Erstellt am 19. November 2013, 09:50

12-jährige gebar Kind von Stiefvater. Ein schwerer Fall von sexuellem Missbrauch erschüttert das Burgenland.

Ein zwölfjähriges Mädchen hat vergangene Woche im Bezirk Güssing ein Kind zur Welt gebracht. Der Vater des Babys soll sein Stiefvater sein. Der etwa 30-jährige Mann, der sich bereits wegen eines Sexualdelikts vor Gericht verantworten musste, wurde festgenommen. Über ihn wurde nun die Untersuchungshaft verhängt.

Der Haftantrag war in der Früh gestellt worden, so Magdalena Wehofer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft (StA) Eisenstadt. Der Mann befindet sich in der Justizanstalt Eisenstadt. Die nächste Haftprüfung findet spätestens am 3. Dezember statt. 

Ermittlungen auch gegen Mutter

Auch gegen die Mutter wird ermittelt - und zwar wegen des Vorwurfs des Quälen oder Vernachlässigen unmündiger Personen. Das teilte Wehofer mit. Die Mutter des zwölfjährigen Mädchens sei bereits als Beschuldigte einvernommen worden. Sie wurde auf freiem Fuß angezeigt.

12-jährige Mutter und Säugling "wohlauf"

Das Mädchen und sein Kind seien derzeit im Spital und "wohlauf", ihnen gehe es "den Umständen entsprechend", teilte die Leitende Sozialarbeiterin des Landes, Bettina Horvath, mit. Die Behörde sei Anfang Oktober von der Schule über Verhaltensänderungen bei dem Mädchen informiert worden, es gab eine sogenannte Gefährdungsmeldung.

Die Zwölfjährige habe nicht mitgeturnt, sichtlich zugenommen, die Zunahme aber kaschieren und verstecken wollen, auch viele Fehlstunden fielen auf. Die Jugendwohlfahrt ermittelte, da sich aufgrund der Verhaltensänderungen der Verdacht des sexuellen Missbrauchs aufgedrängt habe. Außerdem war der Stiefvater bereits bekannt - jedoch nicht in dieser Familienkonstruktion, wie Horvath erklärte.

Mann stand bereits vor Gericht

Der Mann stand laut der Sozialarbeiterin wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Kindes bereits vor Gericht. Anfang des Jahres sei er auch verurteilt worden, ging aber in Berufung, weshalb dieses Urteil auch nicht rechtskräftig sei. Ausständig ist die Entscheidung über das Strafmaß von mehr als drei Jahren, gegen das er berief. "Morgen oder am Freitag soll der Mann dem Oberlandesgerichtshof vorgeführt werden, der dann auch über das derzeit noch offene Strafausmaß entscheidet", sagte Bernhard Kolonovits, Sprecher des Landesgerichts Eisenstadt.

"Der Stiefvater hatte mehrere Vorbeziehungen, aus denen auch Kinder entstammen – auch leibliche Kinder. Da bestand der Verdacht auf sexuelle Übergriffe", berichtete Horvath.

Die Jugendwohlfahrt habe Anzeige erstattet, es habe auch ein Verfahren - auch hier ging es um ein minderjähriges Stiefkind - gegeben. "Dieses Verfahren wurde allerdings zunächst eingestellt. Jahre später wurde der Mann wieder angezeigt, das Verfahren neu aufgerollt."

Präventive Maßnahmen nicht erlaubt

Die Mutter der Zwölfjährigen wusste Bescheid: "Die Jugendwohlfahrt hat ihre rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft und die damals neue Lebensgefährtin über die zurückliegenden Verdachtsfälle in einem Gespräch informiert - leider ohne Erfolg", erzählte Horvath und klärte auf: "Wir können nur aufgrund eines neuen Verdachts tätig werden. Wir dürfen auch niemanden vorverurteilen. Präventive Maßnahmen dürfen wir auch nicht setzen. Wir dürfen ja nur so weit, wie es unbedingt notwendig ist, in Eltern-und Familienrechte eingreifen."

Im konkreten Fall hätten sich schließlich die Ereignisse überschlagen: "Die Zusammenarbeit mit der Familie hat sich als schwierig herausgestellt." Die Behörde habe auf einen Schwangerschaftstest bestanden und es habe auch die Bereitschaft gegeben, einen Gynäkologen zu besuchen.

Der geforderte Schwangerschaftstest - ein Harntest - sei jedoch negativ ausgefallen. "Wir haben auf weitere Untersuchungen bestanden. Es war auch schon ein Termin vereinbart, der aber abgesagt wurde. Danach gab es wieder Gespräche, zu einem zweiten Test ist es aber nicht mehr gekommen."

Jugendwohlfahrt übernimmt interimistische Obsorge

"Wir haben dann einen gerichtlichen Antrag für weitere Untersuchungen und weitere Betreuung gestellt und auch eine psychische Abklärung beantrag. Dieser Antrag war jedoch noch in Bearbeitung", sagte Horvath.

Nun müsse das Referat für Jugendwohlfahrt die interimistische Obsorge für die Zwölfjährige und ihr Kind übernehmen. "Wir werden uns darum kümmern, dass die beiden in entsprechenden Einrichtungen oder bei Pflegeeltern untergebracht werden."

"Frühe Schwangerschaften können Hinweise auf Missbrauch im Hintergrund sein", hielt der burgenländische Kinder- und Jugendanwalt Christian Reumann fest. "Das gilt bis 13, 14 Jahren - da wäre ich sehr hellhörig", erklärte der Experte.