Erstellt am 09. Januar 2013, 00:00

Bus: Güssing steigt aus. Öffentlicher Nahverkehr / Bezirkshauptstadt stellt Zahlungen ein, zusätzlicher Linienverkehr wurde beendet. ÖVP-Ortschefs klagen über „parteipolitisches Spiel am Rücken der Bürger“.

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Von Michael Pekovics

GÜSSING, BEZIRK / Nach etwas mehr als zehn Jahren scheint der Gemeindeverband ÖPNV Pinkatal/Stremtal am Ende. Am 27. Dezember gab Güssings Stadtchef Vinzenz Knor (SPÖ) in einer kurzen E-Mail bekannt, dass die Stadt die Zahlungen einstellt: „Falls ein Busverkehr gewünscht wird, so kann dieser selbst organisiert werden, wird aber von der Stadtgemeinde nicht mitfinanziert.“

Damit dürfte das ohnehin schon nur mehr in abgespeckter Form aufrecht erhaltene Linienbussystem im Pinka- und Stremtal Geschichte sein. Zuletzt waren pro Tag vier Kurspaare unterwegs, seit 1. Jänner fahren diese Südburg-Busse nicht mehr. „Damit sind wir wieder am Stand von vor 40 Jahren“, ärgert sich etwa Bundesrat und Bildeins Bürgermeister Walter Temmel maßlos. „Es gab keine Kommunikation im Vorfeld, Güssing hat einfach die Zahlungen eingestellt und das wars.“ Harte Kritik kommt auch von seinen drei Amtskollegen Bernhard Deutsch (Strem), Werner Laky (Moschendorf) und Johann Weber (Eberau). Und auch der amtierenden Obmann Peter Vadasz, Knors Vorgänger, appelliert: „Öffentlicher Nahverkehr braucht Unterstützung, wir müssen Geld in unserer von Abwanderung betroffenen Region einsetzen. Wir Südburgenländer finanzieren mit unseren Steuergeldern schließlich auch Projekte im Nordburgenland.“ So würden im Norden rund 200 Millionen Euro in den Nahverkehr investiert, während im Südburgenland für jedes der neun definierten Gebiete gerade einmal 20.000 Euro zur Verfügung stehen. „Das von der SPÖ forcierte Dorfbussystem ist bestenfalls eine Ergänzung des Linienverkehrs. Außerdem ist es ein Hohn, jetzt ein Verkehrskonzept zu fordern, wo wir doch schon bisher eines hatten“, so Vadasz weiter.

An Knor prallt die Kritik aber ab. „Es gab bisher weder eine Vorstandssitzung noch eine Verbandsversammlung. Das Problem ist, dass pro Tag nur 6,5 Personen mit den Bussen fahren. Da ist uns der Aufwand für den Nutzen viel zu groß.“ Landesrätin Verena Dunst stellt sich hinter den SPÖ-Bürgermeister und verweist auf den Dorfbus: „Das ist das am besten geeignetste System, das sich schon in fünf Gemeinden bewährt hat.“

Harte Kritik. Güssings Stadtchef Vinzenz Knor (SPÖ, l.) hat in einem E-Mail am 27. Dezember verlautbar, dass Güssing die Zahlungen für das Projekt einstellen wird. Die ÖVP-Bürgermeister der betroffenen Gemeinden (Bernhard Deutsch, Werner Laky, Walter Temmel, Johann Weber) sind darüber entsetzt: „Dieses Handeln der SPÖ ist eine Katastrophe.“ Noch-Obmann Peter Vadasz (2.v.r.) meint: „Dorfbusse können nur sinnvoll ergänzen, aber keine Linie ersetzen.“