Erstellt am 23. Januar 2014, 23:59

Hundeschule ist Muss. Exklusiv-Interview / Die NÖN bat Adolf Tastel, Neo-Obmann des Hundesportvereins Wachau, zum Gespräch.

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Seit Oktober 2013 führt Adolf Tastel den Hundesportverein Wachau, mit mehr als 300 Mitgliedern einer der größten Vereine Österreichs.

NÖN: Man hört immer wieder, Hundeschulen seien überflüssig, es reiche, dem Hund die Grundkommandos beizubringen und ordentlich mit dem Tier umzugehen. Was sagen Sie dazu?
Tastel: Hundeschulen sind für mich persönlich ein absolutes Muss, hier werden nicht nur die Hunde erzogen, sondern auch den Hundehalter wird das notwendige Wissen vermittelt, wie ein wertvolles Miteinander gelebt und erlebt werden kann.

Wieso ist die Teilnahme an Ausbildungskursen in der Gruppe für Hunde so wichtig?
In einer Kleingruppe mit anderen Hunden soll der Hund als Rudeltier lernen, sich in der Gruppe richtig zu verhalten. In den Kursen kommt es auch zu Begegnungen mit Kindern, Joggern oder Radfahrern. Weiters lernen die Hundeführer, die Signale und Gesten des Hundes zu lesen und danach zu handeln.

Warum sollte eine Welpenspielschule besucht werden?
Nachdem der Welpe vom Züchter geholt wurde, sollte nach einer kurzen Eingewöhnungszeit zu Hause ein Welpen-Kurs besucht werden. Die Sozialisierungsphase der Welpen findet zwischen der achten und zwölften Lebenswoche statt, da gilt es, die riesige Lernbereitschaft des Welpen zu nützen. Im Spiel mit anderen Welpen trainieren die Vierbeiner das richtige Verhalten mit- und untereinander. Dazu gehört, dass der Hund lernt, sich auch hin und wieder unterzuordnen. Es werden auf spielerische Art die ersten Inhalte und Verhaltensregeln geübt, aber auch das Austoben und Spielen in der Gruppe kommt nicht zu kurz.

Was folgt danach?
Danach wechselt der Hund in den Junghundekurs, wo die Grundkommandos Sitz, Platz und Steh und Apportieren vermittelt werden. Frühestens mit einem Jahr kann nach erfolgreicher Absolvierung des Begleithundekurses die Begleithundeprüfung abgelegt werden.

Wie kann man dann den Hund weiter beschäftigen?
In der Vielfältigkeit des Angebots liegt die Stärke des Hundesportvereins Wachau. Für die Sparte Agility, eine Art Hindernissport, sind die Hundeführer noch leicht zu motivieren, da die Hunde überraschend schnell die Geräte überwinden und es Hundehalter und Vierbeiner obendrein Spaß macht. Bedeutend schwieriger ist es für die Trainer, die Hundeführer zur Weiterarbeit in der Unterordnung — Begleithundeprüfung, Sportschutz und Sonderprüfungen in der Fährtenarbeit — zu motivieren. Weitere Angebote somd die Ausbildung zum Stöber- und Suchhund sowie der alle zwei Jahre stattfindende Wasserrettungskurs.

"Kein Hund ist von Geburt an ein Kampfhund"

Sie haben einen sogenannten „Listenhund“. Sind diese Hunde nicht unberechenbare Waffen?
Ein Hund, egal welcher Rasse, ist nicht von Geburt an ein „Kampfhund“. Man kann aber aus fast jedem Hund ein unberechenbares Lebewesen machen. Leider werden immer dieselben Rassen dazu missbraucht, wofür einzig und allein der Mensch verantwortlich ist.

Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang der Sachkundenachweis?
Halter bestimmter Rassen sind verpflichtet, den Sachkundenachweis zu erwerben. Dabei müssen ein theoretischer Teil von mindestens vier Stunden und ein praktischer Teil von mindestens sechs Stunden absolviert werden. Die Halter lernen wenigstens einen kleinen Teil über ihren Gefährten.

Wer darf den Nachweis der erforderlichen Sachkunde vermitteln?
Diensthundeführer, Trainer des Österrichischen Kynologenverbandes, des Jagdhundegebrauchsverbandes und der Österreichischen Hundeunion. Der Hundesportverein Wachau ist Mitglied der Österreichischen Hundesportunion und stellt vier Trainer: Cornelia Eder, Sandra Meier, Adolf Tastel und Johann Wagensommerer. Diese sind von der Landesregierung berechtigt, Kurse für den Sachkundenachweis abzuhalten und die Bestätigung dafür auszustellen.

Wie viele Trainer hat der Hundesportverein Wachau insgesamt? Welche Qualifikationen haben sie?
Der Hundesportverein Wachau hat 14 geprüfte Trainer und drei Traineranwärter. Ihre Qualifizierung erlangen sie in der Trainerausbildung des Verbandes und in der täglichen Arbeit mit den Hunden und ihren Haltern. Trainer unseres Vereins haben auch die Legitimation, als Leistungsrichter zu fungieren.

Gegenseitiger Respekt und Verständnis

Wie sollen Hundehalter und Nichthundehalter miteinander umgehen?
Eine wichtige Basis bilden gegenseitiger Respekt und Verständnis. Hundehalter sollten auch die Ängste von Nichthundehaltern akzeptieren. Darum versuchen wir im Rahmen unsres Kursprogrammen, allen nur erdenklichen Alltagssituationen gerecht zu werden.

Was wünschen Sie sich für die Hundeausbildung und den Hundesport?
In meinen Trainingseinheiten und Kursen versuche ich, den Hundehaltern zu vermitteln, dass ihr Hund nicht nur einen Anspruch auf einen kurzen Spaziergang hat, sondern auch „geistig“ gefordert werden soll, insbesondere einen Anspruch auf eine strukturierte Führung hat. Für den Hundesport wünsche ich mir eine steigende Starterzahl für unsere Turniere sowie engagierte und motivierte Hundesportler, die mit ihren Vierbeinern das gegenseitige Messen genießen, aber nicht übertreiben.

Nähere Info gibt es online auf www.hsv-wachau.com