Erstellt am 08. Dezember 2010, 00:00

Eine „ökologische Katastrophe“. FORDERUNG / Naturschützer und Fischer fordern beim Projekt „Openwehr“ Einhaltung der Wasserrichtlinien und die Herstellung eines „guten ökologischen Zustandes“.

Für das Burgenland wurde der Umbau der Wehranlage in Neumarkt an der Raab, die Anbindung des Bewag-Altarmes und des Vossen-Altarmes im Raum Jennersdorf sowie des St. Martiner Altarmes vereinbart. www.maps.google.com  |  NOEN
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VON CARINA GANSTER

NEUMARKT AN DER RAAB / Bedingt durch die ökologischen Probleme an der Raab beschloss die, von der österreichischen Regierung eingesetzte „Task Force“ bereits im Herbst 2007 eine grenzüberschreitende Planungsgruppe für die Ökologisierung der Raab zu bilden. Diese erarbeitete nach Prinzipien der EU-Wasserrahmenrichtlinien im Einklang mit Hochwasserschutz und der touristischen Nutzung einen gemeinsamen österreichisch-ungarischen Zielkatalog für die Raab.

Drei Altarme sollen an die  Raab angebunden werden

Im Anschluss daran wurde ein Maßnahmenplan zur ökologischen Rehabilitierung der Raab erstellt. Als oberstes Ziele der ökologischen Maßnahmen an der Raab wurden die Erreichung der Durchgängigkeit – also der Fischpassierbarkeit im gesamten österreichisch-ungarischen Einzugsgebiet – und damit verbunden die Lösung von Hochwasserschutzaufgaben in Verbindung mit ökologischen Verbesserungen genannt.

Im Rahmen des internationalen Projektes „Openwehr“ (die BVZ berichtete) sollten drei Altarme der Raab im Bereich Jennersdorf an die Raab angebunden werden. Die Zielsetzung soll sein, die Lauflänge zu vergrößern, durch Regulierungen verloren gegangene Lebensräume wiederherzustellen sowie die Flussstrukturen zu verbessern. Regionale Naturschützer und Biologen (der Naturschutz Steiermark, der Naturschutz Burgenland und die Fischereiberechtigten des Burgenlandes und der Steiermark) stehen diesem Vorhaben aber äußerst kritisch gegenüber. Dieser Tage wurde bereits mit dem Absenken der Wehrkrone und den Grabungen für die Umgehungsrinne begonnen. Die darüber hinaus erforderlichen Maßnahmen zur Fischpassierbarkeit lassen, wenn es nach Naturschützern und Fischern geht, zu wünschen übrig. „Vor allem was die Anbindung der Altarme zur Laufverlängerung betrifft, wird gepfuscht. Hier wird eine einmalige Chance zur Ökologisierung vertan. Das ist eine ökologische Katastrophe“, kritisieren Naturschützer.

Rohrdurchlässe sind  ökologisch nicht vertretbar

Für das Burgenland wurde der Umbau der Wehranlage in Neumarkt an der Raab, die Anbindung des Bewag-Altarmes und des Vossen-Altarmes im Raum Jennersdorf sowie des St. Martiner Altarmes vereinbart. „Für die Altarme sind viel zu klein dimensionierte Rohranbindungen sind vorgesehen. Mit dieser halbherzigen Anbindung kann keine natürliche Fließwasserdynamik entstehen“, warnen Experten. Es komme zu Verlandungen sowie Schlamm- und Sandablagerungen: „Dann rinnt nur noch ein Bacherl durch den Altarm.“ Um das zu verhindern, sind „ausreichend dimensionierte Anbindungen“ notwendig, argumentieren die Umweltschützer.

Auch die zuständigen Stellen des Landes dürften seit Kurzem den Argumenten der Umweltschützer folgen. Wie aus dem Büro von Landesrat Werner Falb-Meixner zu erfahren war, wird der ursprüngliche Plan verworfen. „Wir überlegen uns gerade ein neues Konzept und versuchen auf die Bedenken einzugehen“, sagt Landesrat Werner Falb-Meixner. Das neue Projekt wird am Freitag, dem 10. Dezember, im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert.