Erstellt am 19. Dezember 2010, 08:27

Eberau ein Jahr danach - "Wassererlebniswelt" statt Asylwerberzentrum. Die Ankündigung von Innenministerin Maria Fekter im südburgenländischen Ort ein Erstaufnahmezentrum für 300 Asylwerber zu errichten, löste in weiten Teilen der Bevölkerung eine Welle des Protests aus, die bis ins Eisenstädter Landhaus schwappte.

Nach dem Scheitern des Projekts ist die Aufregung inzwischen abgeklungen, war sowohl vom Eberauer Ortschef Walter Strobl als auch seitens der gegen das Zentrum ins Leben gerufenen Bürgerinitiative zu hören.

Vor einem Jahr sei er kaum damit nachgekommen, sein Handy aufzuladen. Mittlerweile habe ihn der Alltag wieder eingeholt, die "gewöhnliche Geschäftstätigkeit" nehme ihren Lauf: "Mit der Volksbefragung in Eberau war das Thema vom Tisch", seither habe sich die Lage beruhigt, so Strobl. "Die Gehässigkeiten sind weg und man kann wieder normal und vernünftig mit den Leuten reden", meint der Ortschef. Das Erstaufnahmezentrum sei "größtenteils kein Thema mehr".

Gemeinsam mit der Gemeinde Moschendorf arbeitet man an einer "Kinder- und Wassererlebniswelt", die einen touristischen Impuls bringen soll. In das Projekt in Form eines Badesees mit einem "Energycamp" werden mit Unterstützung des Landes zwei Millionen Euro investiert. Die Eröffnung ist für Juni 2011 geplant. Vom Land würde man sich wünschen, dass in der Region im Pinka- und Stremtal "ein Impulsprojekt im Gesundheitsbereich" zustande komme, wo längerfristig 50 bis 70 Arbeitsplätze geschaffen werden, so Strobl.

"Alles andere greift nicht", es gebe nach wie vor einen Bevölkerungsrückgang, sagte der Ortschef: "Die Jugend muss wegziehen, überhaupt jene, die Matura haben, weil es keine Arbeit gibt." Derzeit zähle Eberau rund 1.020 Einwohner. Das Aus für den "Roten Bus" im Pinka- und Stremtal nach Streichung der Bundes- und Halbierung der Landesmittel stoße "auf großen Unmut der Bevölkerung". Nun gebe es Gespräche über eine neue Lösung, berichtete Strobl. Im Eberauer Gemeinderat wurde am Freitag beschlossen, dafür 22.000 Euro zur Verfügung zu stellen.

Im Internet präsentiert sich die Gemeinde mittlerweile auf einer neuen Homepage (http://eberau.riskommunal.net). Auch die Privatschule Josefinum in Eberau, die "sehr gut" laufe, wolle man sanieren.

Wegen der Grundstücke, auf denen das Asylwerberzentrum gebaut werden sollte, habe man Kontakt mit Beamten des Innenministeriums aufgenommen. "Die sagen, sie warten die Entscheidung der Höchstgerichte ab", so Strobl. Erst dann werde entschieden, was mit den drei ursprünglich privaten Grundstücken passiert. "Wir hätten Interesse an diesem Bauland", fügte der Bürgermeister hinzu.

Ob er bei der Bürgermeisterwahl noch einmal antritt, "das werde ich nächstes Jahr entscheiden", sagte Strobl. Momentan habe er sich diesbezüglich noch keine Gedanken gemacht. Nun will der Bürgermeister noch eine Woche arbeiten und dann eine Woche Urlaub machen. Erholung finde er im Wald bei der Holzarbeit und beim Fußballspielen in der Halle.

Bürgerinitiative überlegt Auslösung

Wenige Tage nach dem Bekanntwerden der Pläne, in Eberau im Südburgenland ein Asyl-Erstaufnahmezentrum zu errichten, formierte sich vergangenen Dezember im Ort der Widerstand gegen das Projekt in Form einer Bürgerinitiative. Sie soll nun "in nächster Zeit" aufgelöst werden, da sie ihr Ziel erfüllt habe, so Günter Kroboth, einer der Sprecher, zur APA.

Angesichts der bisherigen Äußerungen von Innenministerin Maria Fekter (V) gegenüber Medien, gehe er "nicht davon aus, dass sie das noch bauen möchte. Eberau ist definitiv von der Liste der Standorte weg", meinte Kroboth. Es habe zwei eindeutige Abstimmungsergebnisse gegeben: "Die Leute wissen alle, dass es vom Tisch ist." Aber die Menschen seien sicher "hellhöriger" geworden: "Sie lassen sich nicht mehr alles einfach erzählen und glauben es, ohne nachzufragen."

Dass die Bürgerinitiative nun nicht mehr gebraucht werde, heiße nicht, dass es nicht eine Bürgerliste Eberau geben könnte, so Kroboth. Bis zur Bürgermeister- und Gemeinderatswahl seien es noch fast zwei Jahre. Im Jahr 2011 sollte diesbezüglich die Entscheidung fallen. Abhängen werde die Entscheidung davon, welche Kandidaten die Parteien - in erster Linie die ÖVP - für die kommende Bürgermeisterwahl aufstellen: "Wenn sie unverändert in die nächste Wahl gehen, dann sind wir gezwungen, den Eberauer Bürgern eine Alternative zu bieten."

Das Projekt Erstaufnahmezentrum habe schließlich der Bürgermeister "gebracht". "Ich glaube, dass es spätestens im Jahr 2012 Zeit ist, Konsequenzen daraus zu ziehen", so Kroboth. Die Gründung einer eigenen Liste sei jedoch momentan noch nicht spruchreif: "Wir warten einmal ab, was passiert".

Wenn es innerhalb der Parteien "eine vernünftige Lösung" gebe, warum solle man dann einen Keil dazwischen treiben, argumentierte Kroboth: "Wichtig ist, dass für die Gemeinde etwas Gutes passiert." Für die kleinen Orte des Südburgenlandes würden ohnehin nicht Milch und Honig fließen. "Wir müssen uns sehr gut überlegen, wie wir unser Geld einteilen und was wir damit machen. Und wenn da verantwortungsvolle Leute am Werk sind, dann soll es nur recht sein."