Erstellt am 18. Mai 2016, 05:14

von Elisabeth Kirchmeir

Asylwerber bestraft – aber nicht einsichtig. Irakisches Brüderpaar stand vor Gericht. Der Jüngere wurde unter anderem wegen sexueller Belästigung verurteilt.

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Erst im Vorjahr war ein Brüderpaar aus dem Irak nach Österreich gekommen. Untergebracht wurde die Familie, zu der auch der Vater, die Stiefmutter, die Schwester und ein Stiefbruder zählten, in einer Flüchtlingsunterkunft im Bezirk Güssing.

Bereits im Mai 2015 soll der ältere der beiden Brüder, der heute 22 Jahre alt ist, seine 16-jährige Schwester brutal geschlagen, getreten und sogar gebissen haben. Das Mädchen blutete daraufhin aus dem Mund und konnte drei Tage lang nicht zur Schule gehen.

Vater verstarb an Herzinfarkt

„Meine Schwester ist ein bisschen naiv“, sagte der 22-Jährige, als er dazu vor Gericht befragt wurde. „Auch Ihre Stiefmutter sagte, dass Sie Ihre Schwester öfter geschlagen, an den Haaren gerissen und gebissen haben. War es für Sie in Ordnung, Ihre Schwester zu schlagen?“, wollte Richterin Gabriele Nemeskeri wissen.

„Das stimmt nicht“, antwortete der Angeklagte. Am 8. Jänner 2016 ereignete sich in der Flüchtlingsunterkunft eine Tragödie: Im Zuge eines Streits brach der Vater der angeklagten Brüder zusammen und verstarb an einem Herzinfarkt. Daraufhin soll der ältere Bruder mit einem Messer in der Hand die Stiefmutter mit dem Umbringen bedroht und ihr verboten haben, sich dem Leichnam zu nähern.

Als vor Gericht der Tod des Vaters thematisiert wurde, begann der 22-Jährige hemmungslos zu weinen. „Mein Leben ist zerstört“, so der junge Mann.

Anfang Februar 2016 soll er neuerlich seine Stiefmutter bedroht haben. Als daraufhin die Polizei erschien, um ihn aus der Wohnung wegzuweisen, soll er auf die Polizisten losgegangen und sich gegen die im weiteren Verlauf ausgesprochene Verhaftung mit Schlägen und Tritten gewehrt haben.

17-jähriger Iraker belästigte Frau

Auch der 17-jährige Bruder bekannte sich zu allen Vorwürfen nicht schuldig. Er soll im Dezember 2015 eine Frau in Güssing sexuell belästigt haben, indem er sie unsittlich berührte und sie zum Geschlechtsverkehr aufforderte. „Ich kenne sie nicht“, behauptete der 17-Jährige. Am 2. Februar 2016 soll er seinen kleinen Stiefbruder am Hals gepackt, vom Fahrrad gezerrt und auf den Boden fallen lassen haben.

Dieser Vorfall wurde auch von der Unterkunftgeberin beobachtet. Sie habe danach gerötete Stellen am Hals des Buben gesehen. „Die Stiefmutter hatte Angst vor den Burschen. Sie waren extrem“, berichtete die Unterkunftgeberin. Als die Stiefmutter ihr Anfang Februar erzählt habe, dass sie von den Söhnen geschlagen werde, habe sie die Polizei gerufen, so die Zeugin.

Vorige Woche wurde der jüngere Bruder zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt und aus der Untersuchungshaft entlassen. Er bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und muss einen Werte-Kurs besuchen.

Der Prozess gegen den 22-Jährigen Asylwerber wurde vertagt. Weitere Zeugen müssen noch befragt werden.