Erstellt am 13. Januar 2016, 04:53

von Carina Ganster

Gernot Heigl: Der mit Krebsen tanzt. Vom Journalisten zum Krebszüchter: Gernot Heigl züchtet seit 2010 Flusskrebse in einer in Europa einzigartigen Indoor-Zuchtanlage.

Gernot Heigl betreibt eine in der EU einzigartige Aquakultur mit dem Schwerpunkt Flusskrebse in Kombination mit Forellen und Saiblingen.  |  NOEN, zVg

Die Freundschaft zwischen dem ehemaligen Journalisten Gernot Heigl und einem Schweizer Wissenschafter war der Grundstein für die Idee, eine in Europa, möglicherweise auf der ganzen Welt, einzigartige Flusskrebszucht im Südburgenland anzusiedeln. Seit 2010 betreibt Heigl diese Flusskrebszucht jetzt und seit 2014 boomt das Geschäft wortwörtlich.

„Meine Motivation ist der Erste zu sein,
dem es gelingt, Flusskrebse in einer
Indoor-Kreislaufanlage halten, züchten
und vermehren zu können, im Hinblick
auf eine heimische Alternative zu oft
mehr als fragwürdiger Importware.“
Gernot Heigl

Haubenköche, wie Richard Rauch, Heinz Reitbauer oder der österreichische Koch des Jahres, Konstantin Filippou, geben sich die Klinke in Stegersbach in die Hand. Sie alle beziehen Krebse und Fische aus der Indoor-Zuchtanlage von Heigl.

Das ganz besondere an der Zucht ist, dass die Krebse und Fische ohne jegliche Chemie, ohne Beigabe von Wachstumshormonen und ohne Pharmazeutika gezüchtet werden. Zu fressen bekommen die Tiere lediglich Karotten, Fisch und Erlenblätter.

„Alles was in meinem Becken schwimmt, muss man sofort essen können. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob Antibiotika oder andere Arzneimittel im Fleisch der Tiere schon ausgeschwemmt worden sind oder nicht. Denn wo keine Medikamente drinnen sind, müssen auch keine abgebaut werden“, lautet auch die Philosophie des „Flusskrebspioniers“, der sich erst an die Materie herantasten musste. „Ich habe viel gelesen und dann probiert. Natürlich habe ich auch Unterstützung von meinem Freund aus der Schweiz bekommen, mit dem die Idee geboren wurde, eine solche Zucht zu bauen“, schildert Heigl.

Die Technik für seine 24 Becken kommt zum Teil aus der Koi-Karpfen-Zucht oder aus dem Medizinbereich. Der Sauerstoffanteil wird ständig kontrolliert und das Wasser gefiltert. Auch ohne Strom kann die Sauerstoffzufuhr aufrechterhalten werden, damit die Krebse optimale Lebensbedingungen haben. „Den Tieren geht es gut, sonst würden sie keine Eier legen“, erklärt Heigl, der bis zu einer Tonne Krebse im Jahr produzieren kann.

Auch bei den Bachforellen, Regenbogenforellen und Bachsaiblingen beschreitet er einen eigenen Weg - durch kompletten Verzicht auf jegliche Form von Antibiotika sowie andere Pharmazeutika. Möglich deshalb, weil alle Tiere im klaren Quellwasser schwimmen, aufbereitet durch hochwertige mechanische und biologische Filter.

Neue Experimente laufen bereits

Auf die Frage, nach seiner Motivation zögert Heigl nicht lange: „Das muss ich nicht überlegen. Meine Motivation ist es der Erste zu sein, dem es gelingt, Flusskrebse in einer Indoor-Kreislaufanlage halten, züchten und vermehren zu können, im Hinblick auf eine heimische Alternative zu oft mehr als fragwürdiger Importware.“

Und wäre es nicht Gernot Heigl, hätte er nicht schon wieder das nächste Experiment am Laufen. „In den kommenden Monaten soll es auch nach zwei Jahren Tüfteln soweit sein, dass ich Lachsforellen züchte, die Krebse essen und kein Karotin brauchen“, erklärt Heigl.

Mit besonderem Stolz garantiert Gernot Heigl die absolute Fangfrische: „Alle Krebse und Fische werden ausschließlich am Verkaufstag gefangen! Somit gibt es keine Kühl- oder Lagerware. Oftmals liegen zwischen dem Netzfang und der Lieferung knapp 30 Minuten. Frischer geht's nicht.“


Wirtschafts-Serie

Unter dem Titel „Wir unternehmen was“ stellt die BVZ wöchentlich erfolgreiche burgenländische Unternehmer und Menschen aus dem Wirtschaftsleben vor.