Erstellt am 31. Mai 2012, 09:50

Sieben seltene Kaiseradlerpaare brüten in Niederösterreich. Genau zum Muttertag haben drei Kaiseradler-Junge sich in einem luftigen Horst an der March erfolgreich durch die Eischale gepeckt.

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Sechs weitere hoffnungsvolle Kaiseradlerpaare brüten noch im grenznahen Gebiet bei Hohenau und im Nationalpark Donau-Auen. Österreichweit sind es derzeit elf Brutpaare. Die Experten von BirdLife sind zuversichtlich: mit der Sicherung von potentiellen Horst-Standorten ist ein wesentlicher Schritt zugunsten von Kaiseradler- und anderen Großvogelbruten für diese Saison gelungen. Die Erhaltung von stabilen, Horst-tauglichen Bäumen und eine möglichst störungsfreie Horst-Umgebung zählen zu den wichtigsten Maßnahmen bei der Wiederansiedelung von Kaiseradler und Co.

„Verluste von wenigen Einzelvögeln und Bruten können fatale Auswirkungen auf den Bestand langlebiger Arten wie Kaiseradler oder Rotmilan haben“, beschreibt Gábor Wichmann, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich die Situation von Großvögeln. „Für das Überleben dieser Arten ist es wesentlich, dass Horstbäume langfristig erhalten und Störungen in der sensiblen Balz- und Brutphase vermieden werden.“ Während Seeadler, Schwarz- und Weißstörche einen bereits bekannten Horst über mehrere Brutsaisonen nützen, sucht sich der Kaiseradler jedes Jahr eine neue Brutstätte. Ein vielfältiges Angebot sicherer Horst-Standorte ist für den König der Lüfte dementsprechend wichtig. Dazu gehören vor allem hohe Bäume mit einer stabilen Baumkrone als Grundlage für einen sicheren Horst. Wichmann: „Wenn wie jetzt an der March gleich drei junge Kaiseradler im Horst sitzen, ist eine starke Baumkrone mit stabilen Ästen eine notwendige Voraussetzung für die erfolgreiche Aufzucht. Nur große, alte Bäume können auch ausbaufähige Horste tragen und nur mächtige Bäume, die über das Kronendach hinausragen, dienen dem Kaiseradler als Sitzwarte.
 
Kaiseradler sind auf Altholzinseln zwischen Ackerbauflächen angewiesen


Mit dem vom Europäischen Fonds für Regionalentwicklung und dem Land Niederösterreich geförderten Projekt „CORO-SKAT“ setzt sich BirdLife verstärkt bei den Grundbesitzern für den Erhalt von Windschutzstreifen mit Altbaumbeständen und Horstschutzzonen ein. Nicht nur Bäume, auf denen sich aktuell ein Horst befindet sind schützenwert. Auch der Baumbestand um die potentiellen Brutbäume ist für eine ungestörte Brut entscheidend. Denn gerade bei störungsempfindlichen Arten wie Seeadler, Kaiseradler oder Schwarzstorch sollte es um die Horste eine möglichst ungestörte Zone von bis zu 300 Metern geben. „Wenn die Vögel während der Balz und Brutzeit durch Forstarbeiten mit Maschinen oder sogar auch nur durch längeres Verweilen auf Hochständen gestört werden, kann dies zur Aufgabe der Brut führen“, erklärt Wichmann das Verhalten der seltenen Großvögel. Bis zu 60 Horststandorte plant BirdLife Österreich bis 2013 zu sichern.
 
Beste Brutvoraussetzung im Nationalpark Donau-Auen


Nach der erstmaligen Kaiseradlerbrut in den Donau-Auen 2011 brüten völlig abgeschirmt und ungestört dieses Jahr bereits zwei Kaiseradlerpaare im Nationalpark Donau-Auen. Mit vier brütenden Seeadlerpaaren hegt auch der WWF große Hoffnung in den Donau-Auen.
Neben den Brutpaaren halten sich ganzjährig 25 bis 40 nichtbrütende Kaiseradler und bis zu 150 Seeadler als Wintergäste in Ostösterreich auf. „Bei günstiger Wetterlage rechnen wir beim Kaiseradler heuer in Niederösterreich, dass drei bis vier der derzeit sieben Brutpaare die Aufzucht der Kleinen erfolgreich gelingt. Jeder weiterer Bruterfolg wäre eine zusätzliche Bestätigung, dass geeigneter Altbaumbestand, Brachflächen und Windschutzgürtel eine nachhaltige Wertanlage für den Schutz von Großvögeln bedeuten“, ergänzt Wichmann.

www.birdlife.at