Erstellt am 01. Oktober 2012, 13:54

Baby auf Normalstation verlegt. Das zwei Monate alte Mädchen aus dem Bezirk Güssing, bei dem Ärzte vor knapp zwei Wochen massive Spuren von Misshandlung festgestellt hatten, konnte inzwischen die Intensivstation verlassen.

 "Sie ist am Wochenende von der Intensivstation rausgekommen. Es gibt keine Probleme und es geht ihr den Umständen entsprechend gut", erklärte Simone Pfandl-Pichler, Sprecherin der Universitätsklinik für Kinderchirurgie in Graz. Für die Eltern wurde mittlerweile ein Haftprüfungstermin angesetzt.

Das Baby befinde sich nun auf der Normalstation. "Man schaut jetzt, dass sie weiterhin stabil bleibt, dass man sie bestmöglich versorgt und dann wird man sehen, wie es weitergeht. Wie lange das dauert, kann man noch nicht sagen", erläuterte Pfandl-Pichler. Eine Prognose, wann das Kind das Spital verlassen könne, sei nicht möglich. Auch über etwaige Spätfolgen können keine Aussage getroffen werden, weil beispielsweise Teilleistungsstörungen manchmal erst beim Schulbesuch zum Vorschein kämen.

Dass das kleine Mädchen an der Glasknochenkrankheit leide, könne man ausschließen, so die Sprecherin. "Bei Glasknochenkrankheit brechen die Röhrenknochen, aber man hat keine Gehirnblutungen oder anderes dabei."

Die Mutter des Babys befindet sich weiterhin in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Untersuchungshaft, der Vater sitzt in Eisenstadt. Für kommenden Donnerstag wurde eine Haftprüfungsverhandlung angesetzt, so Magdalena Wehofer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt. Ende der vergangenen Woche seien die Gutachter in dem Fall bestellt worden. In Auftrag gegeben wurden ein psychologisches und psychiatrisches Gutachten zum Status der Eltern sowie eine gerichtsmedizinisch-forensische Expertise zu den Verletzungen des Babys, berichtete Wehofer.

Bei einer Untersuchung des Mädchens hatten Ärzte mehrere Knochenbrüche, Prellungen und Blutergüsse entdeckt. Das Kind wies unter anderem Serienrippenbrüche sowie Hämatome und andere Verletzungen auf. Die Eltern wurden festgenommen. Die Familie war im März aus der Steiermark in ein Haus im Bezirk Güssing gezogen. Sie war bereits in der Steiermark und später auch im Burgenland von der Jugendwohlfahrt betreut worden.

"die möwe" will Betreuung für auffällige Eltern

Eine verpflichte psychotherapeutische Betreuung für Eltern, die durch Gewalt bei der Erziehung ihrer Kinder auffällig geworden sind, hat am Montag die Kinderschutzorganisation "die möwe" verlangt. Anlass ist der Fall eines Babys im Burgenland, bei dem Ärzte Spuren schwerer Misshandlung feststellten. Erwachsene, die Gewalt als "Erziehungsmethode" erlebt und sie somit als "normal" empfunden hätten, würden diese mit hoher Wahrscheinlichkeit an Ihre Kinder weitergeben, erklärte Martina Fasslabend, Präsidentin von "die möwe", am Montag in einer Aussendung.

Solche Erziehungsmuster könnten nur mittels langjähriger Psychotherapie überwunden werden. Ambulante Betreuung wie im Fall der Mutter des kleinen Mädchens greife oft zu kurz, weil die Problemlage nicht in der Tiefe behandelt werde, so Fasslabend. Gefährdete Eltern bräuchten außerdem tägliche, intensive Unterstützung bei ihren Betreuungsaufgaben. Rechtzeitige psychotherapeutische Hilfe und Aufklärung seien von eminenter Bedeutung, um die Gewaltspirale zu durchbrechen und zu verhindern, dass Kinder oder sogar Babys Opfer elterlicher Gewalt würden. "die möwe" biete Workshops zu diesem Thema für Kinder, Eltern und Pädagogen kostenlos an.

Als weitere Forderung nannte Fasslabend eine Reform des Mutter-Kind-Passes unter Einbeziehung psycho-emotionaler Faktoren. Zudem sprach sie sich für qualitätsgesicherte Elternbildungsprogramme in Form eines "Eltern-Führerscheins" aus. In Schulen müssten viel mehr Psychologen und Sozialarbeiter als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen. Weiters brauche es mehr ambulante Versorgungsmöglichkeiten für Kinder mit psychischen Problemen. Die klinisch-psychologische Behandlung von Kindern und Jugendlichen sollte als Kassenleistung angeboten werden. Und schließlich sollten "psychosoziale Frühwarnsysteme" eingeführt werden, forderte die "möwe"-Präsidentin.