Erstellt am 06. März 2013, 00:00

Existenzen am Abgrund. Nachwehen nach Hochwasser / In Eltendorf droht ein Haus abzurutschen, Straßen in St. Michael und Neusiedl in Mitleidenschaft gezogen. Auch Weinberge in der Weinidylle in Gefahr.

Bangen um ihr Heim. Die Familie Gibiser aus Eltendorf.Decker  |  NOEN
Von Carina Ganster und Vanessa Bruckner

ELTENDORF, REGION / Droht das eigene Haus abzurutschen, ist das ein Albtraum. Für die Familie Gibiser ist der böse Traum Realität geworden. Das Eigenheim der fünfköpfigen Familie droht nach den Regenmengen und der Schneeschmelze abzurutschen. Schon seit 30 Jahren weiß die Familie, dass ihr mehr als 100 Jahre altes Haus in einem gefährdeten Gebiet steht. Schon einmal musste die Familie vor drei Jahren aufgrund der gefährdeten Hangrutschlage kurzfristig ausziehen. Dass dies aber noch einmal passieren kann, damit hat niemand gerechnet. Wurde doch rund zehn Meter hinter dem Haus der Boden drainagiert, um das Wasser abzuleiten.

„Es ist wie in einem schlechten Film, wenn man weiß, dass sein eigenes Haus abstürzen könnte. Da steckt Liebe, Geborgenheit und viel Arbeit in den vier Wänden und dann muss man zusehen, wie dies alles bedroht ist“, erzählt Familienvater Horst Gibiser. Gemeinde und Land bemühen sich nun um eine rasche Lösung, um das 15.000 Quadratmeter große Grundstück abzusichern. Laut Bürgermeister Josef Pfeiffer ist aber keine Gefahr im Verzug. „Hangrutschungen lassen sich kaum verhindern, aber bei nicht allzu großen Erdmassen oder langsamer Bewegung kann man zumindest die Auswirkungen lindern. Wichtigster Punkt dabei ist, das Wasser aus dem Hang zu entfernen. Genau das versuchen wir jetzt“, so der Ortschef, der mit einer Gutachterin die Lage gestern Dienstag (nach Redaktionsschluss) inspiziert hat. In Zahling darf mittlerweile kein Haus mehr gebaut werden, ohne vorher ein geologisches Gutachten des Grundstückes gemacht zu haben. Zwei angehende Häuslbauer mussten bereits abgewiesen werden.

Gemeindestraßen und Weinberge in Gefahr 

Verwüstung statt Idylle herrscht nach dem Hochwasser und der Schneeschmelze auch in den Weingärten der Weinidylle. Am Eisenberg wurde ein ganzer Weingarten von den Schlammmassen mitgerissen. Auch in den Weingärten von Moschendorf und Gaas hinterließen die Wassermassen eine Spur der Verwüstung. In Moschendorf wurde eine vier Jahre alte Junganlage zerstört, im Nachbarort Gaas musste ein Winzer zwei Drittel seiner Anlage roden.

Nicht nur Weingärten sind betroffen, sondern auch eine Gemeindestraße zwischen St. Michael und Rauchwart. Diese ist seit Donnerstag gesperrt, da die aufwendige Wiederherstellung nur schwer möglich ist und sehr kostenintensiv wäre. „Zunächst sollen die Besitzverhältnisse zwischen Schallendorf und Rauchwart durch eine Neuvermessung abgeklärt werden. Alles Weitere kann erst danach entschieden werden. Diese Straße bleibt vorerst gesperrt“, sagt St. Michaels Ortschef Erich Sziderits (ÖVP).

Bauernhof in Neusiedl ebenfalls gefährdet 

Ebenfalls noch nicht entspannt hat sich die Lage in Neusiedl bei Güssing. Seit Samstag ist ein Güterweg aufgrund von Hangrutschungen gesperrt. Ein Bauernhof steht im betroffenen Gebiet und droht abzurutschen. Drei Rohrbrüche, ein Riss in der Wasserleitung und eine für einen Tag unterbrochene Wasserversorgung waren die Folgen. „An diesem Straßenstück haben wir Risse, Verdrückungen und Aufwölbungen bis zu einem halben Meter auf der Fahrbahn“, erklärt Vizebürgermeister Werner Kemetter (ÖVP). Im Gebiet liegt auch eine Strom- sowie die Abwasserleitung. Das Gebiet bleibt gesperrt. Gestern, Dienstag, wurde die Situation von der Geologin bewertet.

„Da steckt Liebe,

Geborgenheit und viel Arbeit in den eigenen vier Wänden und dann muss man zusehen, wie dies alles bedroht ist.“

Horst Gibiser aus Eltendorf