Erstellt am 10. Februar 2014, 10:04

Hundehaltung: Rechte und Pflichten. Dr. Marion Bellingrath-Türscherl, seit 2007 Obmann-Stellvertreterin des Hundesportvereins Wachau, informiert über rechtliche Grundlagen rund um die Hundehaltung.

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NÖN: Schlagzeilen wie "Hund lief über die Straße und verursachte Verkehrsunfall“ oder „Kind von gutmütigem Nachbarshund gebissen“  sind immer wieder zu lesen.  Wer ist eigentlich für einen Hund verantwortlich?
Bellingrath-Türscherl:  Es kommt nicht darauf an, wer der Eigentümer des Hundes ist, sondern wer die tatsächliche Herrschaft, Aufsicht und Verwahrung über das Tier hat. Nach dem Gesetz haftet der Halter eines Tieres, wenn er nicht für die erforderliche Verwahrung gesorgt  hat.

Wann kann ein Hundehalter schadenersatzpflichtig werden?
Nach dem allgemeinen Schadenersatzrecht kann man grundsätzlich nur Schadenersatz von einer anderen Person verlangen, wenn diese den Schaden verursacht hat. Die Tierhalterhaftung ist im Paragraphen 1320 ABGB besonders geregelt: Wird jemand durch ein Tier geschädigt, so ist derjenige dafür verantwortlich, der es dazu angetrieben, gereizt oder zu verwahren vernachlässigt hat. Derjenige, der das Tier hält, ist verantwortlich, wenn er nicht beweisen kann, dass er für die erforderliche Verwahrung oder Beaufsichtigung gesorgt hat. In erster Linie haftet derjenige, der schuldhaft durch aktives Tun das schädigende Verhalten des Hunde veranlasst hat. Zum Beispiel: Heranrufen eines bekannten Hundes quer über die Straße, und dieser verursacht einen Verkehrsunfall.

Welche Gefahren können von einem Hund ausgehen?
Es ist nicht nur von der Bissigkeit eines Hundes auszugehen. Auch gutmütige Hunde können durch ihren Spieltrieb eine Gefahr für Menschen darstellen. Stellen Sie sich vor, ein 60 Kilogramm schwerer Hirtenhund springt – in der Absicht zu spielen – mit den Vorderpfoten eine Person an...

Was versteht man unter Verletzung der Verwahrungs- und Aufsichtspflichten?
Der Hund ist im eigenen Haus oder Garten so zu verwahren, dass er nicht auf die Straße gelangen kann. Wenn beispielsweise die eigenen Kinder beim Spielen oft das Gartentor offen lassen, dann müssen die Eltern den Kindern Verhaltensregeln diesbezüglich vermitteln. Der Halter eines Hundes muss zum Führen desselben die nötige körperliche und geistige Eignung haben. Eine starke Diskrepanz zwischen dem Körpergewicht und der Kraft des Hundes und seines Führers - etwa bei alten Menschen oder Kindern - führt immer wieder zu Un- und Zwischenfällen. So hat der Oberste Gerichthof entschieden,  dass keine hinreichende Verwahrung eines 40 kg schweren Boxerhundes vorliegt, wenn er von einer 50 kg schweren Dame spazieren geführt wird.

Wir alle kennen die Warnschilder vor Hunden auf den Gartentüren. Schränkt das Schild  „Warnung vor dem Hund“  die Haftung des Hundehalters im Falle eines Unfalles ein?
Diese Frage ist in der österreichischen Rechtsprechung nicht abschließend  geregelt, es kommt auf den Einzelfall an.  Das Warnschild soll einerseits Einbrecher abhalten, andererseits auf die durch die Haltung eines Wach-Hundes für andere Personen geschaffenen Gefahr aufmerksam machen und damit die Haftung des Tierhalters, aber auch ein allfälliges Mitverschulden ausschließen. Hier wird eine Interessensabwägung stattfinden müssen, ob der Halter des Hundes noch zusätzliche Maßnahmen zur Vermeidung von Schädigung ergreifen muss, wenn zum Beispiel spielende Kinder versehentlich in den Gefahrenbereich gelangen können.

Viele Hundehalter glauben, dass Schäden, die der Hund verursacht, von der Privathaftpflichtversicherung oder Haushaltsversicherung gedeckt sind?
Das ist nicht richtig; in der Privathaftpflichtversicherung sind sie nicht gedeckt; kleine Haustiere sind meist in der Haushaltversicherung mitversichert, nicht jedoch Hunde und Pferde. Es müssen der oder die Hunde ausdrücklich in die Haushaltsversicherung aufgenommen werden, entweder kostenlos oder gegen einen geringen Aufpreis.     
 
Wie ist das mit der „Hundesteuer“?
Es handelt sich um eine Gemeindeabgabe. Man muss den Hund bei seiner Gemeinde anmelden und bekommt dann  eine Hundemarke. Die Höhe der Hundesteuer wird von der jeweiligen Gemeinde festgesetzt und ist nicht zweckgebunden - z.B. für Anbringen von Hundesackerln. Die Hundesteuer wird nur in wenigen europäischen Ländern eingehoben, so nur in Deutschland, Niederlanden und Österreich. Ich könnte mir vorstellen, dass Hundehaltern, die den Besuch und Abschluss von anerkannten Prüfungen oder des Hundeführerscheins nachweisen, die Hundeabgabe ermäßigt oder erlassen werden könnte.
 
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Zur Person:

Dr. Marion Bellingrath-Türscherl ist im Jahr 1992 mit ihrem ersten Hund – einer deutschen Dogge – zum Hundesportverein Wachau gestoßen und arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Hunden. Mit ihrem Labrador-Retriever-Mischlingsrüden Max absolvierte sie die Begleithundeprüfung I und II, die Wasserrettungsprüfung sowie Agility II und III. Karriere-Höhepunkt im Agiltyturniersport war der Sieg bei der NÖ  Landesmeistschaft im Jahr 2010. Mit ihrem zweiten Hund „Nici“ -  einer belgischen Schäferhündin -  wurde sie NÖ Agility-Landesmeisterin 2011 und Vizelandesmeisterin 2012. Nach vielen Jahren im Agility-Turniersport fasziniert sie, wie stark die Bindung zwischen Mensch und Hund durch den Hundesport wird: "Agility verlangt eine extrem schnelle und freie Führarbeit, man ist voll und ganz auf eine gute Kommunikation mit seinem Vierbeiner angewiesen."