Erstellt am 22. Januar 2012, 13:48

Energieunabhängigkeit à la Güssing findet auch in Kalifornien Anklang. Der Besuch von Arnold Schwarzenegger am Sonntag hat Güssing zumindest für einige Stunden ins mediale Rampenlicht gerückt.

Die südburgenländische Kleinstadt ist schon seit Jahren in Fachkreisen über die Grenzen hinweg durch Aktivitäten im Bereich der Erneuerbaren Energie ein Begriff. Der Ruf als Ökoenergie-Musterstadt war es auch, der den Weg für den Besuch des kalifornischen Ex-Gouverneurs und Terminators mit steirischen Wurzeln im rund 4.500 Einwohner zählenden Bezirksvorort am Fuße der mittelalterlichen Burg Güssing ebnete.

Wer "Modell Güssing" googelt, stößt im Internet auf eine Trefferliste, die auf rund 139.000 Einträge verweist. Schon Anfang der 1990er-Jahre reifte in der Gemeinde der Entschluss, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren und lokale Ressourcen zur Abdeckung des Energiebedarfs zu nutzen. Von diesen Bestrebungen sollte auch die regionale Wirtschaft profitieren.

Im Jahr 1996 ging das Fernheizwerk mit einer Leistung von 22 Megawatt (MW) in Betrieb. Ebenfalls 1996 entstand das Europäische Zentrum für Erneuerbare Energie (EEE), das Konzepte zur Energienutzung und -erzeugung und zum Energiesparen entwickelt. Es ist jährlich Ziel für zahlreiche Besucher, die aus einem Angebot von mehreren Führungen wählen können.

Seit 2001 wird in Güssing auch Strom aus Biomasse produziert. In den vergangenen Jahren hat sich außerdem die Forschung entwickelt. Mittels Vergasung von Holz wird Wärme und Strom erzeugt. Darauf bauen weitere Verfahren zur Herstellung von synthetischem Erdgas und Benzin oder Diesel auf. Als Forschungseinrichtung dient das 2009 in Betrieb genommene Technikum mit den Schwerpunkten der thermischen und biologischen Vergasung.

Das Thema Erneuerbare Energie liegt Arnold Schwarzenegger sehr am Herzen und die Ökoenergie-Musterstadt Güssing offenbar auch. In seiner rund fünfminütigen Rede meinte der kalifornische Ex-Gouverneur: "Die ganze Welt soll Güssing werden." Das habe er schon überall auf der Welt gesagt. "Wir haben auf beiden Seiten des Atlantik schon gewaltige Schritte getan, große Arbeit geleistet. Aber der Weg ist noch lange nicht zu Ende. Wir müssen noch sehr viel Überzeugungsarbeit leisten. Das ist mein Kreuzzug", so der Hollywoodstar.

Nach einem Mittagessen, es gab sein "Lieblings Wiener Schnitzel und Kaiserschmarren", überzeugte sich der ehemalige Politiker bei einem Rundgang im Zentrum für Erneuerbare Energie über sämtliche Anlagen und meinte: "Unglaublich, was hier geschieht. Mit 4.000 Einwohner eine kleine Stadt, aber ihr seid alle Weltstars."

Schwarzenegger lobte besonders Bürgermeister Peter Vadasz (V): "Er hat eine Gruppe tüchtiger Mitarbeiter um sich versammelt und mit ihnen an einer Zukunft gebastelt. An einer Zukunft, die auch meine Zukunft ist. Güssing ist zur grünen Insel geworden. Ihr habt eure eigene Fernwärmeanlage gebaut, erzeugt euren eigenen elektrischen Strom. Ihr betreibt ein Biomassekraftwerk, stellt synthetisches Erdgas aus Holz her und in der Güssinger Forschungsanlage entstehen neue Kraftstoffe. Das habe ich heute alles mit meinen eigenen Augen bei unserem Rundgang gesehen."

Vadasz und er hätten "die positiven Kräfte gegen die zerstörerischen eingesetzt. Wir haben gesunde statt kranke Energie in den Mittelpunkt unserer Veränderungen gestellt. Ich habe als Gouverneur alles unternommen, um die Treibhausgasgefahr bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Ich habe die erneuerbare Energie gefördert", erklärte Schwarzenegger. Heute habe Kalifornien "bereits 30 Prozent erneuerbare Energie und bis 2020 werden es über 45 Prozent sein." Gemeinsam werde man weiterkämpfen, "weil uns das große Ziel die Kraft dazu gibt."

Schwarzenegger versprach, für Güssing weiterhin die Werbetrommel zu rühren. Er werde sagen, "es ist höchste Zeit uns ein Beispiel zu holen. Schaut nach Kalifornien, schaut nach Güssing, dort funktioniert es. Dort ist die Welt schon eine bessere geworden."

Als Dankeschön für seinen Einsatz erhielt der "Terminator" von der Stadt Güssing ein bronzenes, 18 Kilo schweres Bild, das ihn im Profil zeigt, und von Umweltminister Niki Berlakovich (V) eine Klimaaktiv-Tasche mit Kürbiskernöl und Manner Schnitten, die er lachend entgegen nahm. Außerdem wurde Schwarzenegger am Ende der Pressekonferenz der Energy Globe Award überreicht. Ebenfalls in Güssing dabei war seine Cousine Monika Ficzko aus Krieglach, die "natürlich sehr stolz" auf "Arnie" ist, wie sie der APA sagte. Man sehe sich nicht oft, aber gelegentlich.

Bevor sich der Hollywoodstar verabschiedete und sich auf den Weg Richtung Stuttgart machte, meinte er noch: "Ich liebe Güssing." Und auf die Frage eines Journalisten "Mister Schwarzenegger, will you be back?" antwortete er: "I'll be back."