Erstellt am 05. November 2013, 13:00

von Carina Ganster und Michael Pekovics

Campus. geplant. Baustart bereits 2014 möglich.

Reinhard Koch und Strems Bürgermeister Reinhard Deutsch  |  NOEN
Von Michael Pekovics und Carina Ganster

STREM / Wer Reinhard Koch kennt, weiß, dass er 25 Jahre Arbeit nicht einfach so fallen lässt und seiner „großen Liebe“, der Erneuerbaren Energie“, den Rücken kehrt. Auch wenn er zuletzt seine Anteile am Biomassekraftwerk Güssing aufgrund unüberbrückbarer Differenzen mit dem nunmehrigen alleinigen Mehrheitseigentümer Michael Dichand verkauft hat – die Leidenschaft für diesen Bereich treibt Koch weiter an. Zuletzt hatte er aufhorchen lassen, als er ein „Mega-Projekt“ nicht unweit seines Wohnortes angekündigt hatte (die BVZ berichtete). Vergangenen Donnerstag präsentierte der „Mr. Erneuerbare Energie“ dann sein Projekt dem Stremer Gemeinderat und einer Gruppe von rund 15 Zuhörern. Die meinten ihren Ohren nicht zu trauen, als Koch ankündigte, mit Hilfe von internationalen Investoren rund 200 Millionen Euro in die 900-Einwohner-Gemeinde zu investierren. Geplant ist ein Campus inklusive Forschungszentrum.

„In Güssing habe ich keine Zukunft gesehen"

„In den vergangenen 25 Jahren habe ich am Standort Güssing so viel aufgebaut und immer wieder neue Entwicklungen gemacht – aufhören kommt jetzt für mich nicht in Frage. In Güssing selbst habe ich keine Zukunft mehr gesehen, um weiter zu machen. Forschung kostet Geld und am Standort Güssing werden Forschungsbeiträge stark zurückgefahren“, erklärt Koch. Und da kommen die ausländischen Partner ins Spiel. „Die haben nämlich Kapital. Jetzt geht es darum, die Technologien zu multiplizieren. Das wird nicht einfach, ist aber eine Herausforderung, die wir annehmen möchten“, sagt Koch.

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Der Campus wird „Center for future technology“ heißen und ist eine der größten Investitionen, die es im Südburgenland jemals gegeben hat. Geplant ist eine Art Campus neben der bestehenden Biogasanlage zu errichten. Eine Fläche von rund fünf Hektar steht dafür zur Verfügung. „Demonstrationsanlagen sollen errichtet werden. Damit einhergehen soll der Bau eines Universitätsstandorts, wo Studenten ausgebildet werden können. Ein Synergieeffekt quasi, weil man die zukünftigen Mitarbeiter selbst ausbilden kann“, meint Koch.

Nachdem die Zusagen der ausländischen Investoren fix sind, geht es für Koch und Ortschef Bernhard Deutsch (ÖVP) ans Eingemachte. „Aktuell sind wir gerade dabei, die Rahmenbedingungen für dieses Projekt zu schaffen. Vorverträge für die Grundstücksablösen wurden bereits gemacht. Jetzt sollen Gespräche mit Vertretern des Landes (Anmerkung: Politik, Raumplanung und Umweltanwalt) geführt werden, um eventuelle Knackpunkte auszuloten“, erklären Koch und Deutsch, die mit dem Beginn der Bauarbeiten bereits im kommenden Frühjahr rechnen.

„Bevölkerung ist sehr am Projekt interessiert“ 

„Baubeginn könnte 2014 sein, wenn die Umwidmungen der Flächen rasch und unkompliziert über die Bühne gehen“, sagt Koch. Angesprochen auf die Reaktionen aus der Bevölkerung, berichtet Deutsch: „Bislang gab es durchwegs positive Meinungen. Das ist der Gemeinde natürlich sehr wichtig, immerhin geht es um eine große Veränderung des Ortsbildes. Unsere Aufgabe ist es jetzt, ein Entwicklungskonzept auszuarbeiten und eine verkehrstechnische Lösung zu finden“, erklärt der Ortschef, der durch den Bau des Mega-Projekts jedoch noch vor ganz anderen Herausforderungen steht.

Im Zuge der Errichtung des „Center for future technology“ muss natürlich auch neue Infrastruktur in der kleinen 900 Einwohner-Gemeinde geschaffen werden. Was die russische Stadt Sotschi für die olympischen Winterspiele auf die Beine gestellt hat, muss Strem quasi in Relation gesehen für den Campus schaffen. „Sollte der Universitätsstandort, der als ein Ableger der Donau Uni Krems geplant ist, kommen, dann sind mit einem Schlag bis zu 100 Studenten in der Gemeinde. Da braucht es natürlich auch ausreichend Wohnraum. Begleitend dazu ist auch ein Ärzte- und ein Sportzentrum im Gesamtkonzept angedacht“, meint der Ortschef optimistisch.

Österreichs größte Photovoltaikanlage

Nebenbei soll zusätzlich zum 200 Millionen Euro-Projekt auch Österreichs größte Photovoltaikanlage entstehen, allerdings erst dann, wenn das Projekt Campus umgesetzt ist. Betrieben werden soll die Anlage von einer Wiener Firma in Zusammenarbeit mit der Energie Burgenland. „Scheitern kann dieses Projekt eigentlich nur, wenn es keinen Einspeisetarif gibt“, sagt Deutsch, der von Koch vor rund zwei Monaten über das Vorhaben informiert wurde. Durch das Mega-Projekt werden in Strem rund 150 neue Arbeitsplätze entstehen. Die genauen Pläne will Reinhard Koch aber erst in den kommenden Monaten präsentieren, wenn alles „fix“ ist.