Erstellt am 02. Mai 2011, 12:43

Habichtskauz wird wieder heimisch. Im dritten Jahr des Wiederansiedlungsprojekts für die einst größte Waldeule Österreichs soll demnächst das 50. nachgezüchtete Jungtier freigelassen werden.

Die verantwortlichen Wissenschafter hoffen aber bald auf "natürlichen" Nachwuchs, erste Paare der in den ersten zwei Jahren freigelassenen Vögel haben sich jedenfalls schon gefunden, wie am Montag bei der Taufe der jungen Käuzchen, die heuer ausgewildert werden, in St. Pölten berichtet wurde.

Der Habichtskauz (Strix uralensis) ist Mitte des 20. Jahrhunderts in Österreich ausgestorben. Hauptursache war das Verschwinden des bevorzugten Lebensraums der Vögel, nämlich lichte Buchenmischwälder. In den damals üblichen Fichten-Monokulturen hatten die Tiere mit einer Flügel-Spannweite von rund 1,25 Metern wenig Platz zum Fliegen und nicht ausreichend Jagderfolg. Zur Aufzucht der Jungen benötigt der Baumhöhlenbrüter zudem große, alte Bäume. Außerdem hat das ungewöhnlich vertraute Verhalten der Vögel gegenüber den Menschen seinerzeit häufig zu Abschüssen geführt.

2009 wurde vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Kooperation u.a. mit dem Land Niederösterreich, den Bundesforsten und der Stadt Wien ein Wiederansiedlungsprojekt gestartet. Mehr als 20 zoologische und private Institutionen unterstützten das Artenschutzprojekt mit nach Angaben der Wissenschafter "außerordentlichen Nachzuchtergebnissen".

Die Jungkäuze werden seither jeden Frühsommer am Freilassungsplatz in geräumigen Gehegen auf das Leben im Wald vorbereitet. Nach rund drei Wochen können sie den Schutz der Voliere verlassen und beginnen, den Wald zu erkunden. Am Anfang trifft man sie noch oft an einem Futtertisch in vertrauter Nähe. Bis zum Sommer verteilen sich die - für Forschungszwecke mit Sender ausgestatteten - Tiere aber in weitem Umkreis, wobei Distanzen von mehr als 100 Kilometern nachgewiesen wurden.

In den beiden Freilassungsregionen im Wildnisgebiet Dürrenstein und im Biosphärenpark Wienerwald stehen den Vögeln urwaldartige Lebensräume und natürliche Brutplätze zur Verfügung. Zahlreiche große Nistkästen hoch oben in den Bäumen sollen den Käuzen die Fortpflanzung auch in bewirtschafteten Wäldern erleichtern. Erste Paare haben sich schon gebildet, wie der verantwortliche Wissenschafter, Richard Zink, erklärte. Weil es aber nach zwei fruchtlosen Jahren der Buche auch relativ wenige Mäuse und damit beschränktes Nahrungsangebot für die Vögel gibt, wollten sich die Habichtskäuze, die sich ein Leben lang treu bleiben, bisher noch nicht fortpflanzen.