Erstellt am 12. September 2012, 00:00

KUZ-Kauf: Fass ohne Boden. Gemeinderat / SPÖ, ÖVP und Grüne beschlossen Kauf des Kulturzentrums. 175.000 Euro werden nur in den Ankauf investiert. Abwicklung erfolgt erst in zwei Monaten.

Von Carina Ganster

JENNERSDORF / VP-Bürgermeister Willi Thomas legte in der vergangenen Gemeinderatssitzung seinem Gemeinderat einen ausverhandelten Kaufvertrag für den Kauf des Kulturzentrums auf den Tisch. Dieser ist datiert mit 2. August 2012 – ein Tag nach dem Tod des Eigentümers Ernst Kampel-Kettner. „Die Kulturabteilung des Landes telefoniert mehrmals die Woche mit mir und will eine Entscheidung. Der Kauf muss so rasch als möglich über die Bühne gehen“, drängte der Ortschef in seiner kurzen Ansprache, ehe sich der Raxer Ortsvorsteher Franz Wolf (ÖVP) zu Wort meldete: „Ich bitte euch, dem Vertrag zuzustimmen. Uns bleibt nichts anderes übrig. Ein Bezirksvorort ohne Veranstaltungssaal wäre eine Katastrophe.“ Für VP-Vizebürgermeister Bernhard Hirczy wäre der Nicht-Ankauf des stark-renovierungsbedürftigen Kulturzentrums sogar „unverantwortlich“.

Die drei SPÖ-Mandatare, die sich einen Tag zuvor in der Fraktionssitzung gegen den Ankauf ausgesprochen hatten, waren nach kurzem Zureden der VP-Mehrheit ebenfalls mit dem Ankauf einverstanden. „Übernehmen wir uns da finanziell nicht“, so der etwas skeptische Kommentar von SP-Gemeinderat Helmut Kniewallner.

Ehe es zur Abstimmung kam, verlas der Bürgermeister noch die Eckdaten zum Ankauf. „Die Gemeinde bezahlt 175.000 Euro für das KUZ und erlässt den Erben die 300.000 Euro an offenen Forderungen“, so Thomas. Zuschauerstimmen im Hintergrund behaupteten während der Sitzung, „dass, sollte die Baupolizei das Gebäude begutachten, es keinen Tag länger geöffnet wäre.“ Darüber will aber im Gemeinderat niemand etwas wissen. Einzig Reinhard Poglitsch von der Bürgerliste stimmte in seiner letzten Gemeinderatssitzung – er tritt nicht mehr zur Wahl an – gegen den Ankauf: „Die ÖVP hat sich immer gewehrt, ein Veranstaltungszentrum zu bauen. So kurzfristig einem Vertrag zuzustimmen, wo die Details dem Gemeinderat erst einen Tag vor der Sitzung zugestellt wurden, wäre grob fahrlässig.“

Fix gekauft ist das KUZ aber trotzdem noch nicht. Da das Zentrum Teil der Verlassenschaft ist, kann der Verkauf erst über die Bühne gehen, wenn diese abgeschlossen ist. „Das sollte in rund zwei Monaten soweit sein, dann kann die Familie dem Verkauf zustimmen, was sie auch machen wird“, erklärt „Raffel“-Sohn Ernst Kampel.