätter aufgeklaubt haben. Da ist mir im Herz ganz weh geworden." Mehr Grün musste her. Ein eigens installierter Rasen in der Stallburg sei zwar bei Schönwetter eine Lösung gewesen, habe sich aber beim ersten schweren Regenschauer aufgrund des fehlenden Abflusses mehr in eine Seenlandschaft verwandelt.

Areal rund 600 Quadratmeter groß

Gemeinsam mit dem Ministerium habe man dann das rund 600 Quadratmeter große Areal im Burggarten gefunden. Natürlich sei der Ausflug auch eine Werbung für die Hofreitschule und das Gestüt Piber, wo die Fohlen den Rest des Jahres verbringen, meinte Gürtler. Sowohl Wienern als auch Touristen soll die Spanische Hofreitschule und ihre Arbeit am Gestüt näher gebracht werden.

Neben dem täglichen Traben im Gras ist auch Programm in der Hofreitschule geplant: Die Besucher erwartet - das allerdings nicht mehr kostenlos - unter anderem ein Kutschen-Pas-de-Deux, die Präsentation der künftigen Zuchtstuten im Bundesgestüt Piber sowie die Vorführung der Reitkünste zweier Stuten. Ein Blick auf den Nachwuchs darf natürlich auch hier nicht fehlen, bevor abschließend die "Kaiserquadrille" mit einer historischen Kutsche gezeigt wird.

("Piber meets Vienna", 8. Juli bis 3. August, Spanische Hofreitschule, Michaelerplatz 1, 1010 Wien, ; Lipizzaner im Burggarten: 8. Juli bis 2. August, Dienstag bis Samstag, bei Schönwetter jeweils 17 bis 18 Uhr)