Erstellt am 03. Oktober 2012, 00:00

Aktivpark ist am Ende. Schuldzuweisungen / Der Aktivpark ist geschlossen. Noch vor einigen Tagen sprachen die Verantwortlichen von einer „Annäherung“. Jetzt geben sie sich gegenseitig die Schuld.

Von Sarah Baumgartner

GÜSSING / Seit Montag, 1. Oktober, ist der Aktivpark Güssing geschlossen. Betroffen sind das Hotel und das „Players“-Pub. Die Sporthalle ist aber weiter benützbar, dem Saisonstart der Güssing Knights (Samstag, 18 Uhr gegen Traiskirchen) steht aber nichts im Wege.

Das plötzliche Aus ist überraschend, schienen sich doch die Verhandlungspartner – auf der einen Seite die Stadtgemeinde mit Peter Vadasz, Joachim Wolf, Michael Hoffmann und Amtsleiter Gustav Glatter, auf der anderen der Immobilienkonzern WSF mit Herbert Haselbacher und Geschäftsführer Alexander Fuchs-Robetin – zuletzt angenähert zu haben. Auch beim „Runden Tisch“ der BVZ bekräftigten sowohl ÖVP als auch SPÖ, dass das Projekt „Ausbau Aktivpark“ wichtig sei und zustande komme müsse.

Doch es kam anders. Die Verhandler der Stadt verlangten von den Aktivpark-Betreibern die Übertragung der Sporthalle in das Eigentum der Gemeinde. „Weil wir die Halle Ende 2012 komplett bezahlt haben“, sagt Noch-Stadtchef Peter Vadasz. Außerdem forderte die Stadt die Übertragung der Verwaltung an die Stadtgemeinde und die Auflösung aller alten Verträge. Im Gegenzug stellte auch Haselbacher Forderungen: Einerseits den Betrag von 870.000 Euro für den Betrieb der Halle in den vergangenen zehn Jahren, andererseits die Umwidmung von 150 Grundstücken in Bauplätze und außerdem fünf Millionen Euro Infrastrukturkosten, die im Zuge der Umwidmung angefallen wären.

Schreiben kippte laut ÖVP das Projekt 

„Wir erhielten ein Schreiben des Aktivpark-Anwalts, dass eine Übertragung der Sporthalle und der Verwaltung an die Gemeinde nicht infrage komme. Die Stadtgemeinde solle zuerst die Forderungen des Aktivparks erfüllen, über unsere Wünsche könnte man später einmal reden“, erzählt Wolf. Fuchs-Robetin kontert: „Wir hätten den Forderungen der Gemeinde schon zugestimmt, aber erst nach der Sicherstellung der Infrastruktur.“

Und so kam es in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch der Vorwoche dazu, dass sich die ÖVP gegen die Umwidmung der Projektflächen entschied, die SPÖ enthielt sich. Vizebürgermeister Vinzenz Knor erklärt warum: „Erst jetzt stellt sich heraus, welche Verträge Vadasz und Co. damals ausgehandelt haben – das kommt Güssing jetzt teuer zu stehen.“

Laut Haselbacher und Fuchs-Robetin hätten lediglich letzte Details über die Bezahlung der Betriebskostenrückstände für die Halle und die künftige Zusammenarbeit geklärt werden müssen: „Am Montag der Vorwoche hat Wolf offenbar ,kalte Füße‘ bekommen. Der bis dato bei den Verhandlungen nicht in Erscheinung getretene Anwalt Werner Dax hat uns einen, dem Verhandlungsergebnis völlig widersprechenden neuen Vertragsentwurf gleichzeitig mit der ultimativen Aufforderung übermittelt, dass dieser zu unterschreiben sei, wenn die Umwidmung beschlossen werden soll.“

Damit ist das Monsterprojekt „Aktivpark-Ausbau“ aus heutiger Sicht so gut wie gestorben. „Wir haben immer klargestellt, dass ohne die Verwirklichung dieses Projekts ein weiteres Engagement in Güssing wirtschaftlich sinnlos und wir daher gezwungen sind, den eigenen Hotel-, Gastronomie- und Sportbetrieb mit 1. Oktober zu schließen“, sagt Fuchs-Robetin. Die Betreiber haben mittlerweile die Option auf die von der Gemeinde hinterlegte Bankgarantie gezogen. Laut Fuchs-Robertin handelt es sich um eine Summe von rund einer Million Euro, die sich aus Betriebskostenrückständen ergeben. Er fügt aber hinzu: „Da werden wir wohl noch klagen müssen.“

31 Mitarbeiter 

31 der 37 Mitarbeiter sind bereits gekündigt. Zwei Reinigungskräfte und vier Hallenverantwortliche sind noch im Dienst. Ob es weitere Verhandlungen geben wird, beantwortet Fuchs-Robertin so: „Für konstruktive Gespräche sind wir immer bereit.“ Die SPÖ spricht von einem „Neustart, um die Arbeitsplätze zu erhalten und die Umsetzung der geplanten Investitionen zu ermöglichen“. Landesrätin Verena Dunst will nach den Wahlen „wieder zu einem runden Tisch mit allen Beteiligten einladen“.