Erstellt am 27. September 2012, 11:48

Kindesmisshandlung: Keine Ermittlungen gegen Behörde. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt betonte, die Ermittlungen würden nur gegen die Eltern geführt. Seitens der Jugendwohlfahrt wurde erklärt: "Es wurde nichts übersehen."

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Im unfassbaren Fall der Kindesmisshandlung in Limbach im Bezirk Güssing wird nicht gegen die Fürsorgebehörde, sondern nur gegen die Eltern ermittelt. Das teilte am Donnerstag die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, Magdalena Wehofer, mit. Es gebe keine konkreten Anhaltspunkte, dass sich die Behörde irgendetwas strafrechtlich zuschulden kommen habe lassen, erklärte sie. "Wenn das der Fall wäre, müsste man das überprüfen. Aber es gibt derzeit überhaupt keine Anhaltspunkte in diese Richtung."

Von der Staatsanwaltschaft werden nun Gutachten eingeholt, so Wehofer. "Erfahrungsgemäß dauert das etwa vier bis sechs Wochen." Auch die Polizei ermittelt weiterhin. Sind diese Gutachten da und die Ermittlungen abgeschlossen, werde entschieden, "ob weitere Erhebungen erforderlich sind oder ob es zu einer End-Erledigung kommt" - also ob Anklage erhoben wird oder nicht.

Am Mittwoch war der Fall durch einen BVZ-Bericht bekannt geworden. Bei dem Kind wurden mehrere Knochenbrüche, Prellungen und Blutergüsse im Zuge einer anderen Untersuchung im Spital entdeckt. Aus der Kinderklinik Graz hieß es Mittwochnachmittag, dass es dem schwer verletzten Mädchen den Umständen entsprechend gut gehe, es schwebe nicht in Lebensgefahr.

Die Mutter, 22 Jahre alt, und der Vater des Kindes, 25 Jahre alt, wurden in die Justizanstalt Wr. Neustadt bzw. Eisenstadt gebracht. In beiden Fällen lautet der Verdacht auf Quälen unmündiger Personen und absichtlich schwere Körperverletzung. Die Eltern bestreiten diese Vorwürfe. Der mittlerweile 15 Monate alte Bruder des misshandelten Mädchens wurde fremduntergebracht.

"Es ist nichts übersehen worden", betonte Elvira Waniek-Kain, die Leiterin der Sozialabteilung des Landes, am Donnerstag. Mehrmals in der Woche ist die südburgenländische Familie von zwei Familienintensivbetreuerinnen besucht worden, zudem gab es regelmäßig Kontakte mit einer Sozialarbeiterin der Jugendwohlfahrt Güssing - dennoch sind niemandem die schweren Verletzungen des zwei Monate alten Babys aufgefallen.

Wie ist es dann möglich, dass ein derart schwerer Misshandlungsfall von erfahrenen Mitarbeitern der Jugendwohlfahrt nicht erkannt wird? "Ich verstehe, dass das schwer zu nehmen ist", räumte Waniek-Kain ein. "Die Verletzungen waren aber von außen nicht sichtbar. Erst am Röntgen im Krankenhaus haben sie sich gezeigt."

Es bestehe natürlich die Möglichkeit, sich die Kinder nackt zeigen oder von einem Arzt untersuchen zu lassen. Die Familienintensivbetreuerinnen waren auch beim Wickeln dabei. Allerdings habe es laut Waniek-Kain in der Familie nie Hinweise auf eine Misshandlung gegeben. Die jungen Eltern wurden betreut, weil es um den Verdacht der Vernachlässigung ging. Hinweise auf körperliche Misshandlungen habe es auch bei dem 15 Monate alten Buben nicht gegeben.

Das Baby habe viel geschlafen, "was bei einem zwei Monate alten Säugling nicht außergewöhnlich ist", meinte sie. Und selbst wenn das Mädchen geweint habe, sei im Beisein der Betreuerinnen adäquat darauf reagiert worden.

Der Fall wird analysiert. "Wir werden daraus lernen, wenn es etwas zu lernen gibt", sagte die Leiterin der Sozialabteilung. "Egal wie eng man das Netz knüpft, es wird nie möglich sein, so etwas zu verhindern."

Große Betroffenheit herrschte indes in dem kleinen Dorf, in dem die junge Familie seit Anfang März dieses Jahres wohnt. Bereits wenige Wochen nachdem das Paar zuzog, wandten sich die Dorfbewohner an den Ortsvorsteher. "Die Menschen haben mir erzählt, dass etwas nicht passt, dass die Frau mit ihrem damals zehn Monate alten Kind (dem Bruder des misshandelten Säuglings, Anm.) nicht rausgeht."

Deshalb habe der Ortsvorsteher im Mai Bezirkshauptmannschaft und Bezirksgericht verständigt. Von beiden Seiten hieß es: Die Frau sei sehr kooperativ, sie werde betreut. Auch die Polizei sei oft vor dem Haus gestanden.

Der Gesundheitszustand des Babys war am Donnerstag unverändert. Laut Auskunft des Landeskrankenhauses in Graz befand sich das Mädchen nach wie vor auf der Intensivstation. Bei dem Kind wurden multiple frische und alte Knochenbrüche, darunter Serienrippenbrüche, Hämatome und andere Verletzungen festgestellt.