Erstellt am 24. Juni 2015, 06:36

von Michael Pekovics

Einbahn: Widerstand aus der Wirtschaft. Einbahn als Verkehrslösung für Hauptstraße sorgt für Unmut. Tenor ist aber einhellig: Es muss was passieren.

Güssinger Hauptstraße als Einbahn? Christoph Peischl von Peischl & Partner präsentierte mögliche Pläne.  |  NOEN, Michael Pekovics/BVZ
Die Verkehrssituation auf der Hauptstraße zwischen Volksschule und Molkereiberg ist schon seit Jahren Stadtgespräch. Am Freitag wurden im Technologiezentrum zwei mögliche Lösungen präsentiert, der Schwerpunkt lag dabei auf der Präsentation der Einbahnlösung.



Die Problematik in diesem Bereich ergibt sich durch eine zu geringe Fahrbahnbreite, dazu kommen noch zahlreiche falsche parkende Pkw. Und auch wenn es laut Auskunft von Polizeikommandant Gerhard Karner keine Unfallhäufung gebe, sei der aktuelle Zustand doch schlicht und einfach „illegal“.

Deshalb hat das Planungsbüro Peischl & Partner auch nur die zwei gesetzlich möglichen Varianten durchgespielt.

Parken: Einbahn bringt 45 neue Stellplätze

Eine Gegenverkehrslösung sei zwar realisierbar, allerdings würden dann nur acht Parkplätze entstehen, Grünflächen wären keine möglich.

Anders hingegen bei einer Einbahn, wo insgesamt 45 Längsparker neu hinzukommen würden sowie eine optische Attraktivierung ähnlich dem Erscheinungsbild am Hauptplatz möglich sei.

x  |  NOEN, Michael Pekovics BVZ


Überhaupt möglich ist die geplante Änderung der Verkehrssituation, weil das ehemalige BFI-Haus abgerissen wurde und dadurch der Kreuzungsbereich am Molkereiberg angepasst werden kann.

Dieses Projekt würde, weil es sich um eine Bundesstraße handelt, vom Land finanziert werden. Allerdings nur dann, wenn die Gemeinde eine generelle Lösung für das Problem in der Hauptstraße findet.

„Wir haben die Pläne jetzt einmal auf den Tisch gelegt und können mit diesem Projekt zum Land gehen. Danach werden wir weitere Gespräche führen, die Sorgen und Wünsche der Anrainer hören und dann eine Entscheidung im Gemeinderat treffen“, sagt Stadtchef Vinzenz Knor. Frühestens könne das Projekt bis 2017 realisiert werden, Kostenschätzungen gibt es noch keine.

„Wollen Güssing nicht zu Tode kontrollieren“

Kritik kam seitens einiger entlang der Hauptstraße ansässiger Betriebe und auch von ÖVP-Stadtrat Michael Hoffmann, der eher in Richtung der Gegenverkehrslösung tendiert: „Weil durch die Einbahn Umwege von zwei Kilometer entstehen. Um Parkplätze zu schaffen, könnten günstig Häuser angekauft und abgerissen werden. Die Kosten dafür müsste man ausarbeiten.“

Generell war das schlechte Erscheinungsbild einiger Häuser entlang der Hauptstraße ebenso Thema wie, geht es nach den Anrainern, mangelhafter Polizeikontrollen.

x  |  NOEN, Michael Pekovics/BVZ


„Die Verkehrsbelastung ist gestiegen, die Kontrollen und Strafen auch. Wir wollen Güssing aber auch nicht zu Tode kontrollieren“, sagte Kommandant Gerhard Karner, der die Bevölkerung bittet, ihre Wahrnehmungen unmittelbar am Posten zu melden.

Beim Schlusswort meinte Bürgermeister Knor, dass „das Ziel ist, die Straße zu attraktivieren und eine möglichst gute Lösung für alle Beteiligten zu finden.“

Stimmen & Sprüche

„Nur diese zwei Varianten sind gesetzlich möglich, die Straßenfronten können wir nicht versetzen. Natürlich wird sich der Verkehrsfluss in Güssing ändern, aber das spielt sich nach ein paar Monaten ein. Die Attraktivierung der Hauptstraße ist auch gut für die Geschäfte.“
Günther und Christoph Peischl, Peischl & Partner

„Wenn jetzt alle die ganze Stadt umfahren müssen, dann können die Geschäfte zusperren? Die Parkplätze werden doch immer alle verstellt sein.“
Stimme eines Wirtschaftstreibenden

„Für mich sieht das nach einer zugeschnittenen Lösung für einen Anlassfall aus. Wenn ich im Notfall zu einem Patienten muss, kann das durch die Einbahn drei bis vier Minuten länger dauern.“
Dr. Klaus Wehle

„Wenn ich schon angesprochen werde: Ich bin vielleicht der Anstoß, aber nicht das Problem.“
Philipp Kroboth, Die Kanzlei

Daten und Fakten

  • Die gesetzlichen Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung werden auf der Hauptstraße nicht eingehalten.

  • Falsch parkende Autos verzögern den Verkehrsfluss, durch die Eröffnung des Lokals „Die Kanzlei“ von Philipp Kroboth hat sich die Problematik verschärft.

  • Bei der Einbahnlösung bleibt der Gehsteig auf beiden Seiten erhalten.

  • Die Kosten für die Umgestaltung des Kreuzungsbereichs am Molkereiberg übernimmt das Land, die Stadt müsste die Finanzierung der Umgestaltung der Hauptstraße übernehmen.

  • Entlang der Hauptstraße gibt es viele teils baufällige Gebäude. Durch eine Attraktivierung der Straße, so erhoffen sich die Verantwortlichen, würden auch diese Häuser aufgewertet und vielleicht eher einen Käufer finden.