Erstellt am 08. Juni 2011, 00:00

Drogen für Bordellgäste. ANGEKLAGT / Zwei ehemalige Nachtclub-Betreiber – Vater und Sohn – standen nun auch wegen Drogenhandels vor Gericht. Der Prozess wurde vertagt.

BEZIRK OBERWART / Zwei (ehemalige) Bordellbetreiber sollen nicht nur für die Bluttat in einem Etablissement in Wörterberg vor einem Jahr, sondern auch für einen regen Drogenhandel im Raum Stegersbach verantwortlich gewesen sein.

Daher trafen sich der 52-jährige ehemalige Barbesitzer und sein 27-jähriger Sohn kürzlich im Eisenstädter Schwurgerichtssaal wieder, wo sie erst vor kurzem zu sechs Jahren (der Vater, nicht rechtskräftig) und einem Jahr (der Sohn, bereits verbüßt) verurteilt worden waren. Wie berichtet, hatte der Vater im Lokal einem 55-jährigen Kellner Stichwunden zugefügt, sein Sohn hatte auf den Mann geschossen.

Nach der Wörterberger Bluttat packte die ungarische Ex-Freundin des 52-jährigen Haupttäters aus, die als Prostituierte in den Bordellen der Hauptangeklagten gearbeitet hatte: Sowohl ihr früherer Liebhaber als auch dessen Sohn sollen mit Drogen gehandelt haben. Insgesamt soll es um 120.000 Stück Ecstasy, elf Kilogramm Kokain, ein Kilogramm Amphetamine und 46 Kilogramm Cannabiskraut gehen. Die Drogen sollen an zahlreiche namentlich bekannte und anonyme Abnehmer, insbesondere an Prostituierte in den Bordellen in Stegersbach und Neudau, verkauft worden sein.

Weil sie bei der Weitergabe der Drogen Hilfsdienste leistete, wurde auch die Ex-Prostituierte angeklagt. Ebenfalls auf der Anklagebank saßen der Cousin des 52-Jährigen, der Botendienste leistete, und zwei Drogen-Lieferanten aus Ungarn, die im September 2010 Amphetamine an einen verdeckten Ermittler verkauft hatten. „Würden die Vorwürfe stimmen, wäre mein Mandant jetzt steinreich“, erklärte der Anwalt des 52-jährigen ehemaligen Bordellbetreibers. Dieser habe nur Joints geraucht, mit anderen Drogen aber nichts zu tun gehabt. „Alles, was an Geld hereinkam, floss in die Glücksspielautomaten“, behauptete die Ex-Prostituierte.

Als „Racheakt“ bezeichnete der Anwalt des 27-jährigen Angeklagten die Vorwürfe. Dieser gab zu, Marihuana, Kokain und Ecstasy gekauft zu haben. „Wenn ich Ecstasy nahm, fühlte ich mich gut“, erklärte der Familienvater. „Ich arbeitete bis sechs oder acht Uhr in der Früh im Nachtclub. Am Tag hatte ich die Kinder.“

An einen Stammgast - pikanter Weise einen Fußballtrainer - habe er Kokain verkauft. „Ohne Gewinnaufschlag!“, wie der ehemalige Bordellbetreiber beteuerte. „Das war eine Serviceleistung. Ich wusste, dann ist er zufrieden und kann sich die ganze Nacht einen Spaß machen.“

Der Trainer habe aber nicht 7,7 Kilogramm Kokain bekommen, wie es die Belastungszeugin behauptete, sondern nur zehn Gramm. „Vor Weihnachten und zu seinem Geburtstag“ habe er im Bordell Kokain konsumiert, gab der Trainer zu. „Es gab aber nie eine Regelmäßigkeit.“

„Sie tun so, als ob Sie demnächst eine Audienz beim Papst hätten, wegen der Seligsprechung!“, hielt Richter Dr. Wolfgang Rauter dem 27-jährigen Angeklagten vor. „Da verstehen Sie mich falsch, Herr Rat“, antwortete dieser. „Ich bin überhaupt kein Engel. Ich betrieb in den vergangenen Jahren ein Nachtlokal. Da gehört auch die Prostitution dazu. Und ich habe sicher auch mal am Telefon geschimpft.“ Der Prozess wurde vertagt.