Erstellt am 24. Juni 2013, 16:31

Eltern ab Mittwoch vor Gericht. Der Fall eines misshandelten, zwei Monate alten Mädchens im Bezirk Güssing hat im September des Vorjahres im Burgenland für Bestürzung gesorgt.

APA13404258 - 26062013 - EISENSTADT - …STERREICH: Die Eltern eines misshandelten Babys stehen ab Mittwoch, 26. Juni 2013, in Eisenstadt vor Gericht. Der 25-jährige Vater und die 23-jährige Mutter des Säuglings wird fortgesetzte Gewaltausübung zur Last gelegt. Die 23-jährige muss sich in dem für zwei Tage angesetzten Prozess auch wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs verantworten. Im Bild: Die Angeklagten im Landesgericht Eisenstadt. APA-FOTO: ROBERT JAEGER  |  NOEN, ROBERT JAEGER (APA)
Ärzte hatten bei dem Baby schwere Verletzungen - darunter einen Schädelbruch und vielfache Knochenbrüche - festgestellt. Ab Mittwoch stehen der 25-jährige Vater und die 23-jährige Mutter des Säuglings in Eisenstadt vor Gericht. Beiden wird fortgesetzte Gewaltausübung zur Last gelegt. Die 23-Jährige muss sich in dem für zwei Tage angesetzten Prozess auch wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs verantworten.

Den Eltern wird laut Anklage vorgeworfen, das mittlerweile bald ein Jahr alte Mädchen im Zeitraum von 6. August bis 15. September 2012 vorsätzlich mehrfach zum Teil absichtlich schwer am Körper verletzt zu haben. Die Tat sei auf qualvolle Weise begangen worden.

Bei dem Kleinkind wurde eine Vielzahl von Verletzungen festgestellt: Das Mädchen hatte einen ypsilonförmigen Schädelbruch des linken Scheitelbeins sowie eine linksseitige Abplattung des Schädels erlitten. Im Bereich des Schädelbruchs kam es zu einer Einblutung in den Scheitel-Hirnlappen. Außerdem wurden mehrfache Rippenbrüche rechts und links, Brüche des rechten Schulterblattes und des Schlüsselbeins sowie beidseitige Unterarm- und Unterschenkelfrakturen und ein Bruch des linken Oberschenkels diagnostiziert.

Beide Eltern sitzen seit dem Auffliegen des Falls im vergangenen September in Untersuchungshaft. Das Mädchen, das mehrere Wochen im Spital verbrachte und sein älterer Bruder wurden im Vorjahr in die Obhut von Pflegefamilien übergeben.

Der Prozess im Landesgericht ist vorerst am Mittwoch und Donnerstag jeweils von 9.00 bis 15.00 Uhr angesetzt. Vier Sachverständige aus den Bereichen Psychologie, Psychiatrie sowie Kinder-Neuropsychiatrie und ein Gerichtsmediziner werden ihre Gutachten erläutern. Außerdem sind elf Zeugen geladen. Am Mittwochvormittag werde sich der Schöffensenat laut Auskunft aus dem Landesgericht hauptsächlich mit der Befragung der Eltern befassen. Beide seien nicht geständig.

Der Mutter wird außerdem vorgeworfen, dass sie ohne einen Anspruch das Burgenland und die Steiermark zur Bezahlung von über 3.000 Euro Mindestsicherung verleitet haben soll. Von der Bezirkshauptmannschaft Feldbach seien ihr weiters infolge mutmaßlich wahrheitswidriger Angaben und weil sie es unterlassen haben soll, einen Wohnsitzwechsel zu melden, 7.197 Euro Unterstützung ungerechtfertigt ausbezahlt worden.

Der Strafrahmen für fortgesetzte Gewaltausübung nach Paragraf 107b des Strafgesetzbuches beträgt laut Auskunft des Landesgerichts in dem Fall ein bis zehn Jahre. Sollte festgestellt werden, dass das Kind schwere Dauerfolgen erlitten hat, erhöhe sich das Strafmaß auf fünf bis zehn Jahre.