Erstellt am 02. Juli 2013, 12:39

Habichtskauz-Wiederansiedlung: Auf und Ab beim Bruterfolg in Natur. Zum fünften Mal werden im Zuge eines Wiederansiedlungsprojekts derzeit junge Habichtskäuze im Biosphärenpark Wienerwald und im Wildnisgebiet Dürrenstein freigelassen.

 |  NOEN, DANIEL ZUPANC (APA)
Seit 2009 wurden insgesamt 128 nachgezüchtete Jungkäuze in die Natur entlassen. Nach dem überraschend erfolgreichen Jahr 2012 mit 30 Jungvögeln aus Naturbruten ist heuer kein Nachwuchs von zuvor freigelassenen Tieren bekannt. Grund dafür sind die Fluktuationen bei der Mäusepopulation, die wiederum von der Nahrungssituation, speziell der Samenproduktion von Rotbuche und Eiche, abhängt, wie der verantwortliche Wissenschafter, Richard Zink, erklärte.

Der Habichtskauz (Strix uralensis) ist Mitte des 20. Jahrhunderts in Österreich ausgestorben. Hauptursache war das Verschwinden des bevorzugten Lebensraums der Vögel, nämlich naturnahe Buchenmischwälder. Zur Aufzucht der Jungen benötigt der Baumhöhlenbrüter zudem große, alte Bäume. Außerdem hat das ungewöhnlich vertraute Verhalten der Vögel gegenüber Menschen häufig zu Abschüssen geführt.

2009 wurde vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Kooperation u.a. mit dem Land Niederösterreich, den Bundesforsten und der Stadt Wien ein Wiederansiedlungsprojekt gestartet. Die Jungkäuze werden seither jeden Frühsommer am Freilassungsplatz in geräumigen Gehegen auf das Leben im Wald vorbereitet.

Erstmals entdeckten die Wissenschafter 2011 im Wienerwald ein brütendes Paar in einem der insgesamt 127 bereitgestellten Nistkästen. 2012 brüteten bereits elf Paare, 30 Jungvögel flogen aus diesen Naturbruten aus. "Der Habichtskauz kann fluktuierende Nahrungsbedingungen sehr gut ausnützen", begründete Zink den frühen Bruterfolg. So produzieren Rotbuchen alle paar Jahre sehr viele Samen. In solchen Jahren der sogenannten Buchenmast würden Kleinsäugerpopulationen wie Mäuse regelrecht explodieren. "Das erkennen die Eulen und nutzen es mit einer für ihre Größe relativ großen Zahl von maximal fünf bis sechs Jungen. In Jahren, in denen die Bäume nur wenig oder gar keine Samen produzieren, folgt eine Reproduktionspause wie etwa in diesem Jahr", so Zink.

Bemerkenswert - und für das Wiederansiedlungsprojekt sicher nicht von Nachteil - ist in diesem Zusammenhang, dass die Frequenz und die Intensität der Buchenmast in den vergangenen Jahrzehnten sukzessive zunimmt, verweist der Biologe auf entsprechende Untersuchungen des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW). Die Experten würden das durch zunehmenden Nährstoffeintrag über die Luft und durch das mildere Klima erklären. Laut Pollenanalysen des BFW wird für heuer im Biosphärenpark Wienerwald wieder eine überdurchschnittlich hohe Samenproduktion von Rotbuche und Eiche erwartet. Die Wissenschafter lässt dies auf eine höhere Kleinsäugerdichte und eine entsprechende höhere Zahl an Naturbruten bei den Habichtskäuzen im kommenden Jahr hoffen.

Als Ziel der Wiederansiedlung nennt der Biologe "eine sich selbst erhaltende Population". Die Wissenschafter gehen davon aus dass es mindestens 30 Brutpaare in jeder Freilassungsregion braucht, damit die lokale Population Ereignisse wie besonders harte Winter oder Krankheiten kompensieren kann. Aus genetischen Gründen sei auch die Anbindung zu anderen Populationen wichtig. Die beiden Freilassungsorte Wienerwald und Dürrenstein wurden so gewählt, dass eine Vernetzung mit den verbliebenen Populationen in Slowenien, der Slowakei und dem wiederangesiedelten Vorkommen im Bayerischen Wald ermöglicht wird. Zink geht davon aus, dass weitere fünf bis zehn Jahre Jungkäuze freigelassen werden müssen, bis sich ein solider Bestand etabliert hat. Längerfristig planen die Wissenschafter, die Freilassungen entlang der Alpennordseite auszudehnen. Speziell der Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich würde ausgedehnte natürliche Buchen-Mischwälder beherbergen und wäre deshalb ein ideales Zuhause für den Habichtskauz.