Erstellt am 29. Juni 2011, 00:00

Jäger vor Gericht: Altes Wildbret verkauft?. AMTSMISSBRAUCH / Hirsch war verdorben – Jäger als „kundige Person“ von Korruptionsstaatsanwaltschaft angeklagt!

BEZIRK JENNERSDORF / Es war ein „Blattschuss“ - darin sind sich alle Zeugen einig. Ein wahrer Superschuss, mit dem der 55-jährige Jäger aus dem Bezirk Jennersdorf am 4. September 2010 einen Hirsch zur Strecke brachte.

Allerdings hat der Waidmann an diesem Abend das Wild nicht gleich gefunden. Und als es dann beim Tiroler Händler landete, war das Fleisch verdorben.

„Er sah bei der ersten Untersuchung, dass das Fleisch nicht mehr verwertbar ist“, warf Staatsanwalt Mag. Roman Reich dem Angeklagten vor. Amtsmissbrauch sei das, weil der 55-Jährige die Erstbeschau als „kundige Person“ somit als von der Behörde bestelltes Fachorgan durchführte. Und bei Amtsmissbrauch ist derzeit noch die Korruptionsstaatsanwaltschaft zuständig!

„Die Leber bekam  der Stammtisch“

„Das Wildbret war in Ordnung!“, wehrte sich der Jäger gegen die Vorwürfe. „Ich habe die Leber am nächsten Tag zum Stammtisch gegeben und keiner hat sich beschwert.“ Er habe den Hirsch bis nach Mitternacht gesucht. Am nächsten Tag sei er schon um 5.30 Uhr wieder im Wald auf der Suche gewesen.

Am selben Morgen machte ein 45-jähriger Gastwirt eine seltsame Entdeckung. „Ich hatte einen Kukuruz-Acker mit Wildschaden und ging nachschauen. Dabei fand ich den toten Hirsch.“

Der Gastwirt fotografierte das Tier und brachte die Fotos zur Polizei. „Eigentlich darf man so etwas gar nicht mehr abliefern: Der Körper war aufgebläht, die Lichter waren eingefallen.“

Wenig später fand der Jäger den Hirsch und brachte ihn im Anhänger nach Hause. „Ich habe ihn aufgebrochen, er war noch warm, alles war super“, so der Angeklagte. Kurz nach Mittag sei das Wildbret vom Zwischenhändler abgeholt worden.

Jäger meint: „Kühlkette  war unterbrochen“

„Wie erklären Sie sich, dass das Fleisch verdorben war?“, wollte Richter Mag. Alfred Ellinger von dem Jäger wissen. „Ich kann mir das nur so erklären, dass die Kühlkette unterbrochen war.“ - „Im Kühlwagen hatte es zwei Grad. Ich hatte noch andere Tiere drin - die wurden nicht beanstandet“, konterte der Händler.

Ein anonymer Anrufer informierte die Amtstierärztin über den Vorfall. Die Fotos von dem toten Hirsch fand sie in ihrem Briefkasten. „Das Tier war sicher nicht mehr in Ordnung“, meinte sie vor Gericht.

Der Prozess wurde vertagt, weil jene Amtstierärztin befragt werden soll, die das Wildbret in Tirol begutachtet hat.