Erstellt am 11. November 2015, 10:54

von Michael Pekovics

Gatterjagd: Tierschützer im Visier. Rund 20 Polizisten im Einsatz, damit Gatterjagd von Mensdorff Pouilly ungestört ablaufen konnte. Anzeigen sind die Folge.

Großeinsatz. Zahlreiche Treiber und rund 20 Polizisten sorgten für die reibungslose Durchführung der kritisierten Gatterjagd.  |  NOEN, zVg/VGT
Das Duell Tierrechtsaktivisten gegen Alfons Mensdorff Pouilly geht weiter. Am Samstag der Vorwoche wollten einige Tierschützer des „Vereins gegen Tierfabriken“ (VGT) die Gatterjagd von Alfons Mensdorff Pouilly stören.

Dazu kam es aber nicht, weil ein – für südburgenländische Verhältnisse – Großaufgebot der Polizei mit rund 20 Beamten das ausgesprochene Platzverbot exekutierte.

Eine Person wurde sogar festgenommen, allerdings nur „kurzfristig“, wie Einsatzleiter Franz Schmickl, Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz, betont (siehe dazu auch „Warum haben Sie…?“ auf Seite 17 der dieswöchigen BVZ-Printausgabe): „Wir wollten eine Eskalation der Situation verhindern.“

Und weiter: „Dem VGT steht es nicht zu, zu sagen, dass man das nicht darf, wenn es dem Gesetz entspricht. Die Aufgabe der Polizei ist es, Personen zu schützen. Die Jagd an sich ist ja, egal wie man dazu steht, nicht verboten.“

VGT: Anzeige wegen beharrlicher Verfolgung

Durch die jüngsten Aktionen der Tierschützer ist im Burgenland mittlerweile eine Diskussion über die Gatterjagd entstanden (siehe dazu den Artikel weiter unten

). In der Causa selbst gibt es jetzt Anzeigen gegen Mensdorff Pouilly wegen Tierquälerei, der VGT wiederum wurde wegen „beharrlicher Verfolgung“ angezeigt.

VGT-Obmann Martin Balluch behauptet auch, dass die bei der Gatterjagd geschossenen Wildschweine einen Tag zuvor extra aus Zuchtgattern angeliefert wurden und hat dafür auch Beweise.

„Wie kann man nur Tiere züchten, in ein Gehege transportieren und dann ständig im Kreis hetzen, sodass die Schützen immer wieder auf dieselben Tiere zum Schuss kommen?“, fragt der Obmann des Tierrechtsvereins (siehe auch Aussendung vom Mittwoch unten), der „einen Mehrheit der Bevölkerung“ hinter sich weiß.

Der „Verein gegen Tierfabriken“ (VGT) hatte Mensdorff Pouilly schon vor einigen Wochen wegen der Haltung von Fasanen und Rebhühnern in Volieren zu Jagdzwecken kritisiert – und weitere Aktionen angekündigt. Unterstützung kommt von den Grünen, Landtagsabgeordneter Wolfgang Spitzmüller hat bereits einen Antrag auf Gesetzesänderung eingebracht.

 


Der VGT nahm auch in einer Aussendung am Mittwoch zum Thema Stellung:

„Der VGT wollte lediglich von der öffentlichen Straße bzw. von öffentlichem Grund aus die Vorgänge im Jagdgatter dokumentieren. Die Öffentlichkeit ist, wie sich nun zeigt, an diesen Vorgängen sehr interessiert. Doch die Polizei trat massiv auf, um die legitime und legale Tierschutzarbeit zu verhindern“, so der Verein gegen Tierfabriken in einer Aussendung.

In dieser hielt man fest: „Allein am Haupteingang zum Gatter standen 13 Polizeifahrzeuge, am Nordeingang 6, dazu an Straßensperren, im Wald und als Eskorte für Mensdorff – die Polizei sprach von insgesamt 9“.

An Straßensperren seien Fahrzeuge aufgehalten und Identitäten festgestellt worden, „zahlreiche BeamtInnen - sogar mit Polizeihunden - folgten den TierschützerInnen auf der ungarischen Seite der Staatsgrenze in den Wald. Alfons Mensdorff-Pouilly wurde sowohl bei seiner Ankunft als auch bei der Abfahrt von mehreren Polizeifahrzeugen eskortiert. Die Polizei ruderte in der Öffentlichkeit zurück, da war nur von 9 Polizeistreifen mit je 2 BeamtInnen die Rede."

VGT-Obmann Martin Balluch zeigte sich empört: „An den Grenzen gehen die Polizeikräfte aus, aber mit einem Großaufgebot wird Tierschutzarbeit verhindert, soll die Öffentlichkeit die Machenschaften von Mensdorff-Pouilly nicht zu Gesicht bekommen. Gehen die Polizeichefs vielleicht auch bei ihm jagen? Beunruhigend auch, mit was für einer Leichtigkeit das Innenministerium einfach völlig falsche Tatsachen über das Ausmaß der Polizeiaktion verbreitet. Dem Vernehmen nach wird das heute ein Thema im Parlament sein, Peter Pilz von den Grünen wird es aufbringen. Ich hoffe die Polizei besinnt sich wieder ihrer eigentlich Aufgabe und lässt den Tierschutz seine Arbeit tun.“