Erstellt am 27. Januar 2013, 13:57

geraten. und Erosion soll Einhalt geboten werden.

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Von Tina Wessig

Er scheint sich bei uns wohl zu fühlen. Besonders im Bereich der Hohen Wand im Bezirk Neunkirchen. Aber genau dort werden wohl wieder die Flinten geladen, weil der Steinbock sich einfach viel zu rasch vermehrt …

In den 90er-Jahren sollen einige Tiere aus einem Wildgehege ausgebrochen sein, und seither ist die Population stark angewachsen. Bereits 2003 gab es deshalb einen Bescheid zum Totalabschuss, der aber mit einer Unterschriftenaktion von 6.500 Gegnern vereitelt wurde.

Zählungen zufolge sollen im Jahr 2012 schon über hundert Tiere über die Felsen der Hohen Wand gesprungen sein, was in vielerlei Hinsicht gefährlich werden kann: Da wäre einmal die Gefahr von Steinschlägen auf darunter im Berg befindliche Kletterer. Dann die Verdrängung von angestammtem Wild wie etwa Gämsen. Dazu kommt die Zunahme von Verbissschäden an geschützten und gefährdeten Pflanzen. Und nicht zuletzt soll das gar nicht scheue Steinwild sogar schon Familien mit Kinderwägen oder Wanderer mit Hunden angegriffen haben … Schauermärchen einer aufgebrachten, zwiegespaltenen Bevölkerung?

„Wir arbeiten derzeit gemeinsam an einer Lösung für die Zukunft“, ist Neunkirchen Bezirkschefin Alexandra Grabner-Fritz vorsichtig und will erst die Entscheidung der Behörden abwarten: Bis Ende Februar soll nämlich ein Gutachten einen vernünftigen Kompromiss ermöglichen. Erarbeitet wird dieser vom Team rund um NÖ Umweltanwalt Harald Rossmann.

Er lässt alle Argumente einfließen – die der Jäger, der Umweltschützer und der Behörden. „Fakt ist, dass der Jäger auch am Gamswild Interesse hat, aber das hält dem Druck des Steinwildes nicht stand und verlässt das Revier. Außerdem melden die Grundeigentümer massive Fraßschäden, wenn das so weitergeht, bekommen wir ein ernstes Problem mit Brüssel.“

„Muss sich fragen, ob man den Steinbock will“ 

Schließlich habe man sich dazu entschlossen, die „Natura 2000“-Gebiete in einem schützenswerten Zustand zu erhalten. Im Zuge der Wildstandsregulierung könnten Abschusspläne erarbeitet werden, um die Schäden einzudämmen – „die Abschussquoten werden vermutlich höher sein als in den Jahren zuvor. Man muss sich fragen, ob man den Steinbock in dieser Gegend überhaupt haben will.“

Wieso es zu einer so drastischen Zunahme der Steinböcke auf der Hohen Wand kam, weiß Werner Spinka, NÖ Landesjägermeister-Stellvertreter und Bezirksjägermeister von Wr. Neustadt: „Der Steinbock hat keine natürlichen Feinde und seit 13 Jahren nicht reguliert worden. Er drängt andere Arten zurück. Es kommt zum Auswechseln bis ins Piestingtal. Einige Gams standen tagelang innerhalb des Wildzaunes der B 21.“

Dazu kommt, dass Steinböcke ganz schön wehrhaft sein dürften: „Angriffe auf Hunde von Wanderern sind nachweislich. Steinböcke reagieren auf Hunde äußerst aggressiv. Kletterer klagen darüber, ständig von Steinschlägen am Helm getroffen zu werden. Mein Sohn Stefan ist bei einer Kletterpartie in eine vom Steinwild losgetretene Gerölllawine geraten. Nur ein Anpressen an die Wand hat Schlimmeres verhindert“, erzählt der Bezirksjägermeister.

Sogar der NÖ Naturschutzbund stimmt zu: „Da die Tiere auf der Hohen Wand nicht natürlich vorkommen, wird ein entsprechendes Management der Population wohl unumgänglich sein“, sagt Vize-Geschäftsführerin Gabriele Pfundner. So schnell wird mit dem Dezimieren aber ohnedies nicht begonnen werden, denn die Abschusszeit der Steinböcke ist von 1. August bis Jahresende.

Sobald das Gutachten vorliegt, kann ein Kompromiss für Tier, Mensch und Natur erarbeitet werden. Beim „Steinbockgipfel“ Ende März sollen erst einmal alle Positionen ausführlich gehört werden.