Erstellt am 09. November 2011, 10:53

Die Schattenseiten der Windkraft. Die österreichische Windenergie erlebt derzeit durch wachsenden Aus- und Neubau von Windkraftanlagen einen rasanten Aufwind. Für den Vogelschutz relevante Tabuzonen und wichtige Korridore für den Vogelzug werden dabei jedoch oftmals nicht berücksichtigt. Dieser Umstand fordert seine Opfer ...

 |  NOEN
Spitzenreiter in Sachen Windkraft ist Niederösterreich: mehr als die Hälfte aller österreichischen Windräder stehen hier. Weitere Anlagen wie nördlich von Engelhartstetten, in Prellenkrichen oder bei Göllersdorf im Weinviertel sind geplant. BirdLife Österreich ortet einen fehlenden Zonierungsplan, der Tabuzonen für den Vogel – und Naturschutz festlegt.

Für den Vogelschutz relevante Tabuzonen und wichtige Korridore für den Vogelzug werden somit oftmals nicht berücksichtigt. Besonders gefährdete Greifvögel wie der Kaiseradler oder Rotmilan aber auch die Großtrappe sind durch die bis in Höhen von 300 Meter reichenden Rotoren der Windräder in ihrer Flugbahn gefährdet.
 
Sackgasse für den Vogelzug: Prellenkirchen
Prekär an der österreichischen Windkraftsituation ist, dass es bis dato keinen gesetzlich vorgeschriebenen Zonierungsplan für jedes Bundesland gibt. Aktuelle Beispiele gibt es derzeit genug: mit der geplanten Errichtung des Windparks Prellenkirchen droht ein gut bekannter Vogelzugkorridor jetzt in einer Sackgasse zu enden. Entlang der March, dem Gebiet mit der höchsten Artenvielfalt in Niederösterreich, werden reihenweise Windparks geplant. Jüngstes Beispiel ist hier Engelhartstetten.
Bei der erneuten Planung zum Windpark Göllersdorf im Ernstbrunner Wald, wird nach ersten Schätzungen der BirdLife-Experten ein Gebiet mit hohem Naturschutzpotential ignoriert. Aber auch gemeindeintern geht die Meinungen hier zwischen Windparkbefürwortern und -gegnern stark auseinander. Am 13. November entscheidet die Gemeinde über die Errichtung von 14 Windrädern.
 
Burgenland Vorreiter bei Zonierungsplan
„Gerade in einem Bundesland wie Niederösterreich mit einer einzigartigen Artenvielfalt und wichtigen Naturschutzpotentialen ist es unverständlich, dass sich die Politik hier davonstiehlt und die Umweltschutzorganisationen den Disput für eine naturverträgliche Standortwahl von Windkraftanlagen austragen müssen“, zeigt sich auch Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer bei BirdLife Österreich verärgert über den Wildwuchs der Windkraftanlagen in Niederösterreich. Allzu oft unterliegen Standortplanungen weniger fachlichen als lokalen Interessen.

2002 wurde von BirdLife Österreich im Auftrag vom Land Burgenland eine Zonierungsstudie für das Mittel- und Nordburgenland erstellt, die unter anderem eine relevante Tabuzone im grenznahen Gebiet zu Niederösterreich für den Vogelzug erhalten konnte. Wichmann: „ Ein Positivbeispiel dafür, dass die Errichtung klimafreundlicher Windräder mit den Interessen des Naturschutzes sehr wohl in Einklang gebracht werden kann, anstatt beide Bereiche gegeneinander auszuspielen“. Nun droht das Windparkprojekt in Prellenkirchen die gut überlegte Zonierung im Burgenland ad absurdum zu führen, indem man den freigehaltenen Zugkorridor zubaut.