Erstellt am 23. November 2011, 00:00

,Druck für einheimische Arbeitskräfte gestiegen‘. WIRTSCHAFT / Der Bezirk Jennersdorf spürt die Folgen der Arbeitsmarktöffnung. Facharbeiter sind überall heiß begehrt.

VON MICHAEL PEKOVICS

REGION / Jennersdorf weist im Bezirksvergleich den größten Anstieg der Arbeitslosenquote auf. Laut Harald Braun, Geschäftsstellenleiter des AMS Jennersdorf, kann der Anstieg an keiner Gruppe festgemacht werden: „Junge und Alte sind gleichermaßen betroffen. Nur die Gruppe der Erwerbstätigen mittleren Alters ist relativ stabil.“ Weil die Anzahl der offenen Stellen zuletzt zurück gegangen ist, sei es jetzt schwieriger, arbeitssuchende Personen zu vermitteln.

„Arbeitsmarktöffnung betrifft  uns besonders stark“

 

Grund dafür ist laut Braun die Arbeitsmarktöffnung: „Wir haben zwei ehemalige EU-Außengrenzen, die Firmen müssen offene Stellen nicht mehr bei uns bekannt geben, weil ohnehin schon genug andere vor der Tür warten. Der Druck für die einheimischen Arbeitskräfte ist gestiegen.“ Anders im Facharbeiterbereich, wo es nach wie vor mehr Nachfrage als Angebot gibt: „Vor allem im angelernten und Produktionsbereich haben wir viele Stellen frei“, weiß Braun.

„Durch Blue Chip hat sich  die Lage weiter verschärft“

 

Ähnlich, aber etwas weniger schlimm ist die Lage im Bezirk Güssing. Zwar ist die Arbeitslosigkeit auch dort gestiegen, aber nicht so stark. Sorgen bereitet AMS Geschäftsstellenleiter Manfred Herist eher die steigende Jugendarbeitslosigkeit: „Durch den Rückgang an offenen Lehrstellen wird das bereits bestehende Facharbeiterproblem noch größer.“ Oft scheitere es bei Lehrlingen an der Einstellung, auf der anderen Seite gebe es Betriebe, die zwar dringend Facharbeiter benötigen, aber nicht bereit sind, welche auszubilden. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass viele Jugendliche in weiterführende Schulen gehen, dadurch am Lehrstellenmarkt fehlen und für die Ausbildung oft nur ‚Lernschwache‘ übrig bleiben“, vermutet Herist.

Verschärft wird die Lage durch die Insolvenz von Blue Chip Energy. Zwar soll die Belegschaft mit Anfang Dezember im Rahmen einer Arbeitsstiftung für die Weiterbeschäftigung bei einem noch nicht bekannten Investor vorbereitet werden. Aber ob überhaupt einer gefunden werden kann, steht noch nicht fest. „Dem Bezirk Güssing steht in den nächsten Monaten ein stärkeres Ansteigen bevor“, prophezeit Herist. „Vor allem deswegen, weil Güssing ein Auspendlerbezirk ist und viele im Baugewerbe beschäftigt sind.“

Jahresvergleich: Im Bezirk Güssing befindet sich die Arbeitslosenrate am Niveau von 2008 (6,6 Prozent). 2009 (7,9 Prozent) und 2010 (7,0 Prozent) war es schlimmer. Im Bezirk Jennersdorf ist die Quote sogar gesunken: 2008 (6,2 Prozent), 2009 (7,9 Prozent), 2010 (5,9 Prozent).