Erstellt am 11. März 2015, 08:09

von Elisabeth Kirchmeir

Kein Menschenhandel. Strafantrag gegen Inhaber eines Gemüseanbaubetriebs wurde zurückgezogen, zwei Mitarbeiter freigesprochen.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, BilderBox - Erwin Wodicka / wodi

Der Inhaber, der Vorarbeiter und eine Mitarbeiterin eines Gemüseanbaubetriebes aus dem Südburgenland mussten sich vor Gericht verantworten, weil sie im Sommer 2013 Erntehelfer aus Ungarn und Rumänien menschenunwürdig behandelt, ausgebeutet und beschimpft haben sollen - so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die die drei Personen wegen des Verbrechens des Menschenhandels anklagte.

Die Angeklagten hatten sich nicht schuldig bekannt. In der Vorwoche zog Staatsanwältin Beatrix Resatz die Anklage gegen den Inhaber des Gemüseanbaubetriebes zurück, Richterin Karin Lückl sprach den Vorarbeiter und die Mitarbeiterin von den gegen sie erhobenen Vorwürfen frei.

Von ursprünglichen Vorwürfen blieb wenig übrig

Zuvor hatte der Lebensgefährte der Schwester des Betriebsinhabers, der als Geschäftsmann im Hintergrund die finanziellen Angelegenheiten des Unternehmens lenkte und Aufträge an Land zog, zugegeben, dass der Erstangeklagte nur „am Papier“ als Eigentümer galt. Hingegen habe der Vorarbeiter das Unternehmen „wie sein eigenes“ geführt. Einen Gewinn habe der Betrieb nie abgeworfen. Die Unterkünfte für die Erntehelfer seien, so der Zeuge, „nicht supertoll, aber auch nicht furchtbar“ gewesen.

Die als Zeugen befragten ungarischen und rumänischen Erntehelfer hatten sich vor Gericht vor allem darüber beklagt, dass sie nicht jene Geldbeträge ausbezahlt bekamen, die ihnen offenbar zuvor versprochen worden waren. Sie habe während ihres siebenwöchigen Arbeitseinsatzes 100 Euro „Essensgeld“ pro Woche bekommen, sonst nichts.

Während die Zeugin vor der Polizei von „unmenschlicher Unterbringung“ gesprochen hatte und davon, dass die Erntehelfer „wie Tiere“ behandelt worden seien, war davon vor Gericht keine Rede mehr. Andere Erntehelfer hatten ihre Aussagen relativiert, sodass von den ursprünglich Vorwürfen wenig übrig blieb. Der Tatbestand des Menschenhandels sei nicht erfüllt, begründete die Richterin die Freisprüche. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab.