Erstellt am 01. Juni 2016, 01:05

von Elisabeth Kirchmeir

Fiktive Vignetten: Prozess fortgesetzt. 17 Käufer zahlten über Internet-Plattform für Autobahnvignetten, die nie geliefert wurden.

In Gelb. Die Vignette ist teurer als 2015 und beim Kauf bekommt man einen Registrierkassen-Beleg - nur zwei von vielen Neuerungen. Foto: Müllner  |  NOEN, Werner Müllner
Fortgesetzt wurde vorige Woche der Prozess gegen ein Ehepaar aus dem Bezirk Güssing. Mittlerweile verbüßt der 35-jährige Ehemann wegen eines anderen Deliktes eine Strafhaft, aus der er zum Prozess am Landesgericht Eisenstadt vorgeführt wurde. Vorgeworfen wird dem Ehepaar, man habe im Dezember 2014 auf einer Verkaufsplattform Autobahnvignetten zum Preis von 70 Euro angeboten.

16 Käufer interessierten sich für dieses günstige Angebot und zahlten den Kaufpreis ein. Vignetten sollen keine versandt worden sein. Wie sich mittlerweile herausstellte, hatte der Ehemann im Dezember 2014 mit der Tankkarte seines Chefs fünf Autobahnvignetten gekauft.

Über den Zugangs-Account der Ehefrau wurden die Vignetten zum Verkauf angeboten, mit den eintreffenden Mails sei sie überfordert gewesen, so die Angeklagte. Sie sei krank geworden und habe die Anzeige zu spät gelöscht. Die gutgläubigen Vignetten-Käufer hatten das Geld schon überwiesen, am 30. Dezember 2014 hob der Ehemann, froh über diesen Geldsegen, 990 Euro vom gemeinsamen Konto ab.

"Geld versoffen"

Rund 1000 Euro hatte er am ersten Verhandlungstag im November 2015 mitgehabt, um den Schaden der Opfer gutzumachen. Da diese jedoch nicht anwesend waren, kam es zu keiner Auszahlung. Beim Prozesstag in der Vorwoche stellte sich nun heraus, dass die 1000 Euro für die Wiedergutmachung des Schadens nicht mehr existieren: Er habe das Geld „versoffen“, gab der Angeklagte zu. Außerdem legte er ein Attest vor, das bescheinigen soll, dass er zumindest im November 2014 unzurechnungsfähig gewesen sei. Er habe damals einen Selbstmordversuch hinter sich gehabt und sei trotz Burnout und Krankenstand arbeiten gegangen.

Die Verteidigerin beantragte ein psychiatrisches Gutachten zur Feststellung der Zurechnungsfähigkeit. Der Prozess wurde neuerlich vertagt.