Güttenbach

Erstellt am 14. Februar 2018, 05:48

von Vanessa Bruckner

Ungewöhnliche Freundschaft: Hirschkuh folgte Traktor. Werner Jandrisits staunte nicht schlecht, als im Wald plötzlich eine Hirschkuh vor ihm stand. Das zahme Tier begleitete Mensch und Traktor bis nach Neuberg.

„Samy“ wollte nicht mehr alleine im Wald bleiben und folgte dem Traktor von Wolfgang Jandrisits  |  BVZ

„Hodi, Hodi“! tönt es auf dem Video, das Werner Jandrisits mit seinem Handy aufgenommen hat. Darauf zu sehen eine stattliche Hirschkuh, die brav neben seinem Traktor herläuft – und das unglaubliche drei Kilometer lang auf dem Güterweg bis nach Neuberg.

„Die Leute, die uns auf der Strecke entgegengekommen sind, haben bei dem Anblick nicht schlecht gestaunt“, erinnert sich der 44-Jährige lachend. Er selbst kam auch nicht aus dem Staunen heraus, als das Tier plötzlich mitten im Wald neben seinem Traktor stand und partout nicht mehr gehen wollte.

„Ich war gerade auf dem Nachhauseweg, als die Hirschkuh auftauchte. Natürlich hab ich schnell ein paar Fotos mit dem Handy von ihr gemacht, schließlich passiert so etwas ja auch nicht alle Tage. Was danach noch alles passierte, hätte ich mir aber in hundert Jahren nicht träumen lassen“, so Jandrisits lachend.

„Ich hab wie narrisch gehupt, aber das war ihr egal"

Die sichtbar ältere Dame auf vier Hufen folgte dem KFZ-Mechaniker und seinem Traktor und ließ sich nicht abwimmeln. „Ich hab wie narrisch gehupt, aber das war ihr egal. Sie ist mir beinhart weiter nachgelaufen. Also habe ich einen Freund von mir angerufen, von dem ich wusste, dass er selbst ein Wildgehege hat und habe die Hirschkuh so über drei Kilometer vom Wald in Güttenbach über den Güterweg zum Gehege nach Neuberg gelotst“, erzählt Samys Retter auf vier Reifen.

Hirschkuh „Samy“ und ihr Fanclub

„Samy“, so heißt die Hirschkuh nämlich, trägt diesen Namen bereits seit vielen Jahren, fanden Wolfgang Jandrisits und sein Freund Robert Schuch, bei dem das Tier nach der abenteuerlichen Reise nach Neuberg untergebracht wurde, schnell heraus. Jandrisits erklärt: „Samy wuchs bei Menschen auf. Der Besitzer verstarb aber vor einiger Zeit und dann ist die Hirschkuh aus ihrem Gehege ausgebüchst und in den Wald gelaufen. Wahrscheinlich war sie einsam.“

BVZ, zVg

Im Wald, unter ihresgleichen, dürfte es der alten Dame mit Fell aber anscheinend zu fad geworden sein, also hängte sie sich kurzerhand an Wolfgang Jandrisits und seinen Traktor an. „Das war schon ein verrücktes Erlebnis.“ Samys Retter im blauen Traktor und Robert Schuch, bei dem sie ein Zuhause auf Zeit gefunden hatte, kümmerten sich auch noch um einen guten Platz für das Tier. „Sie ist jetzt in Neuberg Bergen zuhause und wird dort ihr Gnadenbrot erhalten“, erzählen die beiden.

Und Samy wäre ja nicht Samy, wenn sie den Weg in ihre neue Altersresidenz nicht auch brav auf vier Haxerln absolviert hätte. Artig marschierte die Hirschkuh, flankiert von ihrer neuen Besitzerin, Robert Schuch und Herrschaften der Jagdaufsicht, die mehrere Kilometer lange Strecke zu ihrem neuen Zuhause.

Eine Hirschkuh, der sechs Leute folgen! Hat man so etwas schon gesehen? Klares Ja!