Güssing

Erstellt am 30. Juni 2016, 10:27

von Michael Pekovics

56 Prozent gegen Güssinger Einbahn. Bei einer Beteiligung von rund 44 Prozent stimmte mehr als die Hälfte der Bevölkerung für eine leicht geänderte Gegenverkehrsvariante – Umsetzung folgt „zeitnah“.

„Heiße“ Bürgerbefragung. Trotz der hohen Temperaturen betrug die Beteiligung rund 44 Prozent. Am Freitag wurden die Stimmen im Technologiezentrum und am Samstag in der Neuen Mittelschuld (Bild) entgegen genommen.  |  Michael Pekovics

Mit Spannung war das Ergebnis der ersten Bürgerbefragung in der Geschichte der Stadt erwartet worden, am Samstagabend stand der Ausgang dann fest (

): Von 1.486 abgegebenen Stimmen entfielen 835 auf die Variante drei (56 Prozent), für die beiden Einbahn-Varianten eins (8,4 Prozent) und zwei (35,2 Prozent) konnten sich weit weniger Bürger begeistern.

„Vernunft hat sich gegen die Parteipolitik behauptet“

ÖVP-Stadtrat Michael Hoffmann

„Gegen etwas zu sein motiviert offensichtlich mehr, als wenn man etwas gut findet“, sagte Stadtchef Vinzenz Knor (SPÖ), der die Variante zwei bevorzugt hätte. „Ich bin überrascht, wie deutlich das Ergebnis ist, aber so funktioniert direkte Demokratie nun mal – wir werden alle mit dem Ergebnis leben müssen und erst in Zukunft sehen, ob die Entscheidung richtig war.“ Er habe in persönlichen Gesprächen jedenfalls das Gefühl gehabt, dass die Einbahn besser angenommen werde, als es das Ergebnis jetzt vermuten lasse.

Klare Mehrheit für die Gegenverkehrsvariante. 56 Prozent sprachen sich für eine Abschaffung der Einbahnregelung aus, die Einbahn-Varianten eins und zwei kamen auf 43 Prozent.  |  BVZ

Naturgemäß zufrieden ist ÖVP-Stadtrat Michael Hoffmann, der gemeinsam mit seiner Partei Sturm gegen die Einbahnregelung gelaufen ist. „Die Vernunft hat gesiegt und sich gegen die Parteipolitik behauptet“, freut sich Hoffmann, der vom klaren Ausgang ebenfalls überrascht ist: „Noch mehr freut mich aber die hohe Wahlbeteiligung, das zeigt, dass das Thema viele Güssinger interessiert hat.“

Ergebnis ist bindend, Umsetzung noch fraglich

Jetzt geht es darum, das Ergebnis der Bürgerbefragung auch in die Tat umzusetzen – anders als bei der vorherigen Gegenverkehrsregel gibt es jetzt nämlich ein Fahrverbot für Lkw und Busse in Richtung Stadtzentrum.

„Wir werden das Thema in dieser Woche in der Stadt- und auch in der Gemeinderatssitzung besprechen und die weitere Vorgangsweise abklären“, sagt Knor, der das „so rasch als möglich“ umsetzen will. „Die alte Verordnung muss aufgehoben und eine neue beschlossen beziehungsweise von der BH genehmigt werden. Außerdem muss das Land nach dieser Entscheidung ihre Pläne für die Neugestaltung der Kreuzung am Molkereiberg überarbeiten“, sagt Knor.

Die ÖVP geht da sogar noch einen Schritt weiter, bremst aber im gleichen Atemzug: „Solange an der Baustelle der Neuen Eisenstädter gebaut wird, wird die Wiedereinführung des Gegenverkehrs wegen des Baukrans schwierig, Schnellschüsse bringen nichts“, gibt Hoffmann zu bedenken.

Er will sich jetzt mit Knor zusammen setzen und ein umfassendes neues Verkehrskonzept für Güssing diskutieren. Dazu ist Knor auf Anfrage der BVZ gerne bereit: „Natürlich werden wir uns das genau anschauen und diskutieren. Die Problematik in Güssing ist ja, dass vor Jahrzehnten verpasst wurde, etwas für den überregionalen Schwerverkehr zu machen.“