Erstellt am 03. September 2012, 00:00

Der mit dem Wolf spricht. GELIEBTER BEGLEITER / Kurt Kotrschal spürt in seinem neuen Buch der Beziehung zwischen Mensch und Hund nach.

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VON TINA WESSIG

Kurt Kotrschal hat sie studiert. Eingehend und ausgiebig. Ihr Verhalten, ihre Eigenschaften, ihre Fähigkeit zu lernen und ihren Willen, sich an den Menschen zu binden. Und er weiß, wie sich der jahrhundertelange Wandel vom Killer zum Kuschler vollzogen hat: „Seit unsere Vorfahren vor 80.000 Jahren den afrikanischen Kontinent verließen, sind Wolfskontakte belegt. Kein Tier ist uns näher, was soziales Verhalten betrifft: Wir ziehen den Nachwuchs gemeinsam groß, gehen gemeinsam auf die Jagd und führen gemeinsam erbitterte Kämpfe gegen Feinde“, sagt Kotrschal.

„Der Wolf hat, seit wir Besitz hatten und sesshaft wurden, mit uns gelebt. Durch Handaufzucht entstand allmählich ein Tier, das uns mehr und mehr gefallen wollte. Der Wolf selber ist ja nicht so erpicht darauf, dem Menschen zu gefallen. Er hat seinen eigenen Kopf. Wenn man ihm eine Aufgabe stellt, fragt er sofort: ,Warum?‘ Es gibt bis heute viele Hunde, die dem Wolf genetisch noch sehr nahe sind, dazu zählen etwa Windhunde, Salukis, aber sogar Dackel.“

Schon bei den Griechen, die richtige Hundenarren waren, erzählt der Wolfsforscher, sei durch Selektion ein Hund entstanden, der die Aufgabe hatte, „möglich lieb zu seinen Menschen und möglichst grausam zu Feinden zu sein“. Der heutige Hund werde von uns auch deshalb so geliebt, weil er identische Bedürfnisse habe: „Wenn ein Hund schmusen will, tut er nicht nur so, sondern möchte die Zuneigung wirklich.“

Der „Wissenschafter des Jahres 2011“, der auch das Wolf Science Center im Wildpark Ernstbrunn (Bezirk Mistelbach) mitbegründet hat, erforscht seit Jahren die Bereitschaft der Wölfe zur Kooperation mit dem Menschen und ihre geistigen Leistungen. In seinem Buch „Wolf – Hund – Mensch. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung“ (Erscheinung: 19. September, Brandstätter Verlag) rollt er die Entwicklungsgeschichte des Hundes neu auf. Wir erfahren, was Hunde und Wölfe voneinander unterscheidet und wie sich das heute partnerschaftliche Verhältnis zu unseren Hunden aus den mystischen Wölfen entwickeln konnte.

„Im Umgang ist der Wolf in seiner Körpersprache viel differenzierter“, weiß Kotrschal. „Der Hund hat gelernt, unsere Mimik zu interpretieren, aber wir erlauben uns unseren Hunden gegenüber viele Fehler, die der Wolf niemals verzeihen würde.“

FOTO: WSC/PAUL CECH