Erstellt am 21. März 2012, 00:00

Joints zum Einschlafen. DROGENPROZESS / Seit 25 Jahren konsumierte ein Tischler Cannabis. Jahrelang hat er selbst Hanfpflanzen angebaut.

BEZIRK GÜSSING / Wegen seiner Hanfplantage stand der 45-jährige Tischler aus dem Bezirk Güssing bereits vor einem Jahr vor Gericht. Zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung lautete damals das Urteil, mit dem er nicht einverstanden war. Der Oberste Gerichtshof gab dem Mann recht, daher wurde der Prozess im zweiten Rechtsgang neuerlich durchgeführt.

„Ich habe die Hanfpflanzen bei einem Vogelzüchter stehen sehen“, blickte der Tischler zurück. „Freunde sagten, dass man das rauchen kann. Ich habe das probiert.“ Einige Jahre lang baute er den sogenannten Vogelhanf an: „Die Wirkung war leicht beruhigend“, so der Angeklagte. Von 1996 bis 1999 musste er regelmäßig Harntests abgeben, auch danach habe er keine Drogen benötigt. 2002 habe er sich von seiner Gattin geschieden.

„Da war ich ziemlich zerstört. Ich konnte nicht mehr schlafen“, so der Tischler. Das Rauchen von Marihuana habe ihm das Einschlafen erleichtert. Zunächst baute er Vogelhanf an, ab 2005 Cannabiskraut. Im Oktober 2010 entdeckte die Polizei bei ihm fünf Cannabispflanzen und stellte diese sicher. Außerdem fand man in der Wohnung ein Kilogramm Cannabiskraut.

„Wann konsumierten Sie zum letzten Mal Suchtgift?“, wollte Richterin Mag. Gabriele Nemeskeri wissen. Zur Überraschung antwortete der Angeklagte: „Im Jänner dieses Jahres.“ - „Woher nehmen Sie das Suchtgift?“, fragte die Richterin. Darauf der Angeklagte: „Wenn man durch die Landschaft geht, findet man überall Hanf. Der wächst wild. Wenn man einen finden will, findet man ihn.“

Der Tischler wurde neuerlich schuldig gesprochen, erhielt aber eine geringere Strafe als beim ersten Prozess, nämlich zehn Monate bedingt. Der Schöffensenat ging davon aus, dass sieben Kilo Vogelhanf und rund drei Kilo Cannabis ausschließlich zum eigenen Bedarf angebaut worden waren. Dem Tischler wurde weiters die Weisung erteilt, sich halbjährlich Harntests zu unterziehen. Erschwerend wog für das Gericht, dass er zwischen den beiden Verhandlungen neuerlich Suchtgift konsumiert hatte. Der Angeklagte bat um Bedenkzeit - das Urteil ist nicht rechtskräftig.