Erstellt am 20. August 2014, 09:43

von Michael Pekovics

Äpfelpreise im Keller. Heimische Apfelbauern spüren indirekt Auswirkungen des russischen Importstopps. Preis ist um fast die Hälfte eingebrochen.

 |  NOEN, zVg

Mit 190,7 Hektar Anbaufläche für Äpfel hat der Bezirk Güssing im Burgenlandvergleich (Gesamtproduktion im Land 10.900 Tonnen) klar die Nase vorn (Neusiedl 166,7 Hektar). Die größte „Apfelgemeinde“ ist Kukmirn mit 167,3 Hektar, gefolgt von Burgauberg mit knapp 21 Hektar.

„Die Nachfrage ist total eingebrochen“

Für die Apfelbauern der Region dürfte die heurige Ernte kein Grund zum Feiern sein. Der Grund: Der russische Importstopp für Agrarprodukte aus dem EU-Raum als Antwort auf die verhängten Wirtschaftssanktionen wegen der Ukraine-Krise. Der „Wirtschaftskrieg“ hat massive Auswirkungen auf den Apfelpreis, der im Sinkflug ist und von bis zu 40 Cent pro Kilo auf teilweise 20 Cent gefallen ist.

Das spüren auch unsere Apfelbauern, die oft bis zu 50 Prozent ihrer Produktion exportieren. Hauptabsatzmarkt ist zwar nicht direkt Russland, weil aber auch Polen nicht mehr dorthin exportieren kann, überschwemmen die billigen polnischen Äpfel den europäischen Markt. „Die Nachfrage ist total eingebrochen“, sagt Helene Nikles aus Kukmirn, deren Betrieb pro Jahr rund 500 Tonnen produziert.

„Eine Katastrophe, die Privatkunden halten uns zwar die Treue, aber im Großhandel geht gar nichts.“ Dazu kommt noch, dass die Lager wegen der schwachen Ernte aufgrund der Dürre im Vorjahr mit ausländischer Ware gefüllt sind. „Das drückt den Preis zusätzlich.“

„Kostendeckend zu arbeiten geht sich fast nicht aus“

„Plötzlich ist das Angebot in Europa riesig, wenn wir Produzenten pro Kilo nur mehr 20 Cent bekommen, dann sind wir arm dran“, bestätigt der Kukmirnen Gerald Zotter. „Investitionen sind dann keine mehr möglich.“ Derselben Meinung ist auch Herbert Knöbl aus Burgauberg: „Kostendeckend zu arbeiten geht sich fast nicht mehr aus“, klagt der Obstbauer.

„Neue Absatzmärkte zu erschließen ist fast nicht möglich, weil alle betroffen und die Polen viel zu billig anbieten.“ Besonders schlimm sei die Situation, weil schon die vergangenen Jahre nicht gerade rosig waren. „Der Frost 2011, die Dürre 2013 und jetzt das“, sagt Knöbl.

Hilfe könnte von der EU kommen, die Stützungsmaßnahmen im Ausmaß von 125 Millionen Euro zugesagt hat. ÖVP-Kammerrat Josef Korpitsch fordert, die „russischen Partner wieder an den Tisch zu bekommen und neu zu verhandeln“.